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Jud Süß - Film ohne Gewissen

Verfilmung der Entstehungsgeschichte des berüchtigten NS-Propagandafilms "Jud Süß", an dem Hauptdarsteller Ferdinand Marian zerbrach.

Jud Süß - Film ohne Gewissen Großansicht
(Bild: Concorde)
Verleih Concorde
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Österreich, Deutschland 2010
Regie Oskar Roehler
Darsteller Tobias Moretti, Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu
Kinostart 23.09.2010
Einspielergebnis D € 637.141
Bes. (EDI) 94.068
Bes. (FFA) 94.606
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 10.11.2013 (ARD)

nach oben Inhalt & Info

Mehr schlecht als recht schlägt sich der gebürtige Wiener Ferdinand Marian im Jahr 1939 als Schauspieler durchs Leben. Seine Chance kommt, als ihm die Hauptrolle in einer Verfilmung von "Jud Süß" angeboten wird, auch wenn er aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts zunächst zögert. Propagandaminister Joseph Goebbels lässt keinen Zweifel daran, dass Marian den Part spielen muss. "Jud Süß" ist wichtig für Goebbels' Pläne und Marian in seinen Augen genau der Richtige. Marian glaubt, die Situation unter Kontrolle zu haben: Seine Frau ist Jüdin. Doch das Spiel mit dem Feuer bleibt nicht ohne Folgen.

Veit Harlans "Jud Süß" aus dem Jahr 1940 gilt als Inbegriff des antisemitischen NS-Propagandafilms. Lose basierend auf dem Tatsachenroman "Ich war Jud Süß" von Friedrich Knilli, erzählt Oskar Roehler die Entstehungsgeschichte des Films, findet Zugang zu dem komplizierten Stoff durch das individuelle Schicksal des Schauspielers Ferdinand Marian (1902-1946), der den Joseph Süß Oppenheimer spielte. Tobias Moretti läuft zu großer Form auf in der fordernden Hauptrolle. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu beeindruckend Propagandaminister Goebbels.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Oskar Roehler erzählt von der Entstehung und Wirkung des Nazi-Propagandafilms "Jud Süß" als Melodram, Satire und schillernde Variation über Künstler als Marionetten.

Der nur mit Erlaubnis der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für öffentliche Aufführungen zugelassene "Jud Süß" (1940) gehört zu den Filmen, die den vom Nazi-Regime gewünschten Rassenhass nicht plump propagierten, sondern die Mordhetze gegen das Judentum in die Geschichte um den geldgierigen und sexuell ausschweifenden Finanzrat Joseph Süß Oppenheimer in die Form des Melodrams kleideten, das vorhandene antisemitische Ressentiments weckten. Veit Harlan ("Kolberg", "Immensee") war der von Propagandaminister Joseph Goebbels gewählte und prädestinierte Regisseur, der wirkungsmächtig mit dem Genre umzugehen wusste. "Jud Süß" sahen 20 Millionen im Kino.

Oskar Roehler ("Elementarteilchen") erzählt die Geschichte von Entstehung und Wirkung von "Jud Süß" aus der Perspektive des Schauspielers Ferdinand Marian (Tobias Moretti), der sich dem Wunsch von Goebbels (Moritz Bleibtreu) zu entziehen versucht, um doch als des Teufels Schauspieler unter Harlan (schön zwielichtig: Justus von Dohnányi) den Titelhelden zu spielen, der auf fatale Weise Filmgeschichte schrieb. In der politischen Satire brilliert Bleibtreu, der die Aussprache des Ministers bravourös hinkriegt, als hinkender Mephisto, der mit Wonne manipuliert, überwacht, Fallen stellt, den Film dominiert und Goebbels-Interpreten wie Ulrich Matthes ("Der Untergang") vergessen lässt. Moretti setzt dem die stille Verzweiflung der Marionette entgegen, die den Fäden, die das eh angeknackste Privatleben des Alkoholikers mit Ehefrau Anna (Martina Gedeck) zerstören, nicht entkommt, mit "Jud Süß" identifiziert wird und tragisch endet.

