The Northman

Im Frühmittelalter schwört ein junger Prinz nach dem Mord am Vater und der Entführung der Mutter blutige Rache, wird aber überrascht. Bildgewaltige, tragische, starbesetzte Neuinterpretation der Amleth-Sage von Robert Eggers ("The Witch").

The Northman Großansicht
(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Großbritannien, USA 2022
Regie Robert Eggers
Darsteller Alexander Skarsgård, Anya Taylor-Joy, Nicole Kidman
Kinostart 21.04.2022
Einspielergebnis D € 2.279.140
Bes. (EDI) 239.002
Bes. (FFA) 120.484
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Boxoffice USA $ 34.209.390
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Ein junger Prinz erlebt mit, wie der König von seinem Bruder ermordet und seine Mutter verschleppt wird. Er kann flüchten, wird aber versklavt und ausgebildet zum Berserker, zu einer menschliche Kampfmaschine. Ihn treibt der Hass auf den Mann an, der ihm die Eltern und die Zukunft genommen hat, an. Als er schließlich in seine Heimat zurückkehrt, ist nichts so, wie er sich es vorgestellt hat. Der Bruder ist verbannt, herrscht nur über ein paar Vasallen und Schafe. Und auch seine Erinnerungen an die damaligen Ereignisse scheinen falsch zu sein.

Robert Eggers, der sich mit "The Witch" und "Der Leuchtturm" als Macher von intensiven Filmerlebnissen, die Genre und Arthouse verschmelzen, empfahl, legt nun ein weiteres beeindruckendes Werk vor. Er adaptierte die nordische Amleth-Sage, die bereits Shakespeares Hamlet zugrundelag. Alexander Skarsgard spielt die Titelrolle in der Rachegeschichte. Im Film, der hartes Wikingerepos und menschliche Tragödie ist, ist auch Anya Taylor Joy aus "The Witch" zu sehen.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Robert Eggers realisiert mit der unerbittlichen Rachesaga mit Alexander Skarsgård in der Hauptrolle seinen bis dato größten Film. Ein Highlight 2022.

Ich werde dich rächen, Vater! Ich werde dich retten, Mutter! Ich werde dich töten, Fjölnir! Mit diesen drei Sätzen ist alles gesagt, was man erst einmal wissen muss über "The Northman", den dritten Film von Autor und Regisseur Robert Eggers. Sie beschreiben Motivation und Stoßrichtung, sie sind tief eingegraben in die DNS des Films, sie führen leitmotivisch durch das Narrativ. Mehrfach werden sie wiederholt im Lauf der Handlung, und während sich für den jungen Helden nichts ändert an seiner Entschlossenheit, all sein Sinnen und Streben in den Dienst der Erfüllung seiner Ankündigung zu stellen, hat sich doch für den Zuschauer immer wieder etwas geändert, begreift man die Sätze anders, weiß man, dass man sie immer wieder neu bewerten und einschätzen muss. Aus einer Mission wird eine Tragödie, aus einer Rachegeschichte die Chronik einer falsch verstandenen Selbsteinschätzung, eingebettet in die intensivsten und mächtigsten Bilder, die sich auf einer Leinwand schmieden lassen, Film gewordenes Schwermetall, der Hammer der Götter, ganz wie man es sich erwartet vom Regisseur totaler Filmerfahrungen wie "The VVitch" und Der Leuchtturm".

