Limburg, 27.11.2000, 00:00  VideoMarkt

Im Gespräch: Klaus-Peter Weber, DVR

Geschäftsführung und Beirat des DVR haben einen Neuanfang beschlossen. Was es damit auf sich hat, erläuterte Klaus-Peter Weber, der beim DVR für den Bereich Finanzierung der Zukunftsaufgaben, Organisation und Betriebswirtschaft verantwortlich zeichnet, im Interview mit VideoWoche.

VideoWoche: Wie sieht der Neuanfang des DVR aus?

Klaus-Peter Weber: Am 14. November haben die Geschäftsleitung und der Beirat des DVR einen absoluten Neuanfang beschlossen. Warum? In der Vergangenheit ist sehr viel um und über den DVR spekuliert worden: Was passiert mit dem DVR? Gibt es gar eine Aufspaltung? Werden sich Mitglieder anderen Organisationen anschließen oder gar eine eigene gründen? Das wird sich jetzt ändern. Wie manche wissen, bin ich erst seit vier Jahren in dieser Branche tätig und komme eigentlich aus dem Finanzierungsbereich. Seit ich mich mit dem Videogeschäft auseinander setze, hat mich immer wieder überrascht, wie wenig kaufmännischer Sachverstand oft an entscheidender Stelle in den Firmen vorhanden ist. Das hat seine Ursachen im Gesamtmarkt, der nicht organisch gewachsen ist. Der Markt verzeichnet zwar Zuwachsraten, und es wird damit Geld verdient, betriebswirtschaftliche Betrachtungsweisen wurden aber oft außer Acht gelassen.

VW: Welche Rolle spielen Sie jetzt beim DVR?

Weber: Ich habe mich im Zuge der ganzen Ereignisse rund um den DVR bereit erklärt, die Geschäftsführung in entscheidender Funktion zu unterstützen. Mein Part wird besonders im Bereich Finanzierung der Zukunftsaufgaben, Organisation und Betriebswirtschaft liegen, im Besonderen die Zusammenführung betriebswirtschaftlicher Daten von Videotheken und Zentrale.Karl Jorde und ich zusammen werden das Zepter fest in die Hand nehmen. Fest steht, dass wir uns in letzter Zeit auf stürmischer See bewegt haben. Die Entscheidung fürs Weitermachen innerhalb des DVR als Neuanfang zeigt, dass wir dieser Situation gewachsen sind.

VW: Was wird sich ändern?

Weber: Was wir beim DVR künftig auf keinen Fall mehr wollen, ist die personifizierte Darstellung im Unternehmensverbund. Das heißt zum Beispiel, dass ich bei der Unternehmensgestaltung künftig meine Erfahrungswerte als Unternehmer einbringen werde, aber niemals namentlich in Erscheinung trete. Unsere Ziele sind nicht an Personen festgemacht, sondern an Inhalten, Dienstleistungen, Informationstechnologien und Bündnissen mit starken Partnern. Die Problematik der letzten Zeit lag meines Erachtens wesentlich in der Personifizierung begründet. So gab es immer wieder gute Vorschläge, die aber an den Vorbehalten gegenüber der vorbringenden Person gescheitert sind. Dabei ziehen wir alle doch an einem Strang. Warum nutzen wir dann nicht auch die sich ergebenden Synergieeffekte?

VW: Wie sehen die Ziele aus?

