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Slumdog Millionär

Herausragendes Drama im Bollywoodstil über einen aus ärmsten Verhältnissen stammenden indischen Jungen, der die Chance bekommt, bei "Wer wird Millionär?" den Jackpot zu knacken.

Slumdog Millionär Großansicht
(Bild: Prokino (Fox))
Verleih Prokino (Studiocanal)
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Großbritannien, USA 2008
Regie Danny Boyle,
Loveleen Tandan
Darsteller Dev Patel, Anil Kapoor, Freida Pinto
Kinostart 19.03.2009
Einspielergebnis D € 13.981.853
Bes. (EDI) 2.110.704
Bes. (FFA) 2.112.277
Charthistory
Boxoffice USA $ 141.243.551
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 26.02.2012 (Pro7)

nach oben Inhalt & Info

Bis zur 14. Frage ist Jamal bei der indischen Version von "Wer wird Millionär?" bereits gekommen - am nächsten Tag soll die letzte noch ausstehende Frage gestellt werden. Die Produzenten glauben nicht, dass der aus ärmsten Verhältnissen stammende Junge die Antworten tatsächlich selbst gewusst hat, und lassen ihn mit harten Methoden von der Polizei verhören. Den Beamten erzählt Jamal, dass er nicht geschummelt hat: Jede Frage hatte etwas mit seiner Lebensgeschichte zu tun, seiner Kindheit in Mumbai, dem Tod seiner Mutter, der Flucht mit seinem Bruder und seiner großen Liebe, die er mit dem Fernsehauftritt wiederzufinden hofft.

Danny Boyle ist mit seinem unter schwierigsten Umständen in Indien gedrehten Film über zwei Brüder, die der Armut in Mumbai entfliehen wollen, ein großer Wurf gelungen. Die Globalisierungsversion von Charles Dickens' "Oliver Twist", in der "Wer wird Millionär?" clever als Rahmenhandlung dient, bietet einen beklemmenden Blick auf Mittellosigkeit und Elend, ist aber doch stets erfüllt vom nicht zu bändigenden Enthusiasmus der Hauptfigur, deren Leben in einem Rausch von Farben und Klängen vor dem Zuschauer vorüberzieht - Bollywood made in the West. Unwiderstehlich gut.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Ein großer Wurf für Danny Boyle: Mit seinem berauschenden Drama über einen mittellosen indischen Jungen, der es bei "Wer wird Millionär?" bis zur letzten Frage geschafft hat, erzählt er die Geschichte der verzweifelten großen Liebe eines Lebens und entwirft en passant ein präzises Bild von grenzenloser Armut in Zeiten der Globalisierung.

14 Fragen hat Jamal bereits beantwortet bei der indischen Ausgabe von "Wer wird Millionär?". Eine richtige Antwort noch, in der Sendung am nächsten Tag, und der islamische Junge aus den Slums von Mumbai hat den Jackpot geknackt. Während Millionen vor den Bildschirmen mitfiebern, steht für die Verantwortlichen der Sendung fest: Jamal muss geschummelt haben, betrogen. Wie sonst sollte einer, der über keinerlei Bildung verfügt, all die richtigen Antworten aus den verschiedenen Wissensgebieten gewusst haben? Zwei hartgesottene Polizeibeamte sollen Jamals Geheimnis aus ihm herausprügeln.

So handfest und abrupt steigt Danny Boyle ein in seinen Film, mit einer Flut an Bildern, Informationen und einem visuellen Einfallsreichtum, der seinem legendären "Trainspotting" Konkurrenz macht. Nur wenige Szenen braucht er, um die Figuren, ihre Welt und die Prämisse seiner Geschichte zu etablieren, die anschließend mit einer ebenso wilden wie unterhaltsamen, doppelt ineinander verschränkten Rückblendenstruktur einerseits Jamals abenteuerlichen Auftritt bei "Wer wird Millionär?" abspult und parallel aus seinem Leben erzählt. Der Clou des clever konstruierten Drehbuchs von Simon Beaufoy ("Ganz oder gar nicht") ist, dass jede Frage unmittelbar etwas mit einem entscheidenden Moment in Jamals Leben zu tun hat: Zunächst fühlt man sich an eine in lebhaften Farben explodierende Bollywood-Version von "Oliver Twist" erinnert, wenn man das Elend der Slums sieht, die Ermordung von Jamals Mutter bei einem Überfall des aufgebrachten Mobs auf eine islamische Siedlung, die Versklavung Jamals und seines Bruders Salim, die bei einem skrupellosen Kinderhändler landen. Mit ihrer Flucht öffnen sich die Bilder, präsentiert sich ein atemberaubendes Indien zwischen Tradition und Moderne, in dem Reichtum immer auf dem Rücken der Armen erkauft wird. Und es beginnt eine bewegende, sehnsüchtige Liebesgeschichte, die schließlich Jahre später mit Jamals Fernsehauftritt kulminiert.