Das Melodramatische des Stoffes um manipulierte Schauspieler, die Istvan Szabó in "Mephisto" mit Klaus Maria Brandauer als dramatischen Pakt mit dem Teufel inszenierte, hat es schwerer, aber ästhetisch kommt Roehler Harlans Originalfilm, dessen zentrale Szenen er geschickt nachstellt, recht nah. Er fährt in Sex-Szenen mit Gedeck und Gudrun Landgrebe derbe Geschosse auf, und lässt in der Parallelhandlung mit dem jüdischen Schauspieler Wilhelm Adolf Deutscher (Heribert Sasse), der das KZ überlebt, Ambivalenzen zu. Das Drehbuch von Klaus Richter arbeitet mit historischen Änderungen, etwa in Namensgebung und Marians weiterer Karriere. So profitiert Roehlers schillerndes Nazi-Spektakel vom Tarantino-Effekt eines deutschen "Basterd" und legitimer künstlerischer Freiheit. ger.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Concorde
O-Titel Jud Süß - Film ohne Gewissen
Alternativ-/Arbeitstitel Jud Süss - Sympathie für den Teufel
Land / Jahr Österreich/Deutschland 2010
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Biographie
Produktionsfirmen Film AG, Clasart Classic, Ulrich Seidl Film Produktion, LOTUS Film
Koproduktionsfirmen Tara Film
Förderung DFFF - Deutscher Filmförderfonds (EUR 349.640)
Projektförderung Österreichisches Filminstitut (EUR 5.500),
Film- und Medienstiftung NRW (EUR 400.000),
Österreichisches Filminstitut (EUR 30.000)
Produktionsförderung FilmFernsehFonds Bayern (EUR 350.000),
Österreichisches Filminstitut (EUR 1.507.714)
Verleihförderung Film- und Medienstiftung NRW (EUR 75.000),
FilmFernsehFonds Bayern (EUR 80.000)
Drehort Köln, München, Wien
Drehzeit 30.06.2009 - 22.08.2009
Kinostart 23.09.2010
Laufzeit 120
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 637.141
Bes. (EDI) 94.068
Bes. (FFA) 94.606
Charthistory
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.jud-suess-film.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Franz Novotny, Markus Zimmer
Regie Oskar Roehler
Drehbuch Klaus Richter
Darsteller Tobias Moretti (Ferdinand Marian), Martina Gedeck (Anna Marian), Moritz Bleibtreu (Joseph Goebbels), Justus von Dohnányi (Veit Harlan), Armin Rohde (Heinrich George), Martin Feifel (Knauf), Ralf Bauer (Fritz Hippler), Robert Stadlober (Lutz), Paula Kalenberg (Kristina Söderbaum), Milan Peschel (Werner Krauss), August Zirner (Erich Engel), Heribert Sasse (Deutscher), Erika Marozsán (Vlasta), Anna Unterberger (Britta), Martin Butzke (Malte Jäger), Lena Reichmuth (Magda Goebbels), Gudrun Landgrebe (Frau Frowein)
Kamera Carl-Friedrich Koschnick
Musik Martin Todsharow
Ton William Franck
Kostüme Thomas Oláh
Maske Björn Rehbein
Herstellungsleitung Alexander Glehr, Manfred Thurau
Produktionsleitung Thomas Konrad
Casting Anja Dihrberg

Hier sehen Sie mediabiz community-Mitglieder, die an diesem Titel mitgewirkt haben.
Mit nur einem Klick können Sie persönlich mit ihnen in Kontakt treten.

Regie (Assistenz) Christian Hoyer (1stAD)
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
22. Romy Österreichischer Film-/Fernsehpreis   2011, Wien, 16.04.2011 Beste Kamera Kinofilm Carl-Friedrich Koschnick
1. Österreichischer Filmpreis
Österreichischer Filmpreis Großansicht
2011, Wien, 29.01.2011 Beste Maske Björn Rehbein
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Jud Süß - Film ohne Gewissen EuroVideo Medien DVD, ab 12, 115 Min. Kauf
Jud Süß - Film ohne Gewissen EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 12, 120 Min. Kauf
Jud Süß - Film ohne Gewissen EuroVideo Medien DVD, ab 12, 115 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Mehr schlecht als recht schlägt sichder gebürtige Wiener Ferdinand Marian im Jahr 1939 als Schauspieler durchs Leben. Seine Chance kommt, als ihm die Hauptrolle in einer Verfilmung von "Jud Süß" angeboten wird, auch wenn er aufgrund der inhaltlichen Ausrichtung des Projekts zunächst zögert. Propagandaminister Goebbels lässt keinen Zweifel daran, dass Marian den Part spielen muss. Marian glaubt, die Situation unter Kontrolle zu haben: Seine Frau ist Jüdin. Doch das Spiel mit dem Feuer bleibt nicht ohne Folgen.

Veit Harlans "Jud Süß" aus dem Jahr 1940 gilt als Inbegriff des antisemitischen NS-Propagandafilms. Lose basierend auf dem Tatsachenroman "Ich war Jud Süß", erzählt Oskar Roehler die Entstehungsgeschichte des Films, findet Zugang zu dem komplizierten Stoff durch das individuelle Schicksal des Schauspielers Ferdinand Marian (1902-1946), der den Joseph Süß Oppenheimer spielte. Tobias Moretti läuft zu großer Form auf in der fordernden Hauptrolle. An seiner Seite spielt Moritz Bleibtreu beeindruckend Propagandaminister Goebbels.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Der geachtete Bühnenschauspieler Ferdinand Marian reagiert völlig überrascht, als Joseph Goebbels ihm die "Rolle seines Lebens" anbietet: Er soll den jüdischen Kaufmann in dem antisemitischen Propagandafilm Jud Süss von Veit Harlan übernehmen. Doch Marian zögert: Soll er sich zur Marionette der Nationalsozialisten machen lassen, ohne das Regime kritisch zu hinterfragen? Und welche Auswirkungen hat dies auf seine Karriere, seine Ehe und seine Beziehungen zu Kollegen und Freunden, ob jüdisch oder nicht? All diese Fragen stellt der kontroverse Film von Oskar Roehler in den Raum. Und anstatt sie zu beantworten, führt er seinen Helden Marian, überzeugend dargestellt von Tobias Moretti, durch die Erzählung, hin- und hergerissen zwischen Ruhm und Gewissen. Neben vielen hochkarätigen Schauspielern brilliert besonders Moritz Bleibtreu mit einer fast schon parodistischen und dennoch authentischen Darstellung des fanatischen Goebbels. Die notwendige Distanz zum brisanten Thema wird durch die hohe Künstlichkeit stets aufrecht erhalten. Der Zuschauer kann reflektieren und ist niemals gezwungen, sich zu identifizieren. Der Film will und kann nicht allen gefallen, er polarisiert. Ohne erhobenen Zeigefinger und mit einem Mut zum Risiko, der hohe Beachtung verdient.

