House of Gucci

Jahrzehnte umspannendes Drama um Intrigen und Machtspiele, Luxus und Dekadenz innerhalb der Familie hinter dem Modeimperium, von Ridley Scott mit einer Starparade Hochglanz-inszeniert.

House of Gucci Großansicht
(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2021
Regie Ridley Scott
Darsteller Lady GaGa, Adam Driver, Al Pacino
Kinostart 02.12.2021
Einspielergebnis D € 11.421.606
Bes. (EDI) 1.142.018
Bes. (FFA) 1.139.921
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Boxoffice USA $ 53.799.969
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Maurizio Gucci, verwöhnter und verschwenderischer Enkel des Gründers der berühmten Modemarke, heiratet 1972 die ehrgeizige Patricia Reggiani und residiert mit ihr in New York. Nach dem Tod des Vaters kämpft er mit allen Mitteln um die Vorherrschaft im Imperium und trennt sich von Patricia. Die will sich mit dieser Abfuhr nicht zufrieden geben und kämpft ihrerseits um weiteren Einfluss und Abfindung.

Sechs Wochen nach "The Last Duel" landet Ridley Scotts nächster Film in den Kinos - wieder mit Adam Driver in einer Hauptrolle und etlichen weiteren Stars, u.a. Popstar Lady Gaga, die sich nach "A Star is Born" erneut als Schauspielerin beweist. "House of Gucci" ist ein wilder Hochglanz-Mix aus Mafiadrama, Satire, Soapopera und Shakespeare basierend auf Tatsachen um ein Fegefeuer der Eitelkeiten und Machtspiel innerhalb der titelgebenden Familie. Al Pacino, Jared Leto und Jeremy Irons spielen weitere Familienmitglieder.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Jahrzehnte umspannendes Drama um Intrigen, Luxus und Dekadenz innerhalb der Familie hinter dem Modeimperium.

Wie "I, Tonya" aussehen würde, wenn man den Film als italienische Oper inszenierte. Wie eine Staffel von "Succession" mit dem dekadenten Glamour-Charme von Old Europe und dem Wissen, dass es sich nicht um eine Satire, sondern eine wahre Geschichte handelt. Ridley Scott hat Spaß an dem Niedergang und der Wiederauferstehung des Modehauses Gucci, an den Intrigen, Charaden, Täuschungen und schließlich einem Mord. Und warum sollte er nicht? Der Brite ist 84 Jahre alt, er muss sich nichts mehr beweisen, und er hat aus den Boxoffice-Erfahrungen mit dem ganz nah verwandten thematischen Vorgänger "Alles Geld der Welt" - sein Thriller über die Dynastie der Gettys, ebenfalls angesiedelt in Italien und den USA - gelernt, dass man zwar ernste Elegien über Reichtum und Macht und Gier und die Flüchtigkeit von allem drehen kann, sie aber mit reichlich Razzle Dazzle verpacken muss, um sie beim großen Publikum funktionieren zu lassen.

Also an der Oberfläche erst einmal dem Affen den verdienten Zucker geben, das wahre Drama wird messerscharf hinter den knalligen Bildern uneingeschränkter Luxuspornografie vermessen. Die Parade der Hauptfiguren, gespielt von Stars wie Lady Gaga, Adam Driver, Al Pacino, Jared Leto und Jeremy Irons jederzeit in Vollbesitz ihrer beträchtlichen Starpower, ähneln den realen Protagonisten dieser Tragödie, aber sie sind doch auch Karikaturen, krasse Zerrbilder ihrer selbst wie in der Commedia dell'arte, Narren und lächerliche Gestalten allesamt, Spielbälle eines Spiels, das sie zu steuern glauben, über das sie aber keine Kontrolle haben. Am Ende gewinnt die Bank. Weiß man doch. Und doch gerieren und spreizen sie sich, immer angetan mit den Insignien der Gucci-Macht, Gürtel mit Logoschnallen und elegante Loafers, reden mit bizarren italienischen Akzenten, im Spannungsfeld zwischen italienischen Arien und billigem italienischen Plastikpop. Und sie machen es immer zum Gaudium des Publikums - "Are you not entertained?" -, während sie mit Vollkaracho aufs Kliff zusteuern.