Weber: Der DVR plant für die nächsten zweieinhalb Jahre mit einem Investitionsvolumen von circa 30 Mio. Mark. Es wird sich ein Unternehmen aus dem Bereich Informationstechnologie/Neue Technologien am neuen DVR beteiligen. Auch aus dem Bereich der Inhalte werden sich Beteiligungen ergeben. Hier werden bereits intensiv Gespräche geführt. Weiteres Ziel ist es, die Dienstleistungen des DVR zu erweitern, indem wir uns dem Markt mehr öffnen. Dabei sollen die Videothekare in strategische Konzepte des DVR eingebunden werden. Also mehr Corporate Identity als in der Vergangenheit. Das wird sicherlich ein Anspruchsdenken mit sich bringen, das an jeden mehr Anforderungen stellt. Hierfür müssen neue Konzepte entwickelt werden, bei denen sicher nicht nur der einzelne Filmpreis im Vordergrund steht. Ausschlaggebend ist, dass das Konzept der Markterhaltung der Videotheken dient.Um jedoch einen höheren Durchsatz in den Videotheken zu erzielen, werden auch die Anforderungen an die Videothekare wachsen. Das heißt aber auch, dass über gewisse Themen nicht mehr bis ultimo diskutiert werden kann, wohl wissend, dass bei jeder Entscheidung, die herbeigeführt wird, der betriebswirtschaftliche Teil der eine Aspekt, die menschliche Seite der andere ist. Kurzum: Es wird künftig innerhalb des DVR nach bestmöglichem Wissen und Gewissen entschieden, und zwar unter fundierten kaufmännischen Nachweisen.

Zur Person Klaus-Peter Weber

Klaus-Peter Weber ist Jahrgang 1953 und gelernter Maschinenbautechniker.1972 ging er beruflich für fünf Jahre ins Ausland (Amerika, Saudi-Arabien). Während seines USA-Aufenthalts legte er die Prüfung als Betriebswirtab. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland, 1977, war er bei der Deutschen Leasing als Vertriebsleiter für den süddeutschen Raum zuständig. Zum 1. Oktober 1982 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit. Mittlerweileist Weber seit 18 Jahren Unternehmer und betreibt vier Leasinggesellschaften. In dieser Zeit lernte er Karl-Dieter Kneupper und Wolfgang Klenk kennen,für die er im Bereich Investitionsgüter Geschäfte refinanzierte. Als ihm Ende 1996 die Videotheken von Karl-Dieter Kneupper angeboten wurden,die Weber am 31. März 2000 komplett erwarb, stieg er ins Videogeschäftein. Heute besitzt Weber, der verheiratet ist und eine 18-jährigeTochter hat, 30 Videotheken.

VW: Trifft der Beirat diese Entscheidungen?

Weber: Der Begriff Beirat wird künftig im Kontext des DVR nicht mehr auftauchen. Wir leben davon, die Kompetenz des Markts zu nutzen. Diese wird durch unsere langjährigen Mitglieder verkörpert und in Zukunft in verschiedenen Gremien verwirklicht. Diese Gremien werden mit kompetenten Mitgliedern aus unseren Reihen unterschiedlich besetzt sein und konstruktive Beiträge für den DVR erarbeiten. Die Vergangenheit belastet uns seit dem 14. November nicht mehr, weil es den personifizierten DVR, wie geschehen, nicht mehr gibt.

VW: Wie sind diese Gremien genau besetzt?

Weber: In den Gremien werden mit Sicherheit neue Namen auftauchen, die aktiviert werden müssen. Die Geschäftsleitung steuert gern eigene Erfahrungswerte zur Konzeptentwicklung bei. Es wird mehrere Gremien bzw. Arbeitskreise geben, die sich je nach Kompetenz und Arbeitsaufwand aus drei bis vier Leuten zusammensetzen und sich jeweils mit einem Thema beschäftigen.

VW: Sie bündeln also die kreativen Kräfte, die Konzepte entwickeln, die wiederum den Mitgliedern zur Umsetzung empfohlen werden?

