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Jojo Rabbit

Kriegssatire um einen Zehnjährigen, der Adolf Hitler als imaginären Freund hat.

Jojo Rabbit Großansicht
(Bild: Fox (Walt Disney))
Verleih Walt Disney
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA, Deutschland u.a. 2019
Regie Taika Waititi
Darsteller Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi
Kinostart 23.01.2020
Einspielergebnis D € 1.985.111
Bes. (EDI) 245.709
Bes. (FFA) 254.223
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Boxoffice USA $ 33.369.156
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nach oben Inhalt & Info

Jojo ist zehn Jahre alt und lebt alleine mit seiner Mutter. Obwohl er nach einem selbst verschuldeten dummen Unfall mit einer Handgranate bei einem Waldlager der HJ ein Bein nachzieht und das Gesicht mit Narben verunstaltet ist, vertraut er seinem imaginären Freund Adolf Hitler weiterhin. Auf eine schwere Probe gestellt wird sein angelernter Judenhass, als er in einem Verschlag unter dem Dach des elterlichen Hauses ein jüdisches Mädchen entdeckt.

Gelungene Kriegssatire, die gallig ihre Botschaft deutlich macht, aber auch warmherzig vom Schicksal eines Jungen, einer Familie im Krieg erzählt.Taika Waititi, der zuletzt mit "Thor: Tag der Entscheidung" reinstes Popcornkino lieferte, bewährt sich hier in mehrfacher Funktion als Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller und verbeugt sich vor den großen Vorbildern mit Energie, originellen Einfällen, zwei besonders einprägsame Song-Einsätzen und starken Darstellern.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Darf man über Hitler im Kino lachen? Die Antwort haben zu finstereren Zeiten bereits Chaplin und Lubitsch gegeben und Mel Brooks hat sie neu formuliert: Unbedingt. Und doch war man sich nicht ganz sicher, ob sich der clevere neuseeländische Filmemacher Taika Waititi nicht vielleicht doch verheben könnte mit seinem "Jojo Rabbit". Vielleicht einen Tick zu ausgelassen und sorglos wirkten die bisherigen Filmbilder und ein erster Trailer über den Film eines deutschen Jungen namens Jojo Betzler, der die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs nur übersteht, weil ihm Adolf Hitler selbst als imaginärer Freund zur Seite steht und in seinen nationalsozialistischen Überzeugungen bestätigt. Die Sorgen hat man sich umsonst gemacht. Waititi wird den Anforderungen des Stoffs gerecht. Ja, der Humor ist respektlos, wie sich auch Monty Python über Nazis lustig gemacht haben. Aber vor allem wird der Regisseur den eigenen Ansprüchen gerecht, eine "Anti-Hass-Satire" gemacht haben zu wollen - wohlgemerkt eine mit großem Herzen und der angemessenen Verachtung für die Botschaft der Zerstörung, mit der ein ganzes Land während des Dritten Reichs indoktriniert wurde.

Jojo ist zehn Jahre alt. Sein Vater ist an einer Kriegsfront verloren gegangen, seine Schwester ist tot, seine Mutter zieht den zarten Jungen alleine groß. Obwohl er nach einem selbst verschuldeten dummen Unfall mit einer Handgranate bei einem Waldlager der HJ ein Bein nachzieht und das Gesicht mit Narben verunstaltet ist, vertraut er seinem ulkigen Freund Adolf weiterhin. Auf eine schwere Probe gestellt wird seine arische Überzeugung und der angelernte Judenhass, als er an einem Nachmittag im elterlichen Haus in einem Verschlag unter dem Dach ein jüdisches Mädchen namens Elsa entdeckt, dass ausgerechnet seine Mutter dort vor dem Zugriff der Gestapo versteckt hält. Hin- und hergerissen in seinen widerstrebenden Gefühlen muss Jojo nun entscheiden, wofür er wirklich steht, während von allen Seiten der Feind und damit die Befreiung vor dem Dritten Reich näher rückt.