War "Alles Geld der Welt" Scotts Variation von "Citizen Kane", so folgt "House of Gucci", basierend auf dem gleichnamigen Buch von Sara Gay Forden aus dem Jahr 2001, den Motiven von "Der Pate", nur eben erzählt als Farce über Maurizio Gucci, den Sohn des Patriarchen Rodolfo, der Michael Corleone dieser Geschichte, der nichts mit dem Geschäft zu tun haben und Anwalt werden will, dann sich aber 1978 in Mailand in Patrizia Reggiani verliebt, die Tochter eines Spediteurs und eine Goldgräberin, die den Fehler macht, sich in den Mann zu verlieben, den sie ausnehmen will: Lady Gaga ist großartig in der Rolle, aber "House of Gucci" ist nicht ihr Film, sie ist nicht Lady Macbeth oder Cruella DeVil, auch wenn der Trailer das andeuten mag: Vielmehr ist sie nur eine tragende Nebenfigur in ihrer eigenen Geschichte. Als sie den Mord an ihren Mann in Auftrag gibt, hat sie schon nichts mehr mit dem Imperium zu tun, das sie mit aller Macht versucht hat an sich zu reißen. Aber auch Maurizio, und das ist das Tragische, nicht mehr, der mit Patrizias Hilfe zu einem Gucci werden und die Familienkonkurrenz aus dem Weg räumen konnte: Von der Gnadenlosigkeit der Macht, dem Sieg des Turbokapitalismus über alles, was einmal Wert und Schönheit besessen haben mag, erzählt Ridley Scott. Und er macht es brillant.

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Universal
O-Titel House of Gucci
Alternativ-/Arbeitstitel Untitled Gucci Biopic / Gucci
Land / Jahr USA 2021
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Biographie
Produktionsfirmen Scott Free Productions
Kinostart 02.12.2021
Laufzeit 158
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 11.421.606
Bes. (EDI) 1.142.018
Bes. (FFA) 1.139.921
Charthistory
USA-Start 26.11.2021, bei MGM
Boxoffice USA $ 53.799.969
Web-Link https://www.upig.de/micro/house-of-gucci
nach oben Cast & Crew
Produzenten Ridley Scott, Giannnina Scott
Regie Ridley Scott
Drehbuch Roberto Bentivegna
Darsteller Lady GaGa (Patrizia Reggiani), Adam Driver (Mauricio Gucci), Al Pacino, Jeremy Irons, Jared Leto, Jack Huston
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
House of Gucci Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 152 Min. Kauf
House of Gucci Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 12, 158 Min. Kauf
House of Gucci Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 152 Min. Leih
House of Gucci Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 12, 158 Min. Leih
nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollFBW-Pressetext:

Als Maurizio Gucci auf die schöne Patrizia trifft, verliebt sich der Erbe des weltweiten Modeimperiums schnell in die lebenslustige, zielstrebige Frau. Doch was als unschuldige Romanze beginnt, entwickelt sich bald zu einem dramatischen Kampf um Macht, Geld - und natürlich Mode. Meisterregisseur Ridley Scott erzählt die aberwitzig wahre Geschichte mit prächtig schillerndem Pomp und inszeniert eine umwerfende Lady Gaga in einer preisverdächtigen Hauptrolle.

