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Am 3. November veröffentlicht Concorde acht Einzel-DVDs in High-Definition-Qualität für den Windows-Media-Player von Microsoft. Zuvor war bereits eine HD-DVD in der Collector's Box von "Lara Croft - Die Wiege des Lebens" erhältlich. D&V ließ sich von Concorde-Geschäftsführer Michael Ivert Idee, Konzept und Chancen des neuen Formats erklären.
Michael Ivert: Das von der International DVD Steering Group inzwischen bestätigte Kompressionsformat WMV HD (VC-1 Codec) der Firma Microsoft. Es funktioniert etwa wie das Ein- und Auspacken von komprimierten Datenpaketen mit HD-Inhalten über den Windows-Media-Player der Serie 9.
D&V: Diese HD-DVD basiert nicht auf blauem Laser?
Ivert: Nein, das hat damit nichts zu tun. Der augenblickliche Grabenkampf zwischen der HD-DVD (Toshiba, NEC u. a.) und Blu-ray-Disc (Sony, Matsushita, Phillips u. a.) verlangt neue Trägerformate mit höherer Datenkapazität, die beide nur mit einem so genannten blauen Laser gelesen werden können. In den zurzeit käuflichen DVD-Playern / -Rekordern wird der rote Laser eingesetzt, dessen Licht breiter streut und deshalb nur eine begrenzte Dichte abtastet. Der von Microsoft entwickelte Windows-Media-Player liest die auf einer herkömmlichen DVD-ROM enthaltenen Daten, in diesem Fall hochauflösende Filmsequenzen, aus. Hier ist also nur ein ganz normales DVD-ROM-Laufwerk notwendig. Da liegt auch der Vorteil von Microsoft: Während die diskutierten HD-DVDs neue Endgeräte mit einem blauen Laser benötigen, sind alle etwas besseren PCs / Laptops mit WMV in der Lage, HD-Inhalte abzuspielen. Also: der PC als Endgerät für HD-Inhalte ist bereits vorhanden und muss nicht erst noch in den Markt eingeführt werden! Wichtig und entscheidend ist auch, dass die Qualität - ob nun mit WMV über den PC oder als neues Endgerät mit Blaulaser - im Resultat auf einem HD-tauglichen Monitor (fast alle neueren handelsüblichen LCD-Monitore und Plasmas) völlig identisch ist. Andere Faktoren sind wichtiger. So beispielsweise beim Premastering u. a. die Datenrate bzw. Kompressionsdichte. Wir encoden unsere DVDs mit 720 p (progressive = Vollbildfrequenz) und 8 Mbit / sec, sodass jeder einigermaßen vernünftige Rechner heute in der Lage ist, einen ruckelfreien, hochaufgelösten Film abzuspielen. Damit schöpfen wir zugleich die komplette Kapazität einer gängigen Dual-Layer-Disc aus. Das Tonformat wird übrigens genauso über den Microsoft-Windows-Media-Audio pro in vergleichbarem 5.1-Dolby-Digitalton wiedergegeben, sodass insgesamt der volle digitale Heimkinogenuss garantiert ist.
D&V: Welche Titel erscheinen vorerst?
D&V: Vorher sind noch keine erhältlich?
Ivert: Vorbestellungen und Anfragen werden über die Firma High-Def von Lothar Kerestedjian abgewickelt, der sich über viele Jahre während seiner Tätigkeit bei Panasonic Deutschland mit dem Thema High Definition beschäftigt hat und über entsprechendes Expertenwissen verfügt. High-Def ist demnach Kommunikationszentrum und späterer Produktversender in einem. Da der Herstellungsaufwand einer einzelnen HD-DVD sehr zeitintensiv ist, werden nicht alle acht Titel auf einmal gefertigt, sondern hintereinander. "Lara Croft I+II" und "The Italian Job" werden bereits Ende August fertig sein. Offizieller Start für den Fachhandel ist und bleibt aber der 3. November.
D&V: Gab es schon eine erste Resonanz des Handels auf die Idee?
Ivert: Wir wollen jetzt die Zeit bis November nutzen, zusammen mit fachkompetenten Key-Playern in den Schlüsselfilialen HD-Demonstrationen zu organisieren. Erste Gespräche hierzu liefen bereits mit Saturn. Entscheidend für die Präsentation ist, dass zweimal dasselbe Equipement (PC / Laptop und Monitor) eingesetzt wird. So ist perfekt erkennbar, was eine bis zu fünffach höhere Bildauflösung für das sehende Auge im Vergleich bedeutet, nämlich mehr Raumtiefe, bessere Farbgebung und feinere Bildstrukturen. Das HD-Bild erreicht fast die Qualität eines wirklichen Bilds.
