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Nomadland

Eine Frau reist von Job zu Job durch den Westen der USA und lebt dabei in ihrem Auto. Mehrfach Oscar-prämiertes Roadmovie.

Nomadland Großansicht
(Bild: Walt Disney)
Verleih Walt Disney
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2020
Regie Chloé Zhao
Darsteller Frances McDormand, David Strathairn, Linda May
Kinostart 01.07.2021
Einspielergebnis D € 3.374.080
Bes. (EDI) 405.958
Bes. (FFA) 428.521
Charthistory

nach oben Inhalt & Info

Fern zieht in ihrem rostigen Autobus durch den Westen der USA. Zur Erinnerung an ihren verstorbenen Mann hat sie seine Jacke dabei. Sie bleibt dort eine Zeit lang, wo sie einen Gelegenheitsjob findet, um genügend Geld für Parkplatz und Benzin und das Wenige, was sie sonst zum Leben braucht, zu verdienen. Den Ort, aus dem sie kommt, gibt es nicht mehr, er ist eine Geisterstadt geworden nachdem der größte Arbeitgeber seine Fabrik zuschloss.

Roadmovie und Drama um eine moderne Nomadin, in dem Chloe Zhao ihrer Protagonistin durch den Westen der USA folgt. Wie in "The Rider" nutzt sie die Ikonografie des Western ohne an dessen Mythenbildung interessiert zu sein. Sie kontrastiert einfache Menschen mit den endlosen Weiten der überwältigenden Natur und sieht ihnen zu, wie sie ihr Leben zu meistern versuchen. Bis auf Frances McDormand und David Strathairn sind es keine Schauspieler. Ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Roadmovie und Drama um eine Frau, die durch den Westen der USA von Job zu Job reist und in ihrem Auto lebt.

Eine Tür öffnet sich, kurz darauf streicht eine Frau zärtlich über eine über ihren Arm gelegte Jacke. So beginnt John Fords "Der schwarze Falke" von 1956, größter aller großen Western mit John Wayne, eine Art epischer Abrechnung mit dem Wilden Westen. So beginnt jetzt auch "Nomadland", nur dass sich nicht eine Tür zu einer Blockhütte öffnet, sondern zu einem Lager in der Mitte von Nirgendwo, irgendwo in Nevada, in dem Fern, die Hauptfigur von Chloé Zhaos drittem Spielfilm, ihr weniges Hab und Gut einlagert, um sich danach in einem rostigen Autobus auf den Weg zu machen. Und die Jacke wird hier nicht von der Schwägerin des Outlaws liebkost, sondern ist eine letzte Erinnerung Ferns an ihren verstorbenen Ehemann, mit dem sie Jahrzehnte lang in Empire lebte, eine 750-Seelen-Gemeinde in Nevada, die 2011 buchstäblich geschlossen wurde, als die Gypsum Corporation ihren dortigen Fabrikbetrieb einstellte - nur ein paar Monate danach wurde die Postleitzahl gestrichen, Empire offiziell zur Geisterstadt erklärt. Wie "Der schwarze Falke" erzählt "Nomadland" die Geschichte einer Odyssee durch den Westen der USA. Doch hier ist er gezeigt als Dritte-Welt-Land, geprägt von Armut und Arbeitslosigkeit. Amerika von unten.

Wie schon Zhaos Vorgänger, "The Rider", bedient sich auch ihr neuer Film der Ikonographie des Westerns, ohne an dessen Mythenbildung interessiert zu sein: Sie kontrastiert einfache Menschen mit den endlosen Weiten der überwältigenden Natur und sieht ihnen zu, wie sie ihr Leben zu meistern versuchen. Fern gehört zu den modernen Nomaden, die in ihren Automobilen leben und von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob fahren: bei Amazon, in Nationalparks, in Schnellimbissrestaurants, wo immer man genug bezahlt bekommt, um für das Nötigste aufzukommen und Parkplätze und Benzin bezahlen zu können. Wie eine Schattengemeinde existieren diese Menschen außerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Einmal im Jahr kommen sie in Arizona mitten in der Wüste zusammen, um sich selbst zu feiern: Hurra, wir leben noch! Da muss man manchmal an "Paris, Texas" und "Into the Wild" denken, und doch ist "Nomadland" ein amerikanischer Film wie kaum ein anderer. Frances McDormand spielt Fern in ihrer ersten Filmrolle seit ihrem Oscargewinn für "Three Billboards outside Ebbing, Missouri". Da wo ihre Mildred in Martin McDonaghs Film in ihrem gerechten Zorn genussvoll überzeichnet war, eine Kunstfigur, scheint McDormand hier komplett mit ihrer Figur zu verschmelzen, eine Frau aus Fleisch und Blut in ihren Sechzigern mit rattig kurzen Haaren, die jegliches Interesse an ihrem Äußeren verloren hat, weil sie damit beschäftigt ist, von einem Tag zum nächsten zu kommen.

