Warner Music Central Europe

Tonträgerfirma

New York, 13.05.2011, 14:59  MusikWoche | Unternehmen

Milliardendeal für Warner Music

Am 6. Mai fiel die Entscheidung im Bieterwettstreit um die Warner Music Group: Die Konzernspitze des US-Musikmajors hat sich demnach entschlossen, die Offerte von Leonard "Len" Blavatnik und seiner Beteiligungsgesellschaft Access Industries anzunehmen.

Bilanzzahlen unter Druck: In den vergangenen sechs Geschäftsjahren schrieb die Warner Music Group unterm Strich nur einmal schwarze Zahlen ... Großansicht
Bilanzzahlen unter Druck: In den vergangenen sechs Geschäftsjahren schrieb die Warner Music Group unterm Strich nur einmal schwarze Zahlen ...  
Das Gebot von Access Industries lautet auf 8,25 Dollar pro Warner-Aktie und hat inklusive der Übernahme der auf Warner lastenden Schulden ein Volumen von rund 3,3 Milliarden Dollar. Die Schuldenlast beziffert die am 10. Mai vorgelegte Warner-Quartalsbilanz auf eine Höhe von 1,95 Milliarden Dollar, demgegenüber standen zum Ablauf des zweiten Fiskalquartals Ende März 2011 Barmittel von 319 Millionen Dollar. Blavatnik steckt demnach rund 1,3 Milliarden Dollar in den Kauf der Aktien.

Zur Finanzierung des Deals tragen zudem Credit Suisse und UBS bei. Der Preis von 8,25 Dollar pro Warner- Aktie bedeutet einen Aufschlag von gut einem Drittel auf den Durchschnittswert, den das Papier in den vergangenen sechs Monaten an der New Yorker Börse erreichte. Im Vergleich zum Schlusskurs von 7,90 Dollar am 5. Mai liegt der Aufschlag immerhin bei 4,4 Prozent. Damit übernimmt Blavatnik ein Unternehmen, das in den inzwischen sechs vollständigen Fiskaljahren, seitdem Edgar Bronfman den Musikmajor mit Investorenhilfe aus dem damaligen AOL-Time-Warner-Konzern herausgekauft hat, nur in einem einzigen Geschäftsjahr unterm Strich schwarze Zahlen schrieb.

Zusammengerechnet kommt die Warner Music Group binnen sechs Jahren auf Nettoverluste in Höhe von 429 Millionen Euro. Zugleich fielen die Umsätze des Musikmajors von 3,5 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr bis Ende September 2005 auf nicht einmal mehr drei Milliarden Dollar in den zwölf Monaten bis Ende September 2010. Analysten rechnen zudem damit, dass Warner Music im derzeit laufenden Geschäftsjahr Umsätze von rund 2,7 Milliarden Dollar erzielen kann.

Edgar Bronfman jr., Chairman & CEO der Warner Music Group, bezeichnete den Deal aber dennoch als eine "außergewöhnliche" und "wertmaximierende" Gelegenheit, die im besten Interesse aller Aktionäre sei sowie der Musikfans, der Warner-Acts und -Autoren sowie der "wundervollen Mitarbeiter" des Unternehmens. Der in Russland geborene US-Milliardär Blavatnik erklärte, wie erleichtert er sei, seine langjährige Verbundenheit mit Warner Music weiter ausbauen zu können: Warner Music sei "ein großartiges Unternehmen" und die Heimat vieler "außergewöhnlicher Künstler".

Bei Warner Music empfehlen Konzernspitze und Aufsichtsgremium ihren Aktionären denn auch, das Gebot anzunehmen. Die bisherigen Eigner des Musikmajors, darunter die Gesellschaften Thomas H. Lee Partners und Bain Capital Partners sowie Edgar Bronfman, die zusammen beinahe 56 Prozent der Unternehmensanteile halten, hätten der Übernahme durch Leonard "Len" Blavatnik und Access Industries bereits zugestimmt. Mit einem Abschluss des Deals sei nun bis zum dritten Quartal des laufenden Kalenderjahres zu rechnen, heißt es in einer Konzernmitteilung aus New York.

Das Unternehmen soll weiter unter dem Namen Warner Music Group firmieren. Zudem deutet alles darauf hin, dass die Konzernspitze um Edgar Bronfman an Bord bleibt. Da Blavatnik klarmachte, dass er die Strategie des Unternehmens grundsätzlich unterstützt, darf Warner Music in diesen spannenden Zeiten im Musikbiz und trotz der neuen Besitzverhältnisse wohl als stabile Größe gelten.

... in den letzten Jahren weitete der Konzern seine Nettoverluste aus und fuhr zugleich weltweit geringere Umsätze ein Großansicht
... in den letzten Jahren weitete der Konzern seine Nettoverluste aus und fuhr zugleich weltweit geringere Umsätze ein  
Tatsächlich scheinen sich mit Bronfman und Blavatnik so etwas wie Wunschpartner gefunden zu haben. Und auch die Mehrheit der Warner-Mitarbeiter dürfte die Übernahme durch einen neutralen Investor zunächst durchaus wohlwollend verfolgen. Sparmaßnahmen, die ein Kauf von Warner Music durch einen strategischen Bieter aus dem Musikgeschäft vermutlich mit sich gebracht hätte, stehen nun wohl zumindest zunächst nicht zu befürchten.

