Superbanner
 

Neue Helden braucht das Land

Erste Allgemeine Verunsicherung



Neue Helden braucht das Land Großansicht
Interpret(en) Erste Allgemeine Verunsicherung
Label Ariola / Sony Music Ariola
Vertrieb Sony Music
Format 1 CD (Longplay)
Genre Rock & Pop
Produktionsland Sonstige
Auslieferung KW 2010/05
Bestellnummer 97 57300-2
EAN-Code
0886975730025
EAN-Code anzeigen

nach oben MusikWoche-Kritik

Die 1977 in der Steiermark gegründete Formation präsentiert sich auf ihrem neuen Studioalbum bissig und sarkastisch wie gewohnt. Bereits auf "Amore XL" (2007), dem letzten Longplayer, zeigte die Formkurve der Musik-Comedy-Truppe um Sänger Klaus Eberhartinger und Gitarrist Thomas Spitzer aus Österreich wieder steil nach oben. Und dieser Aufwärtstrend hält auch auf "Neue Helden braucht das Land" unvermindert an.

Dem allzu billigen Klamauk hat die EAV auch diesmal weitgehend abgeschworen und überzeugt stattdessen in Stücke wie "Dummheit an die Macht" oder dem mit Country-Elementen angereicherten "Obama" mit ungewohnt politischen Texten. Für erstklassige Unterhaltung ist aber trotz der sehr oft ernsten Inhalte der Songs weiterhin gesorgt.

Der EAV ist nach wie vor nichts Heilig und so besticht die Gruppe in Tracks wie dem mit Metal-Gitarren-Sounds veredelten "Nostradamus" oder dem lässig swingenden "Männer brauchen Tritte" mit einer stilistischen Vielseitigkeit, die ihresgleichen sucht. Auch inhaltlich kann von Altermilde weiterhin nicht die Rede sein. So offensiv wie zum Beispiel bei "Eloise & die Krise" oder "Supertürke" agierte die EAV schon lange nicht mehr.

Norbert Schiegl

Quelle: musikwoche.de

nach oben Charts

Top-100 Longplay Deutschland


Woche KW 2010/13KW 2010/12KW 2010/11KW 2010/10KW 2010/09
Rang 8285816848
Höchste Position: Rang 26 in KW 2010/08
nach oben Daten zum Titel
Label Ariola / Sony Music Ariola
Vertrieb Sony Music
Bestellnummer 97 57300-2
EAN-Code
0886975730025
EAN-Code anzeigen
Genre Rock & Pop
Format 1 CD (Longplay)
Auslieferung KW 2010/05
nach oben K�nstler
Interpret(en) Erste Allgemeine Verunsicherung
nach oben Pressetext

Herbstzeit ist Sturmzeit. Übergang. Aus Trauben wird irgendwann Wein. Dazwischen rumort es im Fass und nur für kurze Zeit geschieht durch Gärung darin das, was in Österreich als "Sturm", in Deutschland als "Federweißer", bei immer mehr Menschen große Freude auslöst.

Bei Liedern verhält sich alles ganz genauso. In der Zeit der Lese wird getextet und komponiert. Die ersten Aufnahmen, die ersten Mixe: Es ist Sturmzeit. Alles fertig, alles gemixed, das Cover gezeichnet - hübsch etikettiert gehen die Lieder dann ab in die Läden.

Ich mag die Sturmzeit, sie ist für mich die Phase, wo der Winzer noch nicht das volle Stylisten-Programm gefahren hat, wo sich die Dinge noch sehr rau und direkt darstellen.

"Willst du sie hören?", fragte der Liedwinzer Thomas Spitzer am Telefon und so saß ich nahezu im gleichen Moment schon mit ihm im Wohnzimmer. Ein guter Geist stellte vor uns zwei Gläser Schilcher-Sturm auf den Tisch und ich war glücklich. Ganz frische Lieder zu hören ist ein besonderes Erlebnis. Sturm in den Liedern, Sturm auf den Tonspuren.