D&V: Was sollen die WMV HD-DVDs kosten?
Ivert: Der Handelsabgabepreis wird für alle acht Titel einheitlich in der Preisgruppe A liegen, ergo 19,40 Euro. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt somit bei 24,99 Euro. Wir bieten allen interessierten Kunden damit einen, am Aufwand gemessen, äußerst attraktiven Preis. Wir wollen aber eben nicht nur die High-End-Upper-Class, sondern vom Start weg auch eine breite Zielgruppe ansprechen und somit den Gesamtmarkt auf die "Zukunft der DVD" einstimmen. Erste Folge kann sein, dass der Kunde die normalen PAL-DVDs mit den HD-DVDs ergänzt, um das neue Format direkt vergleichen zu können.
D&V: Welches Bonusmaterial bieten die DVDs?
Ivert: Gegenüber den diskutierten Formaten Blu-ray-Disc (ca. 25 Gbyte) und HD-DVD (ca. 15 Gbyte) sind der derzeitig erhältlichen DVD Kapazitätsgrenzen gesetzt (Dual-Layer: ca. 8,5 Gbyte). Insbesondere da nicht nur die Bildqualität um ein Vielfaches höher ist, sondern auch noch 5.1. Surroundton auf der DVD enthalten ist. Die DVD-ROM ist daher mit Bild und Ton ausgeschöpft und bietet dadurch keinen zusätzlichen Platz mehr für Bonusmaterial.
D&V: Also auch keine weiteren Sprachfassungen?
Ivert: Wir wollen uns gerade bei ROM-Anwendungen vor Piraterie und Grauexporten schützen. Da wir generell territoriale Rechte verwalten (deutschsprachiges Europa), ist vorerst nur die deutsche Sprachfassung enthalten.
D&V: Enthält die DVD auch den Windows-Media-Player?
Ivert: Nein, der ist in der Regel beim Betriebssystem von Microsoft (Windows XP, 2000) vorhanden bzw. kann kostenlos heruntergeladen werden. Der PC oder das Laptop des Verbrauchers braucht gewisse Systemanforderungen - sprich: eine vernünftige Grafikkarte und mindestens zwei Gigabyte Speicherkapazität.
D&V: Ist ein Kopierschutz vorgesehen?
Ivert: Wir schützen uns durch ein Lizenznachweisverfahren. Man kann die DVD kopieren; nach wenigen Stunden wird bei Einlegen der Kopie nach der Original-DVD gefragt. Ist diese nicht vorhanden, ist die Kopie nicht mehr anwendbar. Im Grunde ist die lizenzrechtliche Abfrage nach dem Original der beste Schutz. Damit umgehe ich die Hackergemeinde und die Problematik mit der erlaubten Privatkopie.
D&V: Wie erkennt der Konsument, dass es sich um WMV HD-DVDs handelt?
Ivert: Statt dem Schriftzug "Concorde Cine Collection" wird "Concorde High Definition" sichtbar sein. Auf dem Cover gibt es noch einen sehr deutlichen Hinweis, dass es sich um eine HD-DVD-ROM handelt. Verpackungsform ist die transparente Amaray-Box.
D&V: Wie entstand die Idee der Veröffentlichung einer HD-DVD?
Ivert: Nach der erfolgreichen Vermarktung des ersten Teils von "Lara Croft" wollten wir zum Start des zweiten Teils eine Collector's Box veröffentlichen. Hier sollte für den Fan etwas Besonderes geboten werden, und wir brauchten eine zusätzliche DVD zu den fünf Stück der ersten beiden Teile, inklusive PC-Spiel. Die ursprüngliche Idee war ein "Lara Croft"-HD-DVD-Trailer.
D&V: Wie wurde daraus der komplette Film?
Ivert: Ein HD-Trailer allein hätte den Produktionsaufwand und die Kosten nicht gerechtfertigt. Da wir Zugriff auf das gesamte HD-Material des zweiten Teils hatten, kamen wir in Absprache mit Sonopress, digital media production und Microsoft überein, als Versuch den ganzen Film in HD-Qualität zu produzieren. Voraussetzung war natürlich die garantierte Funktionalität des Microsoft-Windows-Media-Player! Es war sicher eine Gratwanderung. Bis zuletzt hätte das Projekt auch scheitern können.
D&V: Hinter den HD-Veröffentlichungen steckt also ein langfristiges oder zumindest mittelfristiges Konzept?