Mit irrer Energie legt der Film los, zeigt zu den Klängen von "Komm gib mir deine Hand" von den Beatles, der deutsch eingesungenen Version ihres Hits "I Wanna Hold Your Hand" eine Montage von Originalfilmmaterial, wie die Menschen wie in Trance dem Führer zujubeln, ein Land wie unter Massenhypnose. "Jojo Rabbit" macht keinen Kniefall vor den Nazis: Waititi lässt keinen Zweifel zu, dass sie geblendete Unmenschen sind, und findet immer wieder prägnante Momente, sie zu enttarnen und sich über sie zu amüsieren. Sam Rockwell spielt gewohnt lässig einen Offizier, der den Glauben an die Sache, sollte er ihn je besessen haben, längst verloren hat: Er ist sich der Absurdität der Ideologie voll bewusst. Rebel Wilson spielt dagegen eine Walküre aus Überzeugung. Und Stephen Merchant taucht als gespenstischer Gestapo-Mann in Schwarz mit vier Schergen zu einem besonders prekären Moment auf. Aber der Film gehört dem von Roman Griffin Davis wunderbar gespielten Titelhelden, der von der Anne-Frank-Situation völlig überfordert ist und erst zu spät erkennt, dass seine Mutter, gespielt von Scarlett Johansson, ein brandgefährliches Spiel spielt als Widerstandskämpferin, deren Aktionen an "Jeder stirbt für sich allein" erinnern. Und dann ist natürlich auch der Adolf des Films, von Waititi selbst gespielt als feiger, selbstgefälliger Popanz, eine Figur für die Ahnenhalle des Kinos: Ihr Abgang reiht sich ein neben dem Ende von Inglourious Basterds" als Filmmoment für die Ewigkeit. Am Schluss spielt "Helden" von David Bowie, die deutsche Fassung wohlgemerkt, ein erhabener und erhebender Moment: Das Gute hat gesiegt. Das kann die Welt aktuell gut gebrauchen. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Walt Disney
O-Titel Jojo Rabbit
Land / Jahr USA/Deutschland/Tschechien 2019
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Satire
Kinostart 23.01.2020
Erster Verleiher Fox
Laufzeit 108
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 1.985.111
Bes. (EDI) 245.709
Bes. (FFA) 254.223
Charthistory
USA-Start 18.10.2019, bei Fox Searchlight
Boxoffice USA $ 33.369.156
Web-Link http://www.fox.de/jojo-rabbit
nach oben Cast & Crew
Produzenten Carthew Neal, Taika Waititi, Chelsea Winstanley
Ausf. Produzent Kevan Van Thompson
Regie Taika Waititi
Drehbuch Taika Waititi
Buchvorlage Christine Leunens
Darsteller Roman Griffin Davis (Jojo), Thomasin McKenzie (Elsa), Taika Waititi (Adolf), Sam Rockwell, Scarlett Johansson, Rebel Wilson, Stephen Merchant, Alfie Allen, Archie Yates, Luke Brandon Field
Kamera Mihai Malaimare Jr.
Schnitt Tom Eagles
Musik Michael Giacchino
Produktionsdesign Ra Vincent, Nora Sopková
Kostüme Mayes C. Rubeo
Casting Des Hamilton, Maya Kvetny
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
92. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2019, Los Angeles, 09.02.2020 Beste Drehbuchadaptation Taika Waititi
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Bestes adaptiertes Drehbuch Taika Waititi
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Jojo Rabbit Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany DVD, ab 12, 104 Min. Kauf
Jojo Rabbit Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany Blu-ray Disc, ab 12, 108 Min. Kauf
Jojo Rabbit (4K Ultra HD + Blu-ray) Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany Blu-ray Disc, ab 12, 108 Min. Kauf
Jojo Rabbit Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany DVD, ab 12, 104 Min. Leih
Jojo Rabbit Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany Blu-ray Disc, ab 12, 108 Min. Leih
Jojo Rabbit (4K Ultra HD + Blu-ray) Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany Blu-ray Disc, ab 12, 108 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Jojo ist zehn Jahre alt und lebt alleine mit seiner Mutter unter dem Regime der Nazis. Obwohl er nach einem selbst verschuldeten dummen Unfall mit einer Handgranate bei einem Waldlager der HJ ein Bein nachzieht und das Gesicht mit Narben verunstaltet ist, vertraut er seinem imaginären Freund Adolf Hitler weiterhin. Auf eine schwere Probe gestellt wird sein angelernter Judenhass, als er in einem Verschlag unter dem Dach des elterlichen Hauses ein jüdisches Mädchen entdeckt.

Gelungene Kriegssatire mit Schockmomenten, die gallig ihre Botschaft deutlich macht, aber auch warmherzig vom Schicksal eines Jungen, einer Familie im Krieg erzählt.Taika Waititi, der zuletzt mit "Thor: Tag der Entscheidung" reinstes Popcornkino lieferte, bewährt sich hier in mehrfacher Funktion als Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller und verbeugt sich vor den großen Vorbildern mit Energie, originellen Einfällen, zwei besonders einprägsame Song-Einsätzen und starken Darstellern.

Quelle: mediabiz.de

nach oben Zusammenfassung

Ein Zehnjähriger, der Adolf Hitler als imaginären Freund hat, entdeckt im Verschlag des Hauses seiner Familie eine dort versteckte Jüdin. Übersprudelnde Satire im Stil eines Wes-Anderson-Films, die sich mit absurdem Humor über die Verführbarkeit der Menschen lustig macht.

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Die Anti-Kriegs-Satire von Taika Waititi erzählt die Geschichte des jungen Jojo, der im Nazi-Deutschland aufwächst und dessen imaginäre beste Freundschaft mit Adolf Hitler auf eine harte Probe gestellt wird, als Jojos Mutter ein jüdisches Mädchen versteckt.