Aber auch Analysten loben den Deal: "Für Warner Music ist das beinahe ein perfektes Szenario", sagte Tuna M. Amobi von der Ratingagentur Standard & Poors der "New York Times". Der Verkauf des gesamten Unternehmens sei der denkbar beste Fall, und der erzielte Preis liege am oberen Ende der Erwartungen.

Der in den Siebzigern aus der heutigen Ukraine in die USA gekommene Geschäftsmann Blavatnik machte sein Vermögen unter anderem im Geschäft mit Öl und Aluminium. Im Musikbiz verfügt der 1957 geborene Blavatnik seit längerer Zeit über enge Verbindungen zu Warner Music: So hielt er bereits vor dem Übernahmedeal rund zwei Prozent der Unternehmensanteile des Musikmajors, hatte zeitweilig selbst einen Sitz im Aufsichtsgremium der Warner Music Group inne und gilt durchaus auch als persönlich vertraut mit Warner-CEO Edgar Bronfman.

Blavatnik soll nach Informationen der "New York Post" aber auch einer der wichtigsten Geldgeber hinter dem Modelabel von Tory Burch sein, die als Freundin von Warner-Musikchef Lyor Cohen gilt. Access Industries engagierte sich bislang vor allem im Rohstoffbereich und der chemischen Industrie, im Immobilienbereich und im Mediengeschäft. Hier hatte sich Blavatnik vor Jahresfrist auch an einem Einstieg bei Metro-Goldwyn-Mayer versucht, kam beim Filmstudio allerdings nicht zum Zuge.

Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzte Blavatniks Vermögen noch im Februar 2011 auf 10,1 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 6,8 Milliarden Euro und führt den Unternehmer auf Rang 80 seiner globalen Geldrangliste. Nach der Verkündung der Übernahme kletterte der Aktienkurs der Warner Music Group an der New Yorker Börse bis fast zu der von Access Industries gebotenen Summe. Mit gut acht Dollar war das Papier allerdings nur noch die Hälfte der 17 Dollar wert, die beim Börsengang am 11. Mai 2005 als Ausgabekurs aufgerufen wurden.

Dennoch hat sich der Deal für die vorherigen Warner-Eigner nicht erst mit dem jetzt anstehenden Zahltag gelohnt: Nach Schätzungen der "New York Times" dürften die Partner, die Edgar Bronfman einst für den Kauf von Warner Music gewinnen konnte, etwa das Doppelte ihres ursprünglichen Investments wieder eingespielt haben. Zur Erinnerung: Thomas H. Lee Partners hatte damals als größter Investor etwa 525 Millionen Dollar in den 2,6 Milliarden schweren Kauf von Warner Music gesteckt und dafür 51 Prozent der Unternehmensanteile übernommen. Bain Capital fielen etwa 25 Prozent zu, den Rest teilten Edgar Bronfman und Providence Equity Partners untereinander auf.

Mit dem Börsengang von Warner Music fiel der Anteil von Thomas H. Lee auf rund ein Drittel. Die beim IPO erlösten Gelder flossen allerdings teils direkt in die Taschen der Investoren, teils in die Schuldentilgung und nur zu einem geringen Teil ins operative Geschäft. Allein 1,4 Milliarden Dollar an Tantiemen schütteten sich die Warner-Eigner im Umfeld des Börsengangs aus. Konzernchef Edgar Bronfman besitzt heute noch laut Angaben des Wirtschaftsnachrichtendienstes "Bloomberg" rund 10,8 Millionen Warner-Aktien oder auch sieben Prozent der Konzernanteile. Bei einem Kurs von 8,25 Dollar liegt allein deren Wert bei rund 88,9 Millionen Dollar.

Scheint sich mit Blavatnik zu verstehen: Edgar Bronfman
Scheint sich mit Blavatnik zu verstehen: Edgar Bronfman  
Mit der Übernahme vereinbarten Blavatnik und Bronfman, Warner Music nach Abschluss der Transaktion von der Börse zu nehmen. Für Branchenbeobachter eine zweischneidige Sache: Einerseits entfallen die Berichtspflichten und das Denken in Quartalszeiträumen. Das könnte dem Konzern mehr Freiräume bei der langfristigen Entwicklung von Künstlerkarrieren und Unternehmensstrategien geben.

Andererseits gewährten die Quartalsberichte der Warner Music Group alle drei Monate einen gewissen Einblick nicht nur in die Geschicke des Unternehmens, sondern darüber hinaus auch in die Entwicklung des Musikgeschäfts. Zwar verkünden auch die Universal-Mutter Vivendi und der Sony-Konzern Quartalsbilanzen, die Ergebnisse der Musiktöchter finden sich darin aber nur mit Abstrichen wieder.

Die lange Zeit börsennotierte EMI Group wurde noch zu Zeiten von Guy Hands und Terra Firma ebenfalls von der Börse genommen, und zuletzt übernahm BMG mit Chrysalis einen der wenigen börsennotierten Indies im Musikgeschäft.


Quelle: MusikWoche

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