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The Banshees of Inisherin

Brillante Tragikomödie um das Ende einer Männerfreundschaft auf einer irischen Insel mit schrecklichen Konsequenzen.

The Banshees of Inisherin Großansicht
(Bild: Walt Disney)
Verleih Walt Disney
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Irland, Großbritannien u.a. 2022
Regie Martin McDonagh
Darsteller Colin Farrell, Barry Keoghan, Kerry Condon
Kinostart 12.01.2023

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Brillante Tragikomödie um das Ende einer Männerfreundschaft auf einer irischen Insel mit schrecklichen Konsequenzen.

Ich mag dich nicht mehr. Fünf Worte. Sie reichen aus, um die Welt des leutseligen Padraic auf der kleinen irischen Insel Inisherin im Frühjahr 1923 aus den Angeln zu heben. Eben noch konnte er mit seinem besten Freund, dem bulligen, aber kulturell bewanderten Colm, ein "Denker", wie sie sagen im Dorf, im Pub bei ein paar Pints Bier über Gott und die Welt reden, ihm ausführlich von der Beschaffenheit der Scheiße seines Pferdes erzählen, jetzt will der beste Kumpel nicht mehr mit ihm befreundet sein. Von einem Moment auf den anderen, ohne ersichtlichen Grund. Ich mag dich nicht mehr. Colm will, wie sich herausstellt, seine Ruhe haben, eine Gewissenskrise macht ihm zu schaffen, nicht mehr viel Zeit zu haben auf dem Planeten. Die will er nicht mehr mit dem Geplapper des einfältigen Padraic vergeuden, sondern mit Kontemplation und dem Komponieren eines Musikstücks von bleibender Bedeutung, "The Banshees of Inisherin". Du bist langweilig, sagt Colm zu Padraic. Und setzt damit die Handlung des ersten Films von Drehbuchoscargewinner Martin McDonagh seit "Three Billboards outside Ebbing, Missouri" in Bewegung, in dem er Colin Farrell und Brendan Gleeson wiedervereint, die Stars von McDonaghs kultisch verehrtem Debüt "Brügge sehen... und sterben", die nie besser waren als hier. Schon in "Three Billboards" hatte McDonagh einen ganz simplen Impuls genommen - Frau mietet drei Werbetafeln, um den Polizeichef daran zu erinnern, dass der Mörder ihrer Tochter noch nicht ermittelt wurde -, um daraus auf genialische Weise eine anspielungsreiche, immer weiter ausufernde Geschichte zu entwickeln. Hier gilt das Gleiche: Ein Mann kündigt einem anderen Mann die Freundschaft auf. Und dann sieht man zu, was passiert.

Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die Situation eskalieren wird. Wer die Todesfee, die Banshee, im Titel trägt, erzählt selbstverständlich eine Geschichte, in der es um Leben und Tod geht. Aber wer und wie viele sterben werden und was auf dem Weg dahin passiert, wie es passiert, was der Film dabei erzählt und zeigt, das ist entscheidend. In jeder Szene merkt man McDonagh den versierten Dramatiker an: Während andere Regisseure in diesem Jahr auf dem Lido alles in die Waagschale werfen, Bilder und Mittel regelrecht verschwenden, um die Leinwand bis an den Rand zu füllen mit Ereignis, ist "The Banshees of Inisherin" sparsam in seiner Erzählung, konzentriert im Einsatz seiner Mittel, reduziert immer auf das Wesentliche - zwei Hauptfiguren, die vier oder fünf Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld, was sie einander sagen, wie sie sich ansehen und was der Welleneffekt ihrer Handlungen anrichtet. Padraics Zweifel an seinen Handlungen, Colms radikale Drohung, er werde sich selbst einen Finger nach dem anderen abschneiden, wenn der ehemalige Freund ihn nicht in Ruhe ließe, Padraics besonnene Schwester, der bemitleidenswerte Dorfnarr, der mitleidslose Dorfpolizist, die böse Alte, der kleine Esel. Mit jeder Handlung, jedem Satz wird die Eskalation vorangetrieben, während drüben auf dem Festland die Bomben explodieren im sich dem Ende zuneigenden Bürgerkrieg. Martin McDonagh ist eine irre Komödie gelungen, eine endlos traurige Tragödie, eine Meditation über das Wesen des Menschen, Freundschaft und Krieg. Jede Pointe sitzt, jede Bewegung hat eine Wirkung, dazu spielen todesverliebte deutsche Lieder der Romantik. Man sieht zu und ist begeistert.

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Walt Disney
O-Titel The Banshees of Inisherin
Land / Jahr Irland/Großbritannien/USA 2022
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Kinostart 12.01.2023
Laufzeit 115
USA-Start 13.10.2022, bei Searchlight (Walt Disney)
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Regie Martin McDonagh
Darsteller Colin Farrell, Barry Keoghan, Kerry Condon, Brendan Gleeson
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