Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany

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Frankfurt am Main, 09.01.2008, 16:36  VideoMarkt

Warum Fox auch künftig für das Verleihfenster kämpft

Kann der exklusive Verleihvorlauf für Spielfilm-DVDs das angeschlagene Rentalgeschäft retten? Und wie kann der Handel das Potenzial des Verleihfensters besser nutzen? Über dies und mehr sprach VideoWoche mit Geschäftsführer Joachim Spang und Senior Key Account Manager Barbara Eis-Haupt von Twentieth Century Fox Home Entertainment (TCFHE).

Joachim Spang: "Wir initieren und unterstützen Preiskämpfe nicht" Großansicht
Joachim Spang: "Wir initieren und unterstützen Preiskämpfe nicht"  
VideoWoche: In den letzten Wochen sind die Diskussionen über das Thema Verleihfenster wieder hochgekocht. Welche Strategie fährt Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany?

Joachim Spang: Das Rentalfenster in Zusammenhang mit dem Namen Fox ist in Deutschland lang geübter, erfolgreich praktizierter Alltag. Ich setze mich bei jedem internationalen Meeting für ein möglichst langes Verleihfenster ein.

VW: Weshalb kämpfen Sie für das Verleihfenster?

JS: Ich sehe zum einen die große Bedeutung des Verleihs für Fox in Deutschland und Österreich und andererseits den Bedarf frühzeitiger Verfügbarkeit attraktiver Titel für den Verleihhandel. Diese den Videotheken zu entreißen wäre dasselbe wie einem Fußballer den Ball wegzunehmen. Damit würde man einen ganz wichtigen Teil des Markts nicht mehr unterstützen.

VW: Andere Anbieter sehen diesen Teil des Markts als nicht mehr so wichtig an. Was sagen Sie Mitbewerbern, die verlautbaren lassen, dass sie eigentlich viel lieber nur noch Video-on-Demand anbieten würden, weil sie die Margen im Verleih nicht mehr interessieren?

JS: Weder bezüglich der Margen noch bezüglich der absoluten Umsatz- oder Absatzbedeutung kann ich diese Position bestätigen. Und für uns kommt noch ein weiteres wichtiges Argument hinzu: die Reichweite der Kundenansprache. Natürlich gibt es Überschneidungen bei Kunden, die zugleich leihen und kaufen. Aber Tatsache ist: Etwa ein Drittel leiht ausschließlich. An diesem bedeutenden Konsumentenpotenzial würde man mit derartigen Strategien vorbeigehen. Dazu sind wir nicht bereit, weil das, was wir an Um- und Absätzen und auch Erträgen in diesem Kanal generieren können, zu attraktiv und zu bedeutsam für uns ist.

VW: Sehen Sie Ihren Einsatz für das Verleihfenster denn von Erfolg gekrönt?

JS: Wir waren, sind und bleiben Verfechter des Verleihfensters. Auch unsere internationalen Kollegen öffnen sich immer stärker unseren Argumenten als wir uns deren Ansichten.

Barbara Eis-Haupt: "Noch viel Potenzial bei TV-DVDs" Großansicht
Barbara Eis-Haupt: "Noch viel Potenzial bei TV-DVDs"  
Barbara Eis-Haupt: Seit 2007 haben wir das Verleihfenster wieder häufiger eingesetzt. Einige Beispiele: "Der Teufel trägt Prada Clip" mit einem dreiwöchigen Verleihfenster, im Sommer kam "Pathfinder Clip" mit sogar ganzen sechs Wochen Fenster, und "Rocky Balboa Clip" hatte wiederum drei Wochen Vorlauf. "The Hills Have Eyes 2 Clip" ist bis heute noch nicht im Verkauf gestartet, obwohl er bereits Ende September in den Verleih kam, er wird also unglaubliche 22 Wochen Verleihfenster haben. Das Fenster ist enorm wichtig, vor allem für verleihaffine Produkte, insbesondere FSK-18- oder indizierte Produkte. Aber auch für Topspielfilme ist ein Verleihfenster sinnvoll - immer unter der Maßgabe der Umsatz- und Margenoptimierung. Allerdings sollte der Handel bei Titeln mit Fenster nicht die gleichen niedrigen Durchschnittspreise fordern wie bei Direktvermarktung.

VW: Manchmal hat man jedoch das Gefühl, dass dem einen oder anderen Handelspartner der Preis wichtiger ist als das Fenster.

