München, 21.02.2012, 13:39  VideoMarkt | Digitaler Vertrieb
Kreativität schützen Thema: Kreativität schützen

Editorial: Es läuft was schief...

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Ulrich Höcherl  
... im Staate Deutschland. Dabei herrscht neuerdings so viel Konsens. Auf den nächsten Bundespräsidenten einigte sich die Politik über alle wichtigen Parteien hinweg in zwei Tagen. Keine Einigung ist beim Urheberrecht in Sicht, schon gar nicht mit der amtierenden Justizministerin. Die hatte zuletzt die europaweite ACTA-Regelung in Deutschland ad acta legen lassen. Auf der Berlinale nutzte daher der amtierende, Film und Musik verbundene Kulturminister jeden seiner Auftritte, um seiner Kabinettskollegin die Leviten zu lesen. Denn wie in sonst kei-nem anderen europäischen Land zählt der Schutz des geistigen Eigentums in Deutschland immer weniger. Kaum ein Politiker mag sich im Wahljahr für die Rechte der Kreativen einsetzen. Den großen Druck übt längst nicht mehr nur die Internetwirtschaft aus, die gern millionenfachen Rechtsmissbrauch in Kauf nimmt, wenn sich nur ungestört damit Traffic und Geschäft machen lassen. Inzwischen werden nur noch die falschen Schlagworte in die Debatte geworfen; schon setzt sich eine Armada aus von Lobbyisten gesteuerten Netzaktivisten in Bewegung, um lautstark Gefahren für den freien Informationszugang und eine drohende Zensur zu beschwören. Damit wird Politikern nachhaltig klargemacht, dass ihr Eintreten für Recht und Gesetz bei der Verfolgung und Unterbindung massenhaften Datendiebstahls keine positiven Auswirkungen auf die eigene Wiederwahl zeitigt. So hält sich in bestenfalls zwei Parteien ein getreues Fähnlein, das die Rechte der Kreativen nicht schutzlos der digitalen Mafia ausliefern will. Wie dreist dort operiert wird, zeigen die neuen Verhaftungen im Umfeld von kino.to, deren Exmitarbeiter längst als Datenhehler für neue Angebote auftreten. Wie brachial sich Internetpiraten ihr gutes Recht auf unbeschränkte illegale Nutzung erstreiten, belegt die minutenlange Störung der Verleihung der spanischen Filmpreise und die vorübergehende Lahmlegung der Goya-Website. Anders als in Spanien, den USA, in Frankreich, Großbritannien oder Österreich pfeifen weite Teile der deutschen Politik auf die Rechte der Urheber. Wenn aber Kreative auch in Zukunft noch von ihren Ideen und ihrer Arbeit leben sollen, ist es höchste Zeit, dass unstrittige Rechtspositionen aus der analogen Welt auch in der digitalen verteidigt werden können. Alles andere wäre ein Skandal.

Ulrich Höcherl
Chefredakteur VideoMarkt

Quelle: VideoMarkt

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