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Armageddon Time

Autobiographisches Drama von James Gray über die Freundschaft eines schwarzen und eines weißen Jungen im Queens der Achtzigerjahre.

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(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA, Brasilien 2022
Regie James Gray
Darsteller Anne Hathaway, Jeremy Strong, Sir Anthony Hopkins
Kinostart 24.11.2022

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Queens Mitte der Achtzigerjahre, ein Stadtteil unter der Kontrolle des Immobilienentwicklers Fred Trump. Ein weißer Teenager studiert an der überwiegend weißen Kew-Forest School, freundet sich dort mit einem der wenigen schwarzen Jungs an. Als nach einem gemeinsamen Vorfall nur der schwarze Junge verhaftet und in den Jugendknast gesteckt wird, lernt der weiße Junge eine bittere Lektion für seine Zeit als Erwachsener.

Cannes hatte immer schon ein großes Herz für James Gray: Drei Jahre, nachdem er seinen Science-Fiction-Film "Ad Astra" in Venedig vom Stapel rollen ließ, legt der New Yorker seinen persönlichsten, weil am stärksten autobiographisch gefärbten Filme über eine Jugend im Queens der Achtzigerjahre vor, in dessen Mittelpunkt eine Freundschaft zwischen einem weißen und einem schwarzen Jungen steht. Im Vorfeld wird vor allem die Darstellung von Anthony Hopkins als Großvater des weißen Jungen gelobt.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Autobiographisches Drama über die Freundschaft eines schwarzen und eines weißen Jungen im Queens der Achtzigerjahre.

Viele Menschen, singen die Clash 1979 in ihrer Coverversion des Dub-Reggae-Songs "Armagideon Time" des jamaikanischen Sängers Willie Williams, würden heute Nacht keine Gerechtigkeit bekommen. Das kann man als Leitmotiv sehen für den neuen Film von James Gray, der nach dem ambitionierten Science-Fiction-Opus "Ad Astra" offenbar eine kleine, ganz persönliche Geschichte nötig gehabt hat, um neue kreative Energie zu tanken und die nicht ganz einfache Produktionsgeschichte des Vorgängers zu verdauen. Es ist seine Jugend in einem jüdischen Haushalt in einem Außenbezirk von New York im Jahr 1980, die er da ausbreitet, seine eigenen Ängste und Wünsche, Erfahrungen und Erlebnisse. Und vor allem seine ganz eigene Schuld, die er so lange mit sich herumgetragen hat und nicht abschütteln konnte, dass er sie nun in einem Film verarbeiten musste, der so persönlich und intim ist, wie es "Sie küssten und sie schlugen ihn" und "Fanny und Alexander" waren - oder unlängst "Roma" und "Belfast" und bald Steven Spielbergs The Fabelmans".

Grays Alter ego ist ein etwa zwölfjähriger Junge namens Paul Graff, der 1980 als Teil einer jüdischen Familie in einem Außenbezirk von New York wohnt, die Beatles hört und davon träumt, als Erwachsener ein berühmter Künstler zu werden. Wie das Jungs in diesem Alter nun einmal tun, wenn sich die Welt noch komplett um die eigene Wahrnehmung dreht und noch nicht in der Lage ist, die größeren äußeren Zusammenhänge zu erkennen. Gray zeichnet das ungemein gut, diese Schwelle zum Erwachsenwerden. In Pauls Augen ist seine Familie superreich, tatsächlich kommen sein Vater und seine Mutter nur über die Runden, weil sie von ihren Eltern unterstützt werden. So kann sein älterer Bruder eine angesehene konservative Privatschule besuchen, auf die schon Donald Trump gegangen ist und deren einflussreichster Mentor dessen Vater Fred ist. Paul selbst geht auf eine öffentliche Schule. Er ist ein harmloser Junge, ein bisschen verträumt vielleicht. Ihm ist nicht bewusst, dass Schwierigkeiten auf ihn zukommen, weil sein Lehrer ihn für renitent und langsam hält und er sich mit einem der wenigen schwarzen Jungs in seiner Klasse anfreundet, Johnny, der jeden Tag aus einem der Problemviertel der Stadt angekarrt wird. Für Paul ist es schwer zu verstehen, dass die Welt mit zweierlei Maß urteilt, wenn er Blödsinn macht und wenn Johnny Blödsinn macht. Aber in diesem Jahr, das prägend sein wird für sein Leben, wird er es lernen.

"Armageddon Time" ist voller schöner und bittersüßer Momente, die wie Tagebucheinträge sind, sich echt und erlebt anfühlen, als hätten sie all die Jahre darauf gewartet, endlich in Filmbilder gegossen zu werden. Der Kinobesuch mit der Familie ("Schütze Benjamin"), die Kabbeleien mit dem Bruder, die Lebenslektionen, die ihm sein Großvater beizubringen versucht. Und dann kommen natürlich die Härten, die nicht spurlos vorbeigehen können an einem Zwölfjährigen und ihn zwingen, das Kindsein hinter sich zu lassen. Der Verlust eines geliebten Menschen, die Auseinandersetzungen mit dem schwachen Vater, die Versetzung an die Privatschule, die schon sein Bruder besucht, der Konflikt mit dem Gesetz. "Be a Mensch!", wurde Paul von seinem Großvater, wunderbar gespielt von Anthony Hopkins, mit auf den Weg gegeben. Nun muss er versuchen, das auch zu beherzigen, seinen Weg zu finden in einem Amerika, das sich gerade verändert, kurz vor der Wahl Reagans zum Präsidenten, kurz vor Beginn der Ich-Dekade. Das kann bei James Gray etwas akademisch wirken, wie das bei dem Regisseur von "Two Lovers" und "The Immigrant" nun einmal so ist - zumal die Eltern Pauls mit Anne Hathaway und Jeremy Strong zwar namhaft, aber nicht wirklich ideal besetzt sind: Wenn sie spielen, wirken sie, als würden sie versuchen, die Essenz des Klischees jüdischer Eltern einzufangen. Da erhält der Film Brüche, die nicht nötig gewesen wären, weil man sonst doch so gerne zusieht, wie dieser ungelenke von Banks Repeta gespielte Junge lernt, was es bedeutet, dass vielen Menschen heute Nacht keine Gerechtigkeit widerfahren wird in den "Armageddon Times".

Thomas Schultze.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Universal
O-Titel Armageddon Time
Land / Jahr USA/Brasilien 2022
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Kinostart 24.11.2022
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Regie James Gray
Darsteller Anne Hathaway, Jeremy Strong, Sir Anthony Hopkins
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