Gutachten:

Diesen Film von Oskar Roehler hat die FBW-Jury intensiv und lange diskutiert. Zahlreiche Gesichtpunkte wurden in dieser interessanten Diskussion angeführt und im Hinblick auf den künstlerischen Wert sowie die kommunikative Wirkung betrachtet. Es wurden plausible Argumente für und gegen den Film vorgebracht. Diese Kontroverse war einerseits sachlich, aber andererseits blieben die Gemüter erhitzt. Der Stoff ist brisant und dessen Inszenierung provokant. Die Figuren und symbolkräftigen Bilder sind ambivalent und ermöglichen die unterschiedlichsten Deutungen.

Umstritten war unter anderem die Frage, ob parodistische sowie kolportageartige Stilelemente dem ernsten Thema gerecht werden. Sind Filme mit ausgeprägtem Unterhaltungscharakter angemessen, wenn es auch um Genozid geht? Was sollen diese drastischen Darstellungen von Sex und Krieg (wenn z. B. eine perverse Offiziersgattin mit Marian die Vergewaltigungsszene aus JUD SÜSS nachahmt und sich dem verbotenen Sex mit einem fiktiven Juden hingibt, während über dem brennenden Berlin die Bomben fallen)? Wieso setzt Roehler auf gezielt übertriebene Spielweisen der Darsteller?

Moritz Bleibtreu versprüht in der Rolle des Joseph Goebbels luziden Charme und verbreitet mit Scherzen und aufmunternden Blicken und Gesten gute Laune. Diese mephistophelische Figur ist scheinbar der Protagonist im Film, obwohl es ja eigentlich um Ferdinand Marian und seine Hauptrolle geht. Der für Jud Süss verantwortliche Regisseur Veit Harlan rutscht quasi zur Nebenfigur herab. Es gehört durchaus zur künstlerischen Freiheit, dass historische Fakten vernachlässigt werden und diverses Material für eine fiktionale Szenerie eigenwillig angeordnet wird. Allerdings ist es dann naheliegend, dass gerade angesichts der deutschen Geschichte 'politisch inkorrekte' Inhalte scharf kritisiert werden. Roehler geht diese Risiken mutwillig ein. Er experimentiert, fabuliert und provoziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Versuche filmkünstlerisch scheitern, ist groß. Unter den Jurymitgliedern fiel die Bewertung sehr heterogen aus. Es gab von keinem Gutachter uneingeschränkte Zustimmung. Die Einwände waren jeweils mit plausiblen Argumenten belegt. Ob verschiedene Gestaltungsmittel (wie die entsättigte Farbe, der UFA-Ton, die nachgestellten Szenen aus dem Originalfilm, die mit authentischen Originalaufnahmen kombiniert sind usw.) angemessen sind oder nicht, darüber gab es geteilte Meinungen. Dennoch setzte sich nach längerer Diskussion bei der Mehrheit die Auffassung durch, dass trotz der verschiedenen Punkte, an denen der Film angreifbar wird bzw. wegen der sonderbaren 'Schwachstellen', die zur Kritik und kontroversen Diskussion herausfordern, ein außergewöhnliches filmkünstlerisches Resultat zu verzeichnen ist. Die Transgression von Verhaltensmustern, die Durchleuchtung von Machtstrukturen, die Verdeutlichung des Dilemmas, in dem die Individuen stecken und andere neuralgische Aspekte bilden eine kritische Masse mit spezifischer filmästhetischer Qualität.

Filme, die polarisieren und kontroverse Diskussionen auslösen, haben ihren Wert. Selbst wenn handwerklich nicht alles gelungen ist, ausschlaggebend ist letztlich die kommunikative Relevanz. Angesichts einer komplexen Semantik, die dem Publikum Sichtweisen vorstellt und offene Fragen hinterlässt, gelangte die Mehrheit der FBW-Gutachter zu der Auffassung, dass dieser filmische Beitrag zum Diskurs über individuelles Verhalten im Kontext von Machtstrukturen des Nationalsozialismus einen besonderen Wert bietet.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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Datum Stadt Festivalname
11.02.2010 - 21.02.2010 Berlin 60. Internationale Filmfestspiele Berlin - Berlinale

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