In einer Mischung aus bissiger Gesellschaftssatire und melodramatischer Seifenoper erschafft Altmeister Ridley Scott lustvoll das hochkarätige und mit Grandezza aufspielende Darstellerensemble. Angeführt von Al Pacino als "Pate" der Modefamilie, Jeremy Irons als sein Bruder, Jared Leto als der erfolglos überambitionierte Sohn, der eigene Ideen in die Firma einbringen will, aber scheitert, und schließlich Adam Driver als unscheinbar bescheidener Maurizio, der mit all dem Blingbling der Familienmarke gar nichts zu tun haben will. Doch im Zentrum der Handlung und auch der mit Glanz und strahlenden Farben erfüllten Bilder steht stets Lady Gaga, die mit der Darstellung der Patrizia den Film komplett erfüllt. Ihr Streben nach Geld, Macht und Ruhm, ihre Sehnsucht danach, das Haus Gucci zu regieren und ihr verletzter Stolz, wenn sie von ihrem Ehemann auf das Abstellgleis gestellt werden soll - das alles liest man in jedem Blick, jeder Geste, jedem Gang. Die Welt, in der sich Patrizia als Außenstehende ihren Platz erarbeitet, ist glamourös und voller Oberflächlichkeiten, und Ridley Scott zeigt die Kälte des Geschäfts fern von Emotionen und legt mit Biss und Humor eine dysfunktionale Familienstruktur offen, die inspiriert ist von wahren Begebenheiten. Und dank einer exzellenten Kamera- und Montagetechnik und einem Soundtrack, der das Publikum mit jedem Song ein wenig stärker in die 1980er und frühen 1990er katapultiert, kann man sich voller Lust an einem großen Spektakel einfach mitnehmen lassen. Auf eine wilde Fahrt mitten ins Herz eines unfassbaren Skandals in einem der größten Modehäuser der Welt.

FBW-Jury-Begründung:

Höhenflug und Niedergang des Modehauses Gucci. Eine faszinierende Geschichte, die Meisterregisseur Ridley Scott offensichtlich mit großer Lust zu einem brillanten Filmepos inszenierte. Es geht dabei ja nicht nur um die Geschichte eines Modeimperiums, sondern um das Drama um die dahinter stehende Familie Gucci. Zentral ist hier der Begriff der Tradition, auf den im Verlauf des Films von den Brüdern wiederholt verwiesen wird. Dabei blicken wir neben all dem Glamour, dem Reichtum, den faszinierenden Besitztümern der Guccis in aller Welt, in die Abgründe einer Familie, voller Intrigen, Verrat, Lug und Trug und schließlich Mord. Ein gefundenes Fressen für Ridley Scott, daraus einen trotz seiner üppigen Länge jederzeit spannenden Thriller zu formen. Eine eindrucksvolle Garde von Topstars verkörpern mit ihrem herausragenden Spiel unter seiner sicheren Führung das Spiel um Macht und Selbstdarstellung. Jeremy Irons als Rodolfo Gucci lenkt das Gucci Imperium von Italien aus, Al Pacino als sein Bruder Aldo den Rest der Welt von New York aus. Ihr eindrucksvolles Spiel wird auf herausragende Weise noch von Lady Gaga als Patricia Reggiani übertroffen. Als sie Rodolfo Guccis Sohn Maurizio zufällig auf einer Party kennenlernt, setzt sie alle ihre weiblichen Waffen ein, bis sie dessen Frau wird. Sie wird zur treibenden Kraft für die Intrigen innerhalb der Familie Gucci, verbunden mit ihrem Hunger nach Macht, der sie selbst vor einem Auftragsmord an ihrem Mann nicht zurückschrecken lässt. Tatkräftige Hilfestellung erhält sie dabei von der Wahrsagerin Pina - eine Paraderolle für Selma Hayek. Adam Driver spielt die zentrale Figur des Maurizio Gucci, den seine Frau vom anfänglich am Imperium uninteressierten jungen Mann zum korrupten Firmenboss, selbstverständlich nur für ihre Zwecke, umfunktioniert. Jared Leto als Paolo Gucci und Jack Huston runden den glänzenden Starreigen ab. Der Film orientiert sich an den wahren Ereignissen um das Familiendrama und dem gleichnamigen Buch von Sara Gay Forden. Eine Steilvorlage für ein dramaturgisch geschickt aufgebautes Drehbuch, gespickt voll mit packenden Dialogpartien. Eine vorzügliche Kamera und perfekte Farbgestaltung lassen den Zuschauer in ausgewählt schönen Locations schwelgen, wie die römischen Palazzi, New York, die Schweiz und weitere eindrucksvolle Schauplätze. Eine dem hohen filmischen Anspruch entsprechende Leistung bietet der Music-Score mit einigen reizvollen zeitgenössischen Songs. Insgesamt großes Kino!

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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