BEH: Wir wissen aus der Sleeper-Studie, dass der Verleih massiv Konsumenten verloren hat. Aus dieser Entwicklung entstanden auch die generische Kampagne und viele aktuelle Maßnahmen der einzelnen Gruppen. Denn jetzt wird wieder händeringend nach Marketing gerufen, sprich nach Möglichkeiten der Kundenrückgewinnung. Natürlich ist hier auch die Industrie gefordert. Das richtige Produkt anzubieten, mit einem Fenster und einem Preis, der für beide Seiten funktioniert, und mit einem optimalen Marketingpaket. Nur so kann die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel funktionieren, so wäre es eine Win-Win-Situation für beide. Wir können aber nicht über immer weiter sinkende Einkaufspreise reden und gleichzeitig über mehr Marketingunterstützung.

VW: Sind denn zumindest die großen Gruppen zu Investitionen bereit?

BEH: Es gibt in allen Gruppierungen namhafte Vertreter, die Marketingmaßnahmen befürworten und auch bereit wären, dafür etwas mehr zu bezahlen. In denselben Gruppen gibt es aber immer auch die Gegenpositionen.

VW: Was wäre das richtige, zielgerichtete Marketing, unabhängig von Budget und Titeln?

BEH: Tatsache ist erst einmal: Der am Einkaufspreis gesparte Euro bringt dem Handel nicht einen einzigen Konsumenten zurück. Mit einigen innovativen Partnern setzen wir auch schon viele Marketingaktivitäten um. Zum Beispiel innerhalb der MMG - Media Marketing. Wir haben für "Der Teufel trägt Prada", "Stirb langsam 4.0 Clip" und zuletzt auch für "Die Simpsons - Der Film Clip" regional mit der Tomin Video-Gruppe Radiowerbung kofinanziert. Auch Video World ist sehr aktiv, was neue Marketingideen betrifft, z.B. mit U-Bahn-Werbung. Für unsere beiden großen Releases im 4. Quartal sind wir auf World of Video und emp zugegangen und haben die größten Outlets beider Gruppen mit riesigen Außenbannern bestückt. Auch die exklusiven Verpackungen für den Verleih, wie wir sie mit sehr großem Erfolg bei der WoV eingesetzt haben, sind ein Beispiel, und nicht zuletzt unser Engagement in Sachen generische Verleihkampagne.

VW: Ist denn das Verleihfensterangebot der Fox ein bedingungsloses oder eher ein politisches Mittel, um den Verleihhandel auf Kurs zu halten?

JS: Politisch ist es definitiv nicht. Es ist ernst gemeint. Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht bedingungslos. Wobei ich unsere Bedingung auf das Verständnis unserer Kunden für die Lebenszyklusplanung eines Titels beziehen möchte. Wir sind natürlich immer vom Kinorelease abhängig, wenn wir unsere Rentalvermarktung und die Retailvermarktung planen. Dabei erarbeiten wir eine Gesamtoptimierung der Vermarktung, was dazu führen kann, dass wir über ein etwas kürzeres oder auch längeres Rentalfenster nachdenken. Unter Umständen kann es auch passieren, dass wir uns bei bestimmten Titeln gegen ein Verleihfenster entscheiden. Grundsätzlich sprechen wir uns jedoch ganz klar - wann immer möglich und vertretbar - für ein möglichst langes Verleihfenster aus.

VW: Können Sie schon ein paar interessante Titel mit Verleihfenster nennen, die 2008 auf die Branche zukommen?

BEH: Bereits am 14. Januar startet "28 Weeks Later Clip" mit einem Fenster von sechs Wochen in den Verleih. Der komplette Videothekenhandel bekommt dafür eine Sonderversion mit einem exklusiven Schuber und 3D-Bild, den es so im Verkauf nicht geben wird. Mit derartigen Maßnahmen wollen wir signalisieren, dass wir an den Verleih glauben. Im Februar folgt "Wächter des Tages Clip" als Director's Cut mit einem fünfwöchigen Fenster. Zu weiteren Titeln können wir noch nichts sagen, aber es laufen bekanntlich gerade im Kino besonders verleihaffine Filme, wie z.B. "Hitman - Jeder stirbt alleine Clip", bei denen wir zumindest nach heutigem Stand auch ein Fenster in der Planung haben.

VW: Mit Blick auf jüngste Preisverrisse und Flyeraktionen im Kaufhandel, zum Beispiel bei "Stirb langsam 4.0" oder auch "Harry Potter", stellt sich die Frage: Ist das Verleihfenster am Ende eine Art Versicherung für den Verleih, um vom Kaufhandel nicht gefressen zu werden?