Die EAV wurde 1977 in der österreichischen Steiermark gegründet. Comic Rock, eine Art Mix aus Rock'n'Roll, gesellschaftspolitischem Kabarett und wildem Aktionismus auf der Bühne. In den 80ern ging der Erfolg durch die Decke. Die Hits reichten sich in den Charts die Spitzenpositionen wie beim Staffellauf weiter und irgendwie hätte man bei oberflächlichem Hören den Eindruck bekommen können, es gehe lediglich um Witz und Klamauk. Das war und ist Blödsinn, damals wie heute. Man war in Schnitzelland seit jeher schon Großmeister darin, die Dinge erst auf Umwegen auf den Punkt zu bringen, indem man diese vorher hübsch in Schmäh, Zynismus und Witz einpackt, um dann von hinten drauf zu hauen. Verbale Arschtritte haben hier Tradition. Was als Witz daher kommt, ist nicht selten böse Satire, die runter rinnt wie gesalzener Honig. Und das ist gut so, es ist im Sinne des Erfinders. Die bekannten Hits der EAV sind demnach nur vermeintliche Gröhler, die im Übrigen mittlerweile am ehesten von jenen verstanden werden, die damals zu Märchenprinz- oder Ba Ba Banküberfall-Zeiten Kinder waren. "Früher als Kinder, da haben wir's gesungen und gelacht, heute aber, da verstehen wir was ihr eigentlich sagen wollt...das hören wir immer wieder von den Leuten bei unseren Konzerten", erzählt Thomas Spitzer. Es ist eine gerne gehörte Bestätigung dafür, dass nicht alles umsonst war und ist, was den Mann so bewegt.

Die EAV heute ist für mich eine Reisegesellschaft, die durch ihre eigene Geschichte navigiert und irgendwie fast wieder dort ist, von wo sie einst los gestartet ist. Ihr Reisegepäck ist über die Jahre gewachsen, die Erfahrungen von 22 Jahren aber, die münden heute wie damals in der klaren Aussage der Protagonisten: "Besser von Wenigen geachtet, als von der Masse bejohlt". Gut, ich war immer einer der dann johlt, wenn ich das achten kann, was ich höre und so saß ich da auf dieser Ledercouch mit frischen Liedern für die Ohren.

"Neue Helden ... braucht das Land" - der Titelsong der neuen CD ist gleichzeitig der Türöffner zum Album, zum Sturm in den Liedern: "Neue Helden braucht das Land, mit den Köpfen tief im Sand und hast du grad ein Karriere-Loch, werde Szene-Tussi oder Fernsehkoch. Neue Helden braucht das Land, mit Goethe sind sie kaum verwandt. Bussi, Bussi, Ciao vom Trottel-TV und am anderen Kanal sucht ein Bauer seine Sau". Lustig? Ja, es ist lustig, weil alles so wahr ist und darüber endlich auch einmal in Klartext gesungen wird. Mal ehrlich, wer von uns hat sich nicht schon mal vor Fassungslosigkeit ans Hirn gegriffen, ob der Dinge, die uns da zur besten Sendezeit nach Hause geschickt werden?

Die EAV hatte mit dem Album "Amore XL" (2007) begonnen, die Schrauben wieder fester anzuziehen. Mit ein bisschen Bauchweh zwar, aber doch konsequent und siehe da, der Schuss war nicht nach hinten losgegangen. "Wir haben eher mehr Freunde gewonnen, als alte verloren", resümiert Spitzer und schiebt ergänzend hinterher: "Die EAV muss heute keinen Gag haben müssen. Die Stillosigkeit ist der Stil, alles darf möglich sein und ehrlich gesagt, fühle ich mich sehr wohl dabei, wenn wir mehr von uns zeigen dürfen". Gut so, denn genau darum ist es bei der EAV im Grunde immer gegangen und so ist die neue CD keine Gratwanderung zwischen irgendetwas, sondern ein Liederreigen, der sich inhaltlich die Hand gibt und nie so dicht an der Zeit war wie heute. Krise, platzende Blasen oder wie es der Herr Spitzer sagt: "Ohne Hirn, mit viel Geduld, wird aus jeder Scheiße Kult".

