Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Ein "Dr. Seltsam" für die Neunziger. Zynisch-nihilistische Polit- und Mediensatire.

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(Bild: Concorde)
Verleih Concorde
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 1997
Regie Barry Levinson
Darsteller Dustin Hoffman, Robert De Niro, Anne Heche
Kinostart 26.03.1998
Einspielergebnis D € 1.995.723
Bes. (EDI) 341.421
Bes. (FFA) 357.109
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Boxoffice USA $ 42.952.505
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Elf Tage vor der Wahl wird der US-Präsident von einer Anschuldigung eingeholt, er habe im Weißen Haus Sex mit einer Pfadfinderin gehabt. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, will der Spin Doctor Brean die Öffentlichkeit mit einem Krieg ablenken. Weil gerade kein Konflikt greifbar ist, bleibt nichts anderes übrig, als einen zu inszenieren. Dafür sichert sich Brean die Talente des Hollywood-Produzenten Motts.

Ein "Dr. Seltsam" für die Neunziger: von Barry Levinson für nur 15 Mio. Dollar und in nur vier Wochen abgefilmt, ist diese vernichtend zynisch-nihilistische Polit- und Mediensatire nach einem Drehbuch von David Mamet eines der Highlights der Saison. Absolut sehenswert: Dustin Hoffmans hinreißendes Proträt eines mit allen Wassern gewaschenen Hollywood-Produzenten.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Ein "Dr. Seltsam" für die 90er: ausgerechnet zur Jahreszeit der wohlintentionierten Humanitätsepen (siehe "Amistad", "The Boxer", "Good Will Hunting" etc.) läßt New Line diese vernichtend zynische Polit- und Mediensatire über einen vorgetäuschten Krieg Amerikas mit Albanien, der dem Präsidenten die gefährdete Wiederwahl sichern soll, vom Stapel. Ein hündischer Schnellschuß, von Barry Levinson während des Produktionslimbos von "Sphere" nach einem Drehbuch von David Mamet binnen vier Wochen mit einem Budget von 15 Mio. Dollar heruntergerissen, der vor allem dann besonders bissig und tollwütig wird, wenn Dustin Hoffman die Szenerie betritt. Sein aberwitziges Porträt eines mit allen Wassern gewaschenen Hollywood-Produzenten - Hoffmans beste Leistung in diesem Jahrzehnt - ist der Adrenalinstoß, der "Wag the Dog" zur Komödie der Saison macht.

Wie ein bösartiger Bruder von "Bob Roberts" macht sich dieser für Hollywood-Verhältnisse geradezu radikal-nihilistische Rundumschlag im Jahr Sieben nach dem Golfkrieg daran, Oliver Stones Verschwörungsparanoia wie harmoniebedürftige Pazifismusmanifeste anmuten zu lassen. Nichts ist heilig, wenn Barry Levinson - im Stil zwischen Stones fiebrigem Deliriumkino und der Banalität des Reality TV schwankend - den Schwanz mit dem Hund wedeln läßt. Immer bereit, eloquent Seitenhiebe gegen Clinton, Reagan und die verlogene Berichterstattung von der Irakfront auszuteilen, bereitet er die Bühne für die zwei Vollprofis Hoffman und Robert De Niro, die dem Präsidenten höchstselbst aus einer Bredouille helfen sollen - und als Schauspieler sichtbaren Spaß daran haben:

Nur elf Tage vor den Wahlen wird das Staatsoberhaupt von einer Anschuldigung eingeholt, er habe sich einer Besucherin des Oval Office, obendrein minderjährig, sexuell aufgedrängt. De Niro als völlig amoralischer Spin Doctor für Politkrisen aller Art weiß das Rezept, um den Skandal abzuwenden: die Öffentlichkeit muß mit einem Krieg abgelenkt werden. Da gerade kein Konflikt greifbar ist, bleibt nichts anderes übrig, als einen zu inszenieren. Bühne frei für den Hollywood-Produzenten Stanley Motss, mit dessen Auftritt "Wag the Dog" abhebt.

