04.03.2016, 00:00  VideoMarkt | Verkauf

Lifetime Achievement Award

Laudatio von Marita Breuer auf Edgar Reitz und "Heimat"

Edgar Reitz (Bild: Kurt Krieger) Großansicht
Edgar Reitz (Bild: Kurt Krieger)
Mit seiner Jahrhundertchronik aus dem Hunsrück, wo Edgar Reitz 1932 geboren wurde, schrieb er Fernseh- und Filmgeschichte. Von heute aus betrachtet wird klar, wie innovativ, wie experimentell und seiner Zeit voraus er war, als er 1979 mit der ersten "Heimat Clip"-Staffel serielles Erzählen auf seine Art und Weise einführte. Heute wird sie weltweit als zeitgemäße Form des horizontalen Erzählens gefeiert und ist beliebt gerade beim jungen Publikum.

Lieber Edgar, die sogenannte "Heimat"-Trilogie, ein Spielfilm-Zyklus in 30 Teilen mit einer Gesamtlänge von über 52 Stunden ist ein "Lehrstück im Erzählen von Geschichten und Geschichte". Sie ist mit großer künstlerischer Vision, meisterlicher Hand und unvorstellbarem Einsatz inszeniert und nun in all ihren Fassungen auf DVD zu bestaunen. Keiner im deutschen Film hat einen vergleichbar langen Atem gezeigt und so tiefe Einsichten in die Lebenswirklichkeit und das Seelenleben der Deutschen im 20. Jahrhundert vermittelt. Kaum ein Werk des deutschen Films hat so viel Respekt und Nachhall auch im Ausland gefunden.

2013 hast Du ein neues Kapitel "Heimat" aufgeschlagen. In "Die andere Heimat Clip" erzählst Du vom Schicksal der einfachen Leute im Hunsrück im 19. Jahrhundert, vom Bauernjungen Jakob, der den Hunger-Alltag nur mit Träumen vom Auswandern erträgt. Ein Filmwunder mit Sogwirkung, das trotz epischer Länge Tausende Zuschauer ins Kino lockte! Wer konnte da ahnen, welche Aktualität das Thema Migration und die Suche nach Heimat wieder gewinnen würden.

Als Schauspielerin durfte ich bei dem großen Film-Abenteuer von Anfang an dabei sein - zuerst als Bürgermeistertochter Maria, die elf Episoden lang, zwischen 1919 und 1976, ihr Leben meistert und ihr Hermännchen groß zieht. Dann als Mutter der Familie Simon, deren Söhne inzwischen im Mittelpunkt des Schabbach-Universums standen.

Wo Heimat ist, ist immer auch Familie. In Edgars Fall ist das seine Frau Salome Kammer, die mehrfach Rollen übernahm in seinen "Heimat"-Filmen - sogar der Begriff "Heimatfilm" bekommt bei Dir eine neue Bedeutung! Und natürlich sein Sohn Christian als Produzent, mit dem er seit 2005 die Firma Reitz & Reitz Medienproduktion betreibt. Es ist auch die Film-Familie, mit uns Schauspielern und den festen Teammitgliedern wie dem großen Gernot Roll, der die magischen Schwarzweiß-Bilder schuf.

Deine Geschichten aus der Perspektive der kleinen Leute wurden mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter auch ein Bayerischer Filmpreis 1985 für mich. "Die andere Heimat" gewann neben vielen anderen gleich drei Deutsche und zwei Bayerische Filmpreise. Umso glücklicher und geehrter fühle ich mich, dass ich mich jetzt revanchieren und Dir auch einmal einen Preis überreichen darf - lieber Edgar, herzlichen Glückwunsch zum Lifetime Achievement Award, dem Preis für das Lebenswerk bei den Video Champions.


Quelle: VideoMarkt

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