Und doch, und das wird immer deutlicher, je länger dieser Film förmlich zu passieren scheint, ist Fern kein Opfer. Im Gegenteil: Sie will dieses Leben und kein anderes, sie führt das Leben, das sie führen will. Sie will und kann nicht mehr zurück in die Gesellschaft, schlafen in einem Bett, in dem man aus Raumknappheit nicht die Knie anziehen muss, unter dem Dach eines Hauses, auch wenn ihre Schwester und später ein wieder in das normale Leben zurückkehrender Mit-Nomade ihr anbieten, bei ihnen einziehen zu können. "Ich bin nicht obdach-, ich bin hauslos", antwortet Fern auf die Frage eines Mädchens. Und gleitet durch ein Amerika, in dem sich Niedergang und Pracht abwechseln, vorbei an Bisons und Gebirgsbächen und Felsformationen. Einmal wandert Fern allein in einen malerischen Canyon, und man steht mittendrin in einem Film von Antonioni, ein andermal bestaunt sie gigantische Redwood-Bäume, als hätte sich Terrence Malick kurz der kargen Szenerie bemächtigt. Mal platzt ein Reifen, mal springt der Bus nicht an: Mehr Drama ist nicht in diesem atmosphärischen Roadmovie, das immer wieder innehält, um einfach nur die Menschen zu betrachten und denen eine Stimme zu geben, die sonst keine haben: Die da in die Kamera sprechen und an der Seite von Frances McDormand spielen (mit Ausnahme von David Strathairn in einer tragenden Nebenrolle), sind echte Nomaden, die ihre Geschichten erzählen, Geschichten, die anrührend sind, erhellend, tragisch und immer wieder traurig. Die aber nicht ihren Stolz verloren haben, ihre Würde und ihre Lust am Leben. Im Niemandsland der Nomaden, das man mit Fern endlos bereisen möchte, die man besser versteht, als man es zunächst wahrhaben will.

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Walt Disney
O-Titel Nomadland
Land / Jahr USA 2020
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Kinostart 01.07.2021
Laufzeit 108
FSK o.A. (ohne Altersbeschränkung)
Einspielergebnis D € 3.374.080
Bes. (EDI) 405.958
Bes. (FFA) 428.521
Charthistory
USA-Start 19.02.2021, bei Fox Searchlight
Web-Link https://www.youtube.com/watch?v=ppVtuI7G9D0
nach oben Cast & Crew
Regie Chloé Zhao
Drehbuch Chloé Zhao
Buchvorlage Jessica Bruder
Darsteller Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Charlene Swankie, Bob Wells
Kamera Joshua James Richards
Schnitt Chloé Zhao
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
44. Gilde-Filmpreis   2021, Leipzig, 23.09.2021 Bester Film (international)  
74. British Academy Film Award   2021, London, 11.04.2021 Beste Hauptdarstellerin Frances McDormand
74. British Academy Film Award   2021, London, 11.04.2021 Beste Kamera Joshua James Richards
74. British Academy Film Award   2021, London, 11.04.2021 Beste Regie Chloé Zhao
74. British Academy Film Award   2021, London, 11.04.2021 Bester Film  
78. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2021, Los Angeles, 28.02.2021 Beste Regie Chloé Zhao
78. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2021, Los Angeles, 28.02.2021 Bester Film - Drama  
77. Internationale Filmfestspiele in Venedig
Internationale Filmfestspiele in Venedig Großansicht
2020, Venedig, 12.09.2020 Goldener Löwe - Bester Film  
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Nomadland The Walt Disney Company (Germany) DVD, ab 0 (ohne Altersbeschränkung), 104 Min. Kauf
Nomadland The Walt Disney Company (Germany) Blu-ray Disc, ab 0 (ohne Altersbeschränkung), 108 Min. Kauf
Nomadland The Walt Disney Company (Germany) DVD, ab 0 (ohne Altersbeschränkung), 104 Min. Leih
Nomadland The Walt Disney Company (Germany) Blu-ray Disc, ab 0 (ohne Altersbeschränkung), 108 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Fern das stillgelegte Dörfchen, in dem sie Jahrzehnte ihres Lebens verbracht hat, und schließt sich einer immer größer werdenden Gruppe von arbeitslosen Nomaden an, die in ihren Autos leben und von Saisonjob zu Saisonjob tingeln. Sie freundet sich mit einem Mitnomaden an, den sie immer wieder trifft. Ein Hauch von Romantik liegt in der Luft. Doch als der zu seiner Familie zurückkehrt, bleibt Fern auf der Straße. Das ist jetzt ihr Leben. Sie will kein anderes.

Überwältigendes Roadmovie um eine moderne Nomadin, in dem Chloe Zhao ihrer Protagonistin durch den Westen der USA folgt. Wie in "The Rider" nutzt sie die Ikonografie des Western, ohne an dessen Mythenbildung interessiert zu sein. Sie kontrastiert einfache Menschen mit den endlosen Weiten der überwältigenden Natur und sieht ihnen zu, wie sie ihr Leben zu meistern versuchen. Frances McDormand gewann ihren dritten Oscar; Film und Regie wurden ebenso ausgezeichnet. Verdientermaßen.

Quelle: mediabiz.de

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