Braungebrannt, mit gelackter Haartolle und voller Showbiz-Weisheiten erinnert Hoffman vor allem an den einstigen Paramount-Studiochef und "Chinatown"-Produzenten Robert Evans, doch der ist nur Ausgangskoordinate für ein furioses Porträt eines Hollywood-Players alter Schule, der einem trotz aller Glattheit, Amoral und Verachtung des eigenen Publikums ans Herz wächst - so daß sein Fall am Ende des Films durchaus auch schmerzt. Amerikas Krieg mit Albanien ("Warum Albanien?" - "Warum nicht?") bereitet Stanley vor, als müsse er die Marketingkampagne seines nächsten Blockbusters ausarbeiten. Mit kindlichem Vergnügen werden patriotische Lieder (der Titelsong zum Krieg!) komponiert, Aufnahmen vom Kriegsschauplatz im Studio nebenan fabriziert und ein guter amerikanischer Held (Woody Harrelson) erfunden, der sich als gemeingefährlicher Psychopath entpuppt, als er der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Anders als "Dr. Seltsam" sucht "Wag the Dog" sein Heil nicht in der Apokalypse. Die Zeiten haben sich geändert. Aber die unzögerliche Bereitschaft, mit der David Mamets brillantes Buch die absolute Regentschaft des Fernsehens über das amerikanische Leben anerkennt, ist kaum minder erschreckend. Diese Realisation wird goutierbar gemacht von einer Galavorstellung zweier Superstars, die nie besser waren. Während der eine (Hoffman) Vollgas gibt, hat der andere (De Niro - so gut und zurückhaltend wie in "Jackie Brown") die Größe, seinem Kollegen die Bühne zu überlassen - und selbst über dessen wunderbare Darstellung zu staunen. Über sie wird bei der Berlinale gesprochen werden. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Concorde
O-Titel Wag the Dog
Land / Jahr USA 1997
Kategorie Spielfilm
Genre Komödie / Satire
Produktionsfirmen Tribeca/Baltimore Pictures/Punch
Kinostart 26.03.1998
Laufzeit 97
FSK ab 12 Jahre
Einspielergebnis D € 1.995.723
Bes. (EDI) 341.421
Bes. (FFA) 357.109
Charthistory
USA-Start 26.12.1997, bei New Line
Boxoffice USA $ 42.952.505
Filmtrailer Video
nach oben Cast & Crew
Produzenten Jane Rosenthal, Robert De Niro, Barry Levinson
Ausf. Produzenten Michael De Luca, Claire Rudnick Polstein, Ezra Swerdlow
Regie Barry Levinson
Drehbuch Hilary Henkin, David Mamet
Buchvorlage Larry Beinhart
Darsteller Dustin Hoffman (Stanley Motss), Robert De Niro (Conrad Brean), Anne Heche (Winifred Ames), Woody Harrelson (Sgt. William Schumann), Denis Leary (Fad King), Willie Nelson (Johnny Green), Andrea Martin (Liz Butsky), Michael Belson (Präsident), Suzanne Cryer (Amy Cain), John Michael Higgins (John Levy), Suzie Plakson (Grace), Kirsten Dunst (Tracy Lime), William H. Macy (Mr. Young), Craig T. Nelson (Senator Neal)
Kamera Robert Richardson
Schnitt Stu Linder
Musik Mark Knopfler, Willie Nelson
Produktionsdesign Wynn Thomas, Mark Worthington
Ton Steve Cantamessa
Kostüme Rita Ryack
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
48. Internationale Filmfestspiele in Berlin
Internationale Filmfestspiele in Berlin
1998, Berlin, 11.02.1998 - 22.02.1998 Silberner Bär  
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Titel Vertrieb System Handelsform
Wag the Dog
Nicht lieferbar
Warner Home Entertainment Germany DVD, ab 12, 93 Min. Kauf
Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt
Nicht lieferbar
EuroVideo Medien DVD, ab 12, 93 Min. Kauf
Wag the Dog
Nicht lieferbar
EuroVideo Medien VHS, ab 12, 93 Min. Kauf
Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt
Nicht lieferbar
VCL Communications VHS, ab 12, 93 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Als wenige Tage vor der Wahl bekannt wird, daß sich der US-Präsident auf eine Affäre mit einer minderjährigen Pfadfinderin eingelassen hat, ist seine Wiederwahl gefährdet. Gemeinsam mit Beraterin Winifred Ames versucht Krisenstabsmitglied Conrad Brean vom Skandal abzulenken. Deshalb beauftragt Brean den Hollywood-Produzenten Motss, einen spektakulären TV-Krieg zu inszenieren. Die beispiellose Manipulationsmaschinerie funktioniert perfekt - denn plötzlich steigen die Sympathien für den Präsidenten wieder ins Unermeßliche.

Kaum ein Film hat die Realität so unbarmherzig entlarvt und gleichzeitig so gnadenlos auf die Spitze getrieben wie Barry Levinsons bitterböse und Oscar-nominierte Polit- und Mediensatire, die auf der Berlinale '98 mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Die Adaption von Larry Beinharts Roman "American Hero" verblüfft durch messerscharfen Wortwitz, exzellente Kamera-Arbeit (Richard Richardson, "Der Pferdeflüsterer") und grandiose darstellerische Leistungen von Robert de Niro, Dustin Hoffman und Anne Heche. Das ultimative Meisterwerk zum aktuellen Skandal, das man einfach gesehen haben muß.

Quelle: mediabiz.de

nach oben Zusammenfassung

Der Präsident soll eine Pfadfinderin verführt haben. Um die Öffentlichkeit abzulenken, inszeniert Spin Doctor Brean einen kleinen Krieg - mit Unterstützung aus Hollywood. Stargespickte, zynisch-nihilistische Polit- und Mediensatire von Barry Levinson.

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