Der 10-jährige Jojo ist nicht so mutig wie die anderen Jungs in der Hitler-Jugend, nicht so laut wie sie, nicht so schnell wie sie. Aber das macht nichts. Denn Jojo hat einen imaginären besten Freund. Und der heißt Adolf Hitler. Jojo weiß, dass Hitler ihn nie im Stich lassen würde. Genau wie seine Mutter, die Jojo darin bestärkt, alles werden zu können, was er will, auch wenn sie selbst das mit der Hitler-Jugend nicht gutheißt. Als Jojo herausfindet, dass seine Mutter in der Wohnung ein junges jüdisches Mädchen namens Elsa versteckt hält, weiß er nicht, was er tun soll. Denn Juden sind doch schließlich schlechte Menschen. Und Hitler sagt auch, er solle Elsa unbedingt verraten. Aber wenn Juden wirklich schlechte Menschen sind, warum versteht sich Jojo dann so gut mit ihr? Und warum sind alle Nazis, denen Jojo begegnet, entweder gemein oder unfähig? So langsam muss sich Jojo entscheiden, ob er ein guter Nazi oder lieber doch ein guter Mensch werden will. Für seine Anti-Kriegs-Satire nahm sich Regisseur Taika Waititi den Roman "Caging Skies" von Christine Leunens als Grundlage. Schon mit dem Titelsong - die deutsche Version des Beatle-Klassikers "I wanna hold your hand" ("Komm gib mir deine Hand") - wird klar, welche Form von Humor der Film ansteuert. Sämtliche Stereotype der nationalsozialistischen Herrschaft werden aufs Korn genommen, das Ensemble, allen voran Sam Rockwell als abgehalfteter SS-Soldat, Rebel Wilson als überfruchtbare Erzieherin und Stephen Merchant als eifriger Gestapo-Offizier, wissen mit ihren Rollenklischees lustvoll umzugehen. Doch neben den vielen gut gesetzten Spitzen gegen die Unsinnigkeit des NS-Regimes und dem herrlich albernen und überzeichneten Spiel von Waititi selbst als Hitler besitzt der Film ein großes Herz, welches er spätestens mit der Einführung der Beziehung zwischen Mutter und Sohn öffnet. Scarlett Johannson spielt Jojos Mutter mit entwaffnender Fröhlichkeit und unerschütterliche Liebe zu ihrem Sohn. Sie weiß, dass er von den Nazis und ihrem Glauben verblendet ist, aber glaubt immer auch an das Gute in ihm. So vertraut sie darauf, dass er seinen Weg zurück schon finden wird. Und genau das geschieht. Roman Griffin Davis ist als Jojo eine absolute Entdeckung und als Zuschauer kann man nicht anders, als ihn in all seinen Gefühlslagen und -verwirrungen ins Herz zu schließen. Und wenn dann am Ende des Films David Bowie die deutsche Version von "Heroes" zum Besten gibt, ein Rilke-Zitat die Essenz des Films zusammenfasst, dann spürt man, dass der Film mehr ist als eine brillant geschriebene Satire oder eine spannende Geschichte. Es ist ein grundehrlicher Aufruf, das Leben zu lieben. Und alle Menschen dazu.

Gutachten:

Der Film von Taika Waititi ist eine Anti-Kriegs-Satire. Und für ein deutsches Publikum ist es sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig zu sehen, wie sich hier ein neuseeländischer Drehbuchautor und Regisseur, basierend auf einer literarischen Vorlage, das Deutschland des Dritten Reichs vorstellt. Waititis gelungener Kunstgriff besteht dabei darin, dass er konsequent aus der Perspektive eines Kinders erzählt und sein Erzählkosmos nicht realistisch wirkt, sondern stattdessen aus Versatzstücken der Popmythologie zusammengesetzt wurde. Erzählt wird von einem kleinen deutschen Jungen, der ein begeisterter Hitlerjunge ist und dem der Führer immer dann, wenn er sich einsam fühlt, als imaginärer Freund erscheint. Sein Weltbild wird verändert, als er entdeckt, dass sich in seinem Haus ein jüdisches Mädchen versteckt. Taika Waititi inszeniert seinen Film am Anfang mit viel anarchistischem Witz und zeichnet seine Figuren als absurde Karikaturen. Doch später wird sein Ton immer ernster und einige der Figuren wie etwa die alleinerziehende Mutter des Protagonisten bekommen eine überraschende Tiefe, sodass ihr Schicksal sehr berührt. Bemerkenswert ist, wie fantasievoll in der Geschichte, die auf dem Roman "Caging Skies" der Schriftstellerin Christine Leunens beruht, mit Fragmenten von etablierten Erzählmustern jongliert wird. Hitler als der imaginierte Freund des einsamen Jungen steht in der Tradition des Films MEIN FREUND HARVEY, während bei dem versteckten jüdischen Mädchen Anne Frank Pate gestanden hat. Ein europäischer Regisseur hätte diese Elemente wohl nicht so fantasievoll und unbeschwert vermischt wie Waititi. Sein Ansatz, vom Dritten Reich mit den Mitteln der Popkultur zu erzählen, bringt er bei seiner Musikauswahl sehr komisch auf den Punkt. So setzt er Songs von den Beatles, David Bowie und Roy Orbison ein, die die Künstler einst in deutscher Sprache eingespielt haben.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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