Weber: Ja, hier wird es eine kommunikative Anbindung geben. Schauen Sie sich heute doch mal Ladenketten an. Deren Erscheinungsbild sollte doch wenigstens überall identisch sein. Wir haben vor, uns einer bestimmten Darstellung zu widmen. Wenn wir uns dann auf eine einheitliche Darstellung geeinigt und einen entsprechenden Antrag verabschiedet haben, müssen sich die Mitglieder in einem weiteren Schritt vertraglich verpflichten, dieses Erscheinungsbild auf ihre Geschäfte zu übertragen. Die verabschiedeten Konzepte haben sicherlich Empfehlungscharakter. Allerdings bewegen wir uns in einem sehr dynamischen Markt, sodass wir auch gezwungen sind, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Es geht heute nicht mehr allein darum, ein Produkt zu dem und dem Preis einzukaufen und auszuwerten - das wird sicher immer ein Hauptzweck unseres Geschäfts sein -, wir müssen uns auch darüber hinausbewegen und andere konzeptionelle Ideen einbauen Das betrifft insbesondere die Integration moderner Kommunikationstechnologien wie das Internet oder Video on Demand. Auf diesen Zug sind wir bereits aufgesprungen, haben es aber noch nicht in dem Maße publiziert, wie andere Organisationen oder Marktteilnehmer das tun.

VW: Wann können wir hier mit einer News rechnen?

Weber: Ich kann Ihnen heute definitiv sagen, dass der DVR im ersten Halbjahr 2001 mit einer neuen Informationstechnologie auf den Markt kommt. Und zwar mit einer Technologie, von der wir auch mit Fug und Recht behaupten können, dass sie funktioniert.

VW: Was heißt das konkret?

Weber: Informationstechnologie bezieht sich vor allem auf den Bereich Video on Demand, in dem wir sehr aktiv werden. In puncto Partner ist dieses Engagement schon konkretisiert. Dabei muss es sich um Leute handeln, die zu uns passen, die unser Medium verstehen und entsprechend darstellen können. Schließlich handelt es sich dabei nicht nur um einen Übertragungsweg, vielmehr nutzen wir diese Technologie, um einen kompletten Service bzw. eine umfassende Dienstleistung anzubieten. Es geht dabei inhaltlich nicht nur um das Thema Film, im Vordergrund steht vielmehr die Nutzung von Synergieeffekten, die sich aus dem Zusammenspiel des DVR mit anderen Unternehmen ergeben und in den Aufbau eines Portals münden. Hier führen wir Gespräche mit verschiedenen Partnern.

VW: Denkbar ist die Vermarktung zahlreicher Handelswaren und Dienstleistungen?

Weber: Der E-Commerce-Handel mit verschiedensten Produkten gehört zur Abrundung des Programms. Konkrete Partner kann ich aus taktischen Gründen aber noch nicht nennen.

VW: Das klingt alles sehr komplex. Ist in diesem Kontext an Qualifizierungsmaßnahmen für Mitglieder gedacht? Etwa im kaufmännischen Bereich.

Weber: Eine Organisation ist immer nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Wir stellen also unseren Mitgliedern Minimalauflagen, die erfüllt werden müssen. Allerdings werden wir den betroffenen Mitgliedern auch die Möglichkeiten geben, diese Anforderungen zu erfüllen. Also: Learning by doing. Wir wollen miteinander und voneinander lernen, denn die Bedeutung des Markts wächst in der Formation und nicht beim Einzelnen. Um das zu erreichen, sind wir bereit, auch mit anderen Kooperationen einzugehen. Vertriebsnotwendige und marktpolitische Maßnahmen müssen durchgesetzt werden können, ohne hundert Mal zum Hörer greifen zu müssen. Die interne Kommunikation läuft dabei via E-Mail.

VW: Inwiefern ist Herr Klenk noch beim DVR eingebunden?

Weber: Ich unterhalte mit dem ehemaligen und jetzigen Gesellschafter Klenk seit vielen Jahren Geschäftsverbindungen. Ich bin dabei nicht Weisungsgebundener, sondern selbständiger Unternehmer. Unter der Prämisse der Nichtpersonifizierung des DVR wird der Name des jetzigen Gesellschafters keine Bedeutung mehr haben. Der Hintergrund des DVR wird sich aus strategisch wichtigen Partnern zusammensetzen, die, in sich gesehen, ein berechtigtes Interesse haben, den Markt gemeinsam zu gestalten.


Quelle: Videowoche

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