"Slumdog Millionaire" ist unter schwierigsten Umständen vor Ort in Indien mit Laiendarstellern entstanden. Der Einsatz hat sich ausgezahlt: Keinen Moment zweifelt man die Authentizität der Bilder an, die Boyle in den tollsten Farben eines westlichen Films über Indien seit Renoirs "Der Fluss" malt. Es wäre eine bittere Ballade über Armut und Elend, Verrat und Ausnutzung, über den Preis, der für die Globalisierung zu zahlen ist, wenn die brodelnde und unmittelbar eingefangene Energie des Landes und seiner Menschen den Film nicht immer unnachgiebig, regelrecht lustvoll vorantreiben würden, begleitet von einem elektrisierenden Soundtrack, der auch als kluger Kommentar eingesetzt wird: "Paper Planes" von M.I.A. beispielsweise hat nicht nur einen treibenden asiatisch angehauchten Rhythmus, sondern erzählt eben auch von der vermeintlichen Bedrohung der Besitzenden durch die Besitzlosen. Dazu zeigt Boyle in einer Montage, wie die Brüder amerikanische Touristen am Tadsch Mahal ausnehmen. Im gleichen Maße, wie in diesem bemerkenswerten Lied ein Sample der Clash ("Straight to Hell") das Fundament bildet und Erste unmittelbar mit Dritter Welt in Verbindung gebracht wird, nutzt Boyle wiederum Dickens als Grundlage, um aus der Sicht des Westlers eine zutiefst indische Story zu erzählen: Ost und West treffen sich hier nicht einfach, sie verschmelzen ineinander, während sich der Regisseur als brillanter Geschichtenerzähler erweist, der genau weiß, wie er tragische mit witzigen Momenten ausbalancieren muss. Mit der Präzision eines Uhrwerks streben alle angelegten Konflikte auf den Moment zu, an dem Jamal die entscheidende Frage gestellt bekommt. Mit ihrer Antwort erfüllt sich das Schicksal aller Beteiligten. Wieder liegen Triumph und Untergang nah beisammen. Und lösen sich zum Ausklang in einer leidenschaftlichen Tanznummer am Bahnhof auf. Ein bisschen Bollywood zum Abschluss muss sein. Sonst wäre es nicht Indien. Und nicht Danny Boyle. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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  • Szene aus Die 20 Millionen FrageSzene aus Die 20 Millionen Frage
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  • Szene aus Latika wird am Bahnhof gefangen genommenSzene aus Latika wird am Bahnhof gefangen genommen
 
nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Prokino (Studiocanal)
O-Titel Slumdog Millionaire
Land / Jahr Großbritannien/USA 2008
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Produktionsfirmen Celador Films/Film4
Verleihförderung FilmFernsehFonds Bayern (EUR 150.000)
Kinostart 19.03.2009
Erster Verleiher Prokino (Fox)
Laufzeit 120
FSK ab 12 Jahre
Bildformat digital
Einspielergebnis D € 13.981.853
Bes. (EDI) 2.110.704
Bes. (FFA) 2.112.277
Charthistory
USA-Start 12.11.2008, bei Fox Searchlight
Boxoffice USA $ 141.243.551
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.slumdog-millionaer.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Christian Colson
Regie Danny Boyle, Loveleen Tandan
Drehbuch Simon Beaufoy
Darsteller Dev Patel (Jamal Malik), Anil Kapoor (Prem Kumar), Freida Pinto (Latika), Madhur Mittal (Salim Malik), Mia Drake (Adele), Imran Hasnee (Security), Irrfan Khan (Polizeiinspektor)
Kamera Anthony Dod Mantle
Schnitt Chris Dickens
Musik A. R. Rahman
Produktionsdesign Mark Digby
Ton Glenn Freemantle, Resul Pookutty, Richard Pryke, Tom Sayers, Ian Tapp
Kostüme Suttirat Larlarb
Casting Gail Stevens
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
24. Goya   2010, Madrid, 14.02.2010 Bester europäischer Film  
22. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2009, Bochum, 12.12.2009 Bester Film (Publikumspreis)  
22. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2009, Bochum, 12.12.2009 Europäischer Kamerapreis 2009 (Carlo di Palma) Anthony Dod Mantle
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Beste Drehbuchadaption Simon Beaufoy
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Beste Kamera Anthony Dod Mantle
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Beste Musik A. R. Rahman
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Beste Regie Danny Boyle
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Bester Film  
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Bester Schnitt Chris Dickens
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Bester Song A. R. Rahman
81. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2008, Los Angeles, 22.02.2009 Bester Ton Ian Tapp, Richard Pryke, Resul Pookutty
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Beste Drehbuchadaption Simon Beaufoy
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Beste Kamera Anthony Dod Mantle
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Beste Musik A. R. Rahman
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Beste Regie Danny Boyle
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Bester Film  
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Bester Schnitt Chris Dickens
62. British Academy Film Award   2009, London, 08.02.2009 Bester Ton Glenn Freemantle, Resul Pookutty, Richard Pryke, Tom Sayers, Ian Tapp
66. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2009, Los Angeles, 11.01.2009 Beste Musik A. R. Rahman
66. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2009, Los Angeles, 11.01.2009 Beste Regie Danny Boyle
66. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2009, Los Angeles, 11.01.2009 Bester Film (Drama)  
66. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2009, Los Angeles, 11.01.2009 Bestes Drehbuch Simon Beaufoy
Bogey - Box Office Germany Award
Bogey - Box Office Germany Award Großansicht
2009, München 1000 Besucher pro Kopie am Startwochenende  
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Slumdog Millionär STUDIOCANAL Home Entertainment Sales DVD, ab 12, 115 Min. Kauf
Slumdog Millionär STUDIOCANAL Home Entertainment Sales Blu-ray Disc, ab 12, 120 Min. Kauf
Slumdog Millionär (Millionärs-Edition, 2 DVDs)
Nicht lieferbar
EuroVideo Medien DVD, ab 12, 115 Min. Kauf
Slumdog Millionär
Nicht lieferbar
EuroVideo Medien DVD, ab 12, 115 Min. Kauf
Slumdog Millionär
Nicht lieferbar
EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 12, 120 Min. Kauf
Slumdog Millionär EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 12, 120 Min. Leih
Slumdog Millionär EuroVideo Medien DVD, ab 12, 115 Min. Leih
nach oben Soundtrack
Art Interpret Komponist Titel
Soundtrack/Original Score Diverse Slumdog Millionaire Nicht lieferbar
Soundtrack/Songtrack Diverse Slumdog Millionaire
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Bis zur 14. Frage ist Jamal bei "Wer wird Millionär?" bereits gekommen - am nächsten Tag soll die letzte Frage gestellt werden. Die Produzenten glauben nicht, dass der Junge die Antworten selbst gewusst hat, und lassen ihn mit harten Methoden von der Polizei verhören. Den Beamten erzählt Jamal, dass er nicht geschummelt hat: Jede Frage hatte etwas mit seiner Lebensgeschichte zu tun, seiner Kindheit in Mumbai, der Flucht mit seinem Bruder und seiner großen Liebe, die er mit dem Fernsehauftritt wiederzufinden hofft.