JS: Ich wehre mich dagegen, beim Thema Preisverriss in einem Atemzug mit "Harry Potter und der Orden des Phönix Clip" genannt zu werden, weil das bei uns eine ganz andere Konstellation war. "Stirb langsam 4.0" ist ohne unser Wissen, ohne unsere Zustimmung und ohne unser Zutun bereits vor offiziellem Release verkauft worden. Fakt ist: Wir sind einer der Premiumanbieter. Bei den "Simpsons" beispielsweise gab es keine VÖ-Verstöße und auch keine Preisaggressivität. Dennoch hat der Titel hervorragend performt. Dies belegt, dass wir weder Preiskämpfe initiieren noch unterstützen und auf der anderen Seite daraus auch keinen Grund für eine bestimmte Verleihfensterpolitik abgeleitet haben. Sie kann und darf somit nicht als Kompensation angesehen werden.

BEH: Wir hatten bereits während des ganzen Jahres 2007 Titel mit Verleihfenster angeboten, nicht erst im Weihnachtsgeschäft. Leider fehlt einigen Partnern immer noch das Verständnis für die Preisgestaltung im Retailbereich. Anders als im Buchmarkt haben wir keine Preisbindung. Den Endverbraucherpreis setzt der Handel fest und nicht die Industrie. Dennoch ist es ein negativer Effekt, wenn sich ein großer Handelspartner anhand einer starken Neuheit, die wir als Direktvermarktung fahren, über den Preis profiliert. Das schadet dem Verleihgeschäft, allerdings ist dies sicherlich nicht der alleinige Grund dafür, dass die Verleihumsätze zurückgehen. Auch hier belegt die Sleeper-Studie, dass über mehrere Jahre gewisse Schritte versäumt wurden. Aber wer heute sein Geschäft professionell unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten führt und sagt, "Verleih ist mein primäres Geschäft, aber möglicherweise verkaufe ich auch in meinem Laden", der ist auf dem richtigen Weg. Deswegen spreche ich mit jedem meiner Verleihkunden nicht nur über den Verleih, sondern auch über den Verkauf. Denn hat man den Konsumenten einmal bei sich im Laden, sollte man ihn nicht ohne Produkt gehen lassen, ob er nun kauft oder leiht.

VW: Fox ist auch stark beim Angebot von TV-DVDs in Videotheken engagiert.

BEH: Richtig. Das wollen wir weiter forcieren, bis jetzt war die Unterstützung des Verleihhandels jedoch eher unterdurchschnittlich. Anhand der GfK-Daten kann man sehen, wie stark der TV-Markt gewachsen ist. Wir möchten den Verleih unterstützen, diese hochattraktiven Produkte mit auszuwerten. Daher räumen wir auch bei TV-Serien ein Verleihfenster ein. Beispielsweise hatten wir die dritte Staffel von "Stargate Atlantis Clip" noch vor Ende der TV-Ausstrahlung und vor dem Verkaufsstart für den Verleih veröffentlicht. Leider ergreift der Markt bisher oft noch nicht die Möglichkeiten, die ihm die Industrie bietet. In diesem Bereich liegt noch viel Potenzial.

VW: Woran ist es denn bisher gescheitert?

BEH: Die Gegenargumente reichen von "Interessiert doch keinen" bis "Lief doch schon im Fernsehen". Manche Ansichten beruhen auch auf Unwissenheit. Ein schwieriger Punkt ist, dass manche Videothekare die ganze Staffel verleihen möchten und andere lieber einzelne Folgen. Solange wir aber keine kritischen Mengen erreichen, können wir nicht ohne Weiteres sechs Einzelscheiben verpacken und ausliefern. Also haben wir viele Titel bisher zu einem attraktiven Kurs als Box angeboten. Einigen ist aber auch dieser Einstiegspreis noch zu hoch.

JS: Man muss aber auch eine gewisse Innovationsbereitschaft erwarten, denn so eine DVD-Box lässt sich nun mal nicht einfach über einen Verleihtag oder ein Wochenende komplett anschauen. Der Verleihhandel muss hier flexibel sein. Schließlich ist im Kaufhandel TV das am stärksten boomende Segment.

BEH: Ein Beispiel: Man könnte eine TV-DVD-Box zum Verleih anbieten, gleichzeitig aber dem Kunden die Möglichkeit geben, den Verleihpreis auf den Kaufpreis anzurechnen, wenn er die Box später kaufen will. Der Verleihhandel muss seine Vorteile, die er gegenüber dem stationären Handel in der direkten Ansprache des Konsumenten hat, besser nutzen. Erst die Summe der Maßnahmen macht den Erfolg aus, vom Verleihfenster über das Marketing bis hin zum richtigen Produkt und Preis und der Fachberatung vor Ort.

VW: Zum Abschluss aus aktuellem Anlass: Kürzlich haben Programmanbieter die Abschaffung des Fensters zwischen DVD- und Video-on-Demand-Start gefordert. Wie steht Fox dazu?

JS: Dazu möchte ich keine Stellung beziehen. Video-on-Demand ist bei Fox international aufgehängt und wird komplett von Los Angeles aus gesteuert.


Quelle: VideoWoche

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