Ivert: Beides. Aus heutiger Sicht glaube ich, dass frühestens in zwei, drei Jahren die ersten brauchbaren High-Defintion-Player zu einem verbraucherfreundlichen Preis am Markt erhältlich sind. Dieses Zeitfenster können wir mit dem Windows-Media-Player sehr gut nutzen. Auf Dauer sehe ich durchaus das Potenzial für den Windows-Media-Player für die Etablierung als massentaugliches HD-Abspielformat.
D&V: Also noch eine weitere Front im Formatkrieg?
Ivert: Nun, der Windows-Media-Player ist bereits ein anerkanntes, taugliches HD-Tool und sollte nicht mehr nur als Ergänzung angesehen werden. Insbesondere, da die Nutzung von PCs in den Haushalten künftig eine völlig neue Bedeutung erfahren wird. Eine multimediale Plattform erfordert als Basis einen PC.
D&V: Welches Format wird sich bei HD Ihrer Meinung nach durchsetzen?
Ivert: Ich denke, dass letztendlich nicht die Industrielobbys der Hardwarekonzerne über das "Gewinnerformat" entscheiden werden, sondern die Hollywoodstudios. Die Filmproduzenten und deren Investoren werden vorgeben, auf welchem technischen Format sie ihre Filme am besten veröffentlicht und vor piraterischem Missbrauch geschützt sehen wollen. Wahrscheinlicher ist, dass erst einmal beide Formate, HD-DVD und Blu-ray, in den Markt kommen werden, weil die Industrielager zu einflussreich sind und zunächst einer vernünftigen, einheitlichen Lösung trotzen werden - und wie schon so oft bedauerlicherweise auf dem Rücken der Endverbraucher.
D&V: Concorde hält aber kein Exklusivrecht an dieser Form der HD-DVD?
Ivert: Nein. Wenn das Format am Markt positioniert ist und sich zügig durchsetzen sollte, werden viele folgen. Ich bin sogar relativ zuversichtlich, dass bereits ab Frühjahr mehr als nur die acht Concorde-Titel im Markt angeboten werden. Es ist wie ein Sprung ins kalte Wasser, aber es können alle darin schwimmen. Es geht in erster Linie um eine Investition in die Zukunft. Concorde hatte 1996 mit "12 Monkeys" die erste PAL-DVD in Deutschland veröffentlicht, jetzt haben wir europaweit die erste High-Definition-DVD herausgebracht. Es zeigt wieder einmal aufs Neue, wozu die Independents der Videoanbieter gut und in der Lage sind: eine Entwicklung anzukurbeln und früh daran zu partizipieren. Das hat Concorde in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen. Natürlich nicht nur aus purem Spaß an der Freude. Der zu erwartende return of investment ist zugleich der Antriebsmotor für unser Engagement.
D&V: Erhoffen Sie sich eine ähnliche Entwicklung bei DVD wie bei VHS?
Ivert: Man wird bei der High-Definition-DVD sicher nicht mehr den Quantensprung wie bei VHS zu DVD beobachten. DVD ist ein hervorragendes Medium, nichtsdestotrotz muss man am Ball bleiben, ein Zukunftsformat entwickeln und gebrauchsfähig installieren. Der riesige Vorteil ist, dass HD-DVD-Abspielgeräte bereits in vielen Haushalten vorhanden sind, wenn auch derzeit nur in Form von PCs. Das könnte durchaus auch eine Wende in der bislang kaum zu vereinbarenden Computer- und Gerätewelt einläuten. Denn Inhalte verbinden...
D&V: Eine HD-DVD hatte Concorde bereits bei der "Lara Croft"-Box veröffentlicht. Wie ist die Bilanz?
Ivert: Wir sind mit dem Vertriebsergebnis sowohl der Doppel-DVD als auch des Boxsets mehr als zufrieden. Trotz schwächerem Kinoeinspielergebnis des Sequels im Vergleich zum ersten Film haben die Fans von "Lara Croft" und Abenteuerfilmen auf DVD gesiegt und den Kult um die Cyberheldin bestätigt. Wir werden dennoch kein so langes Fenster vom Kino- bis zum Videostart (neun Monate!) mehr anwenden. Der Vertriebserfolg des zweiten Teils beruht wohl auch zum Großteil auf der gelungenen Kampagne des bundesweiten Lara-Croft-Fitnesswettbewerbs. Mit diesem über drei Monate anhaltenden Werbeeffekt konnten wir die Zeit bis zum Videostart Ende April 04 noch sehr gut überbrücken. Das wird sich aber ändern. Der Auswertungszeitraum von Kino zu Video (Retail) wird für Concorde-Titel künftig auf sechs Monate und weniger verkürzt werden.
Quelle: DVD&VideoMarkt
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