Danny Boyle ist mit seinem Film über zwei Brüder, die der Armut in Mumbai entfliehen wollen, ein großer Wurf gelungen. Die Globalisierungsversion von Charles Dickens' "Oliver Twist", in der "Wer wird Millionär?" clever als Rahmenhandlung dient, bietet einen Blick auf Mittellosigkeit und Elend, ist aber doch stets erfüllt vom nicht zu bändigenden Enthusiasmus der Hauptfigur, deren Leben in einem Rausch von Farben und Klängen vor dem Zuschauer vorüberzieht - Bollywood made in the West. Unwiderstehlich gut.

Quelle: mediabiz.de

nach oben Pressestimmen

In atemberaubenden, kraftvollen und authentischen Bildern - gedreht wurde an Originalschauplätzen - erzählt Danny Boyle eine außergewöhnliche, berührende Liebesgeschichte und ein mitreißend-faszinierendes Lebensabenteuer. Zwölf Jahre nach "Trainspotting" gelingt Boyle ein neuer Geniestreich, geschrieben vom Drehbuchautor von "Ganz oder gar nicht".

Treffpunkt Kino

Danny Boyle ist mit seinem unter schwierigsten Umständen in Indien gedrehten Film über zwei Brüder, die der Armut in Mumbai entfliehen wollen, ein großer Wurf gelungen. Die Globalisierungsversion von Charles Dickens' "Oliver Twist", in der "Wer wird Millionär?" clever als Rahmenhandlung dient, bietet einen beklemmenden Blick auf Mittellosigkeit und Elend, ist aber doch stets erfüllt vom nicht zu bändigenden Enthusiasmus der Hauptfigur, deren Leben in einem Rausch von Farben und Klängen vor dem Zuschauer vorüberzieht - Bollywood made in the West. Unwiderstehlich gut.

Blickpunkt:Film

Der indische Traum hat im Film viel vom amerikanischen – weshalb auch die große Shownummer am Schluss im Bahnhof eher nach Hollywood- als nach Bollywoodmusical aussieht. Das Rezept ist jeweils das gleiche, exquisites Zutatenkino mit ausgewählten Grundstoffen.

Süddeutsche Zeitung, 19. März 2009

Es ist eben kein Film aus Indien, sondern das Indien-Bild eines Europäers, gespiegelt am westlichen Kulturexportgut ‚Wer wird Millionär', aber getragen und unterstützt von einigen der besten Schauspieler und Musiker Bollywoods.

Frankfurter Rundschau, 19. März 2009

Am Ende dieser glatt und charmant, so betont unschuldig und dynamisch erzählten Wundergeschichte spürt man doch einen Nachgeschmack. Das kalkulierte Entertainment samt angegliedertem sozialen Gewissen justiert die Perspektive: Es ist der milde-paternalistische Blick eines wohlmeinenden Unternehmers, der auf das Geschehen fällt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. März 2009

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Datum Stadt Festivalname
04.09.2008 - 13.09.2008 Toronto 33. Toronto International Film Festival

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