Ein junger Prinz erlebt mit, wie der König von seinem Bruder ermordet und seine Mutter verschleppt wird. Der Junge selbst entrinnt nur knapp auf ihn angesetzten Assassinen, flüchtet von seiner nordischen Insel, wird versklavt und ausgebildet zum Berserker, menschliche Kampfmaschinen, die sich am Tag vor einer Schlacht in Trance und Rage tanzen und singen und dann, frei von Schmerz und Angst, in vorderster Reihe in den Kampf geschickt werden, zum Morden, Erbeuten, Kämpfen, Marodieren, Schänden, Plündern, zum Verbreiten von Panik und Schrecken. Ein willenloses Instrument, eine stumpfe Waffe, und doch beseelt vom Lodern im Herzen, eines Tages den Mann zur Rechnung zu ziehen, der ihm die Eltern und die Zukunft genommen hat. So zieht der junge Mann los und muss doch mit jedem Schritt feststellen, dass zwar sein Blutdurst nicht abnimmt, aber doch nichts so ist, wie er sich das in langen Jahren des Hasses ausgemalt hat. Weder konnte Fjölnir das Erbe antreten und herrscht über ein Königshaus, sondern wurde verbannt nach Island, wo er über ein paar Vasallen und eine Herde Schafe herrscht, noch hatte sich das damals alles so abgespielt, wie er es als Junge miterlebt zu haben glaubt.

Die Sage von Amleth hat Robert Eggers mit Hilfe des isländischen Schriftsteller Sjón neu erzählt, die schon Shakespeares "Hamlet" zu Grunde lag. Der Titel impliziert einen modernen Wikingerfilm in der Tradition von "Die Wikinger" oder "Der Raubzug der Wikinger". Doch auch wenn es hier auch zumindest eine ausgedehnte Schlachtensequenz gibt, die es an körperlich spürbarer Intensität und Immersion des Zuschauers mit allem aufnehmen kann, was vormals auf Zelluloid/Festplatten gebannt wurde, handelt es sich hier nicht um ein Vikings" oder Valhalla" in Spielfilmlänge, sondern einen bei aller Wucht und Macht der Erzählung fast intimen Film, eine Meditation über Religion und Aberglaube als alles zersetzendes Gift, wie schon die beiden Arbeiten von Eggers auch, eine spirituelle Reise, an deren Ende nicht Erkenntnis, sondern moralischer Bankrott stehen, eher vergleichbar mit ähnlich ambitionierten Filmen wie Walhalla Rising" oder The Green Knight". Unterteilt in knapp betitelte Kapitel, folgt man der von Alexander Skarsgård mit maximaler Körperlichkeit und doch bewegender Sensibilität gespielten Hauptfigur bis zu den "Gates of Hel", wie der finale Abschnitt des Films betitelt ist.

Lava speiende Vulkane fungieren als Erzähler, eine von Björk gespielte Walküre stürzt vom Himmel, ein abgetrennter Kopf spuckt düstere Prophezeiungen, während Amleth ringt mit sich und seinem Schicksal, ein Fuß in einer gewaltsamen Realität, ein Fuß in einer delirierenden Glaubenswelt voller wirrer Visionen. An Skarsgards Seite sieht man Nicole Kidman, Claes Bang, Ethan Hawke und Willem Dafoe in mehr oder weniger großen Nebenrollen, teilweise fast nicht zu erkennen, während Anya Taylor-Joy, der Robert Eggers in "The VVitch" den Durchbruch beschert hatte, zwar undurchschaubar ist als verschlepptes Mädchen, aber doch auch einen zarten und zärtlichen Gegenpol bildet zur bedingungslosen Härte, die "The Northman" dominiert, ein singuläres Filmereignis, mit nichts zu vergleichen, nur sich selbst verpflichtet, von dem man sich mit Haut und Haar verschlingen lässt oder dass einem fremd und feindselig gesinnt vorkommen mag. Zwischendrin ist nichts.

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Universal
O-Titel The Northman
Land / Jahr Großbritannien/USA 2022
Kategorie Spielfilm
Genre Abenteuer / Kostümfilm
Kinostart 21.04.2022
Laufzeit 137
FSK ab 16 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 2.279.140
Bes. (EDI) 239.002
Bes. (FFA) 120.484
Charthistory
USA-Start 22.04.2022, bei Focus Features
Boxoffice USA $ 34.209.390
Web-Link https://www.upig.de/micro/the-northman, https://www.youtube.com/watch?v=G0yZZQMbJcU
nach oben Cast & Crew
Regie Robert Eggers
Darsteller Alexander Skarsgård, Anya Taylor-Joy, Nicole Kidman, Ethan Hawke, Willem Dafoe, Ralph Ineson, Kate Dickie, Claes Bang, Björk
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
The Northman Universal Pictures Germany DVD, ab 16, 132 Min. Kauf
The Northman Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 16, 137 Min. Kauf
The Northman (4K Ultra HD + Blu-ray) Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 16, 137 Min. Kauf
The Northman Universal Pictures Germany DVD, ab 16, 132 Min. Leih
The Northman Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 16, 137 Min. Leih
nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollFBW-Pressetext:

Als Kind muss der Wikinger Amleth mitansehen, wie sein Vater brutal ermordet und seine Mutter gefangen genommen wird. Amleth flieht und kehrt Jahre später zurück. Denn er hat geschworen, seine Mutter zu befreien und seinen Vater zu rächen. Die urmächtige Kraft, mit der Robert Eggers die nordische Hamlet-Ursage auf die Leinwand bannt, macht diesen Film zu einem überwältigenden filmischen Naturereignis.

Wie bereits in den vorhergehenden Filmen in der Regie von Robert Eggers (THE WITCH und DER LEUCHTTURM) lebt auch THE NORTHMAN von seiner Atmosphäre, in die der Film die Zuschauenden erbarmungslos und mitreißend hineinkatapultiert. Das Spiel aus Licht und Schatten, aus Feuer und Eis, aus menschlichem Kalkül und animalischem Instinkt erschafft eine archaische Kraft der Gegensätze, die man so selten auf einer Kinoleinwand sieht und zu der auch die fantastische Kameraarbeit von Jarin Blaschke sowie der hämmernd treibende Score von Robin Carolan und Sebastian Gainsborough Enormes beitragen. Eggers und sein isländischer Co-Drehbuchautor, der poetische Künstler Sjón Sigurdsson, spielen geschickt mit der mystischen Überhöhung alter Wikinger-Sagen und lassen dies auch in Erzählung und Inszenierung einfließen. Die Action in THE NORTHMAN geschieht mit konsequenter Brutalität und Direktheit und ist doch nie nur Schauwert, sondern immer aus dem inneren Antrieb der Figuren heraus motiviert. Dass der Film trotz aller fantastischen Elemente geerdet bleibt, liegt auch an den großartigen Darsteller*innen wie Nicole Kidman als Fürstin, die kalkuliert ihr eigenes Spiel treibt, Claes Bang als Tyrann, der die Macht an sich reißt, Anya Taylor-Joy als weise Hexe und Gefährtin. Doch es ist vor allen Dingen Aleksander Skarsgard als Amleth, der den Film darstellerisch zu einem wahren Ereignis werden lässt. Einem wilden Tier gleich watet er durch ein Meer von Blut, Schweiß und Tränen, um in rasender Rache seine Erlösung zu suchen. Dabei verinnerlicht Skarsgard in jeder Minute die innere Zerrissenheit eines Getriebenen zwischen Trauer, Wut und Schmerz. Wer sich auf THE NORTHMAN einlässt, begibt sich auf einen wilden, unbarmherzigen Trip. Auf dem es sich in jeder Einstellung lohnt, dabei zu sein.

FBW-Jury-Begründung:

Im Jahr 895 kehrt der Wikingerkönig Aurvandil von einer Schlacht zurück in sein Reich im Nordatlantik, wo er von seinem 10jährigen Sohn Amleth freudig empfangen wird. Nun will er sich der Ausbildung des Jungen widmen, ihn zum Kämpfer formen und zu seinem Nachfolger machen. Aber Aurvandils Halbbruder Fjölnir durchkreuzt diese Pläne: Er tötet den König, nimmt dessen Frau, Königin Gudrun, gefangen und besteigt selbst den Thron. Er trachtet auch dem jungen Prinzen und legitimen Thronfolger, der alles mitansehen musste, nach dem Leben. Aber der kann sich im letzten Moment in einem Ruderboot ins offene Meer hinaus retten. Dabei schwört er, eines Tages den Vater zu rächen, Fjölnir zu töten, die Mutter zu befreien und das Königreich zurückzuerobern. Jahre später ist Amleth zu einem kraftstrotzenden, grausamen Krieger geworden, der mit einer wilden Wikingerhorde im Osten Europas marodiert, Siedlungen überfällt, tötet, brandschatzt und Gefangene nimmt. Als er erfährt, dass diese als Sklaven nach Island verkauft werden sollen, wo Fjölnir nach dem Verlust seines Königreichs Zuflucht gefunden hat, gibt sich Amleth selbst als Sklave aus und schmiedet einen perfiden Racheplan, den er zusammen mit der weisen Sklavin Olga, die zu seiner Gefährtin wird, umsetzen will.
Regisseur Robert Eggers begibt sich mit diesem Wikingerdrama in die rauen Ursprünge der Gesellschaften im Norden Europas und erzählt eine Geschichte grausiger Rache - ohne jegliche Beschönigung oder Heldenverehrung. Grundlage bildet die Geschichte des mutmaßlichen Wikingerprinzen Amleth, wie sie von Saxo Grammaticus um 1200 in seiner Geschichte der Dänen geschildert wurde und um 1600 William Shakespeare als Vorlage für seinen "Hamlet" diente. Historisch ist die Handlung um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert angesiedelt. Es ist die Zeit der Raubzüge und der Kämpfe untereinander, in der einzelne Stämme und Familien sich bekriegen. Ihre Häupter werden mitunter Könige genannt, obwohl sie nur über kleine und häufig wechselnde Territorien herrschen. Aber am Horizont zeichnen sich große Veränderungen ab: Die ersten Einheitskönigreiche entstehen, und die Christianisierung breitet sich immer weiter gen Norden aus.
Robert Eggers, der sich bereits in seinen vorherigen Filmen durch das Streben nach größtmöglicher Authentizität auszeichnete, hat sich auch hier von Fachleuten aus den Bereichen Archäologie und Geschichtswissenschaften beraten lassen, um die Details der materiellen Welt der Wikinger stimmig nachzubilden. Doch es geht ihm bei THE NORTHMAN nicht nur um die exakte historische Rekonstruktion, sondern vielmehr darum, die Atmosphäre der Wikingergesellschaft aufleben zu lassen, in der das Übernatürliche integraler Bestandteil war. So versucht das Drehbuch, das der Regisseur zusammen mit dem isländischen Dichter, Autor und Musiker Sjón verfasst hat, die innere Welt der Wikinger in vorchristlicher Zeit zu erfassen: ihren Glauben, ihre Mythologie und ihr rituelles Leben. Darin begegnen die Charaktere nicht nur Schamanen und Seherinnen, sondern auch allerhand Geisterwesen, wie Walküren und Wiedergängern. Sie weisen den Menschen den Weg und bestimmen ihr Schicksal und werden von ihnen als natürlicher Bestandteil ihrer Welt anerkannt.
Diese Welt will Robert Eggert den Zuschauenden nahebringen - und sie ist alles andere als glamourös oder abenteuerlich. Das Leben auf Island, wo der Großteil des Films spielt, ist rau und eintönig. Die karge Landschaft, von Jarin Blaschkes Kamera in vielen Totalen, langen Einstellungen und monochromer Farbgebung eingefangen, ist unwirtlich und lebensfeindlich. Darin sind die mit Gras und Stroh gedeckten Häuser kaum auszumachen. Erhellt werden sie von Fackeln, die bizarre Schatten an die Wände werfen, bei denen man nicht sicher sein kann, ob sie von Menschen oder Geisterwesen stammen. Fern am Horizont erhebt sich als Zeichen latenter Bedrohung ein Vulkan. Eruptiven Ausbrüchen kommen auch die kriegerischen Aktionen gleich, auf die sich die Berserker in rituellen Zeremonien einstimmen, wobei sie sich in Trance brüllen und sich blutbeschmiert mit übergeworfenen Fellen animalische Kräfte aneignen. Dabei bezieht die sonst weitgehend von elektronischen Sounds bestimmte Filmmusik von Robin Carolan und Sebastian Gainsborough auch alte Saiteninstrumente aus dem nordeuropäischen Raum ein und nimmt Klänge altnordischer Völker auf, wie Schamanentrommeln und Joik-Gesang.