Der heimliche Opener des Albums ist der Song "Dummheit", weil er den Bogen spannt bis zum logischen Finale, dem Titel "Wie schön". Die Geschichte ist ganz einfach: Weil wir so blöd sind, machen wir alles kaputt. In "Wie schön" rät die EAV dem lieben Gott, sich zu überlegen den sechsten Schöpfungstag möglicherweise doch zu streichen. Dem Eisbären, dem in der Arktis die Scholle unter seinem pelzigen Hintern davon schmilzt, dem dürfte dieser Vorschlag sympathisch sein.

Dazwischen tummeln sich Lieder wie "Bitte Bier". Wer auf Mallorca mit dem Kopf im Sangria-Eimer versinkt, wird spätestens dann verstehen was gemeint ist, wenn die Kloschüssel zum besten Freund wird. "Erhobener Finger? Das ist nicht die EAV, das geht beim Spitzer nicht", meint derselbe. Den Spiegel vorm Gesicht, den Finger im Hals. Bitte Bier! So geht's.

Dann höre ich Lieder wie "Esoterror" oder "Nostradamus". Das Mittelalter hat uns alle überlebt. Punktgenau in der Zeit liegt ein Titel, dessen Idee schon acht Jahre alt ist: "Supertürke". Es geht um Parallelgesellschaften, dumpfes Machismo und erst durch einen wie Spitzer wird so ein Lied unverdächtig: "Ich sehe nicht aus wie ein Arier und wenn jemanden ein Nazi-Baseballschläger erwischt, dann am ehesten mich", sagt er und verweist im gleichen Atemzug auch auf das Lied "Toleranz".

Persönlich berührt mich der Song "Beim Csejtei im Hof". Im Übrigen eine wahre Geschichte. Dort, beim Wirt in Feldbach, wohnt Thomas Spitzer wenn er in Österreich ist und der Blick vom Fenster in den Hof, wo die Mülleimer stehen, brachte irgendwann dieses Lied hervor. Es ist keines, das Erklärungen braucht. Es ist eines, das einfach nur gehört gehört.

Die jungen Lieder, so wie ich sie da auf der Couch hören konnte, sie waren alle im Sturm-Stadium. Wild, lustig, zornig und es wäre falsch hier an dieser Stelle jedes einzelne zu beschreiben. Leute, es gibt was zu entdecken! Der Mundschenk zieht sich an dieser Stelle zurück. Überhaupt: Wer weiß, ob die Lieder später, also gereift und abgefüllt, anders wirken als an diesem Sonntag im Herbst 2009? Was ich persönlich aber nicht glaube, denn wichtig ist die Wurzel aus der die Satire erwächst. Diese besondere Art, Wörter und Melodien zu verbinden und diese unglaublichen Reime, die wie bei einem Rodeo auf dem Witz reiten, weil so auch die Chance gegeben ist, dass irgendwann jeder kapiert, was eigentlich gemeint ist. Rodeo, dass ist Spaß mit blauen Flecken, dann und wann tut's auch noch mehr weh. Wie gesagt, die Zeit war nie näher an der EAV als heute. Oder umgekehrt? Nicht fragen. Anhören und selbst draufkommen. Quelle: Sony Music

nach oben Mediathek
  • Neue Helden braucht das Land

    Titel der Audiodatei
    Neue Helden braucht das Land
    Erste Allgemeine Verunsicherung
    Rock & Pop


nach oben Newsarchiv

Mediabiz Datenbank

News

mehr News

Programmplaner

 
Sky_right