Solch ein Setting lässt nicht unbedingt Schauspiel-Stars erwarten. Umso beeindruckender das Ensemble, das Robert Eggers für seinen Film versammelt hat und das bis in die kleinsten Rollen mit großen Namen des amerikanischen und skandinavischen Kinos aufwartet. Neben Ethan Hawke als König Aurvandil, Claes Bang als Fjölnir, Nicole Kidman als Königin Gudrun sowie Anya Taylor-Joy in der Rolle der Olga aus dem Birkenwald hat die isländische Musikerin Björk einen Auftritt als blinde Seherin, während Willem Dafoe und Ingvar Sigurdsson die illustre Riege der Fabelwesen anführen. Aber im Mittelpunkt steht eindeutig Alexander Skargård, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern den Film auch mitproduziert hat. Als Amleth ist er in nahezu jeder Szene zu sehen und prägt sie mit darstellerischem Können und starker physischer Präsenz. Dabei ist er kein positiver Held, sondern ein lebenslang Getriebener, der von seiner Rache nicht ablassen kann.
Als Erwachsener wird er als grausamer Krieger eingeführt in einer virtuos inszenierten und grandios gefilmten Szene, die ihn inmitten seiner Wikingerhorde bei einem Raubzug begleitet. In einer minutenlangen Plansequenz metzelt er sich mit seinen Kumpanen durch eine Ansiedlung, wo in allen Ecken schreckliche Grausamkeiten begangen werden. Die Zuschauenden werden von der Kamera mitten ins Geschehen hineingezogen, ohne die Möglichkeit einer Distanzierung. Das ist die spektakulärste und wirkungsmächtigste Szene des Films, der anschließend auf Island eine eher kammerspielartige Fortsetzung findet, wenn Amleth mit furchterregender Konsequenz seinen Racheplan Schritt für Schritt umsetzt. Davon lässt er sich selbst von seiner Gefährtin Olga nicht abbringen, die am Determinismus rüttelt mit der Aussage, dass er zwar die Knochen der stärksten Männer brechen könne, sie aber deren Willen. Amleth jedoch sieht die Rache als seine Bestimmung an, die er annehmen muss: Gelingt es ihm, Fjölnir zu töten, kann er seine Mutter befreien, sein Königreich zurückerobern und mit Olga ein neues Geschlecht begründen. Wird er im Kampf getötet, kann er als tapferer Krieger Walhalla erreichen. Der feste Glaube an seine Mission hindert Amleth jedoch daran, bestimmte Zeichen zu erkennen und vor allem das Verhalten der Frauen richtig zu deuten. So kommt es ihm nicht in den Sinn, dass seine Mutter sich vielleicht gar nicht von ihm retten lassen will. Und er könnte sich wohl auch nicht vorstellen, dass sein königlicher Stammbaum eine Fortführung findet durch ein kindliches Zwillingspaar, wobei das Mädchen die königlichen Insignien trägt - ganz so, wie die blinde Seherin es einst geweissagt hat.
Wenn der Film auf sein furioses Finale zusteuert, erweist er sich als Racheepos von archaischer Wucht, das direkt einer Wikingersaga aus vorchristlicher Zeit entnommen sein könnte. Hier gibt es kein Erbarmen und keine Erlösung. Amleth hadert nicht mit seinem Schicksal und wird auch nicht von moralischen Zweifeln geplagt, wie später Shakespeares Hamlet. Und er ist auch kein Ben Hur, Gladiator oder Braveheart, die als moderne Kinohelden vor historischem Hintergrund für die gerechte Sache streiten. THE NORTHMAN ist eine Herausforderung für unsere Sehgewohnheiten und moralischen Empfindungen - und gerade deshalb: Besonders Wertvoll.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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