München, 26.02.2004, 16:00  mediabiz.de

Blu-ray contra HD-DVD - Wer gewinnt den Formatestreit?

Es geht Schlag auf Schlag: Während die Verfielfältiger noch dabei sind, für die DVD Produktionskapazitäten auszubauen und Abläufe zu optimieren, stehen die potenziellen Nachfolger der DVD bereits in den Startlöchern. Das Stichwort lautet High Definition. Ob die dritte Generation der optischen Discs ein Erfolg wird, daran scheiden sich derzeit noch die Geister.

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"Die ersten Blu-ray-Discs kommen Ende 2005 oder Anfang 2006", wagte sich auf der Consumer Electronics Show (CES) im Januar in Las Vegas Ben Feingold, Präsident der Sony-Tochter Columbia TriStar Home Entertainment (CTHE), vor und erhöhte damit das Tempo der Entwicklung des potenziellen DVD-Nachfolgers. Doch bevor Blu-ray oder auch Mitbewerber HD-DVD um die Gunst der Konsumenten buhlen, muss einiges geschehen. Zuerst gilt es für die Entwicklerkonsortien, sich schnellstmöglich auf einen Standard zu einigen - und das könnte schwierig werden.

Viele hoffen zwar, dass die Hardwarekonzerne einen Formatekrieg wie bei den wiederbespielbaren Formaten oder bei DVD-Audio und SACD vermeiden werden. Führende DVD-Internetseiten haben jedoch prophylaktisch bereits die "HD-DVD: One Format only Campaign" gestartet. Eine Einigung wird jedenfalls nicht allzu einfach sein. Das zeigte bereits der Fall, den das US-Justizministerium im Rahmen einer Untersuchung gegen das Blu-ray-Konsortium aufrollte. So soll die Gruppe um Sony, Matsushita und Philips innerhalb des DVD-Forums die Entwicklung der HD-DVD behindert haben, sodass im November 2003 der HD-DVD-Standard durch das DVD-Forum erst mit Verzögerung genehmigt werden konnte. Ein Punkt übrigens, den Toshiba, NEC & Co. ihren Konkurrenten im Duell der Machtblöcke voraushaben.

<span style="font-style:italic;">Sven Deutschmann, GF Sonopress</span>
Sven Deutschmann, GF Sonopress  
Im weiteren Vergleich haben selbstverständlich beide Systeme ihre Vorteile. Die HD-DVD-Befürworter reklamieren gern für ihren Favoriten die geringeren Um- und Herstellungskosten, da insbesondere die in den Produktionsstätten vorhandenen Maschinen nutzbar seien. Für Blu-ray spricht, dass mit Sony, Philips und weiteren Schwergewichten die Gruppe der Blu-ray-Founder mächtig Druck macht und die Zahl der Unterstützer schnell wächst. Zuletzt bekannten sich die PC-Hersteller Dell und Hewlett-Packard zur BD. Weiterer Punkt: die höhere Speicherkapazität. Während es die HD-DVD auf 15 Gigabyte pro Layer bringt, kann die Blu-ray schon mit 25 GB aufwarten.

Doch die Lage bleibt weiter unklar. Zwar sollen auf der MediaTech-Expo im Mai in Frankfurt bereits neue Duplizierlinien für Blu-ray und HD-DVD vorgestellt werden, doch bremsen sich die Technologien in einigen Fällen immer wieder selbst aus. Aktuell hat Sony gerade die für das 1. Quartal 2004 geplante Auslieferung seiner neuen Blu-ray-Laufwerke verschoben.

Killerapplikation Kopierschutz

<span style="font-style:italic;">Dr. Wolfgang Ruso, GF Naxos Deutschland</span>
Dr. Wolfgang Ruso, GF Naxos Deutschland  
Auch dass Philips Research sich vorerst nicht mehr um das Prestigeprodukt "Portable Blue" kümmern will, das auf Basis einer 3-Inch-Blu-ray-Disc arbeiten soll, zeigt, dass noch nicht alles in trockenen Tüchern ist. Die HD-DVD-Front versuchte auf der CES wie Blu-ray Marktreife zu demonstrieren. NEC will die Technologie jedoch auch erst 2005 in seinen PCs einsetzen. Auch in Hollywood verhält man sich, abgesehen von CTHE, bis dato sehr zurückhaltend. Denn in der Praxis, so meinen viele, müssten beide Formate ihre Markttauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. Schwerpunkt: ein unknackbarer Kopierschutz, der auch den Branchenexperten in Deutschland wichtig ist. "Wir befürworten jede Entwicklung, die das illegale Kopieren erschwert", sagt Sven Deutschmann, Geschäftsführer Sonopress.

Wenig Euphorie bezüglich der neuen Formate herrscht dagegen bei Dr. Wolfgang Ruso, Geschäftsführer des Klassikvertriebs Naxos: "Nur als Ersatz für die DVD, als neues Format nur um der Neuigkeit willen, wäre die Blu-ray unnötig." Sie werde nur interessant, wenn die HDTV-Wiedergabequalität für den Konsumenten erstrebenswert wird, die entsprechende Hardware zu akzeptablen Preisen angeboten wird und auch genügend interessante Titel erwartet werden können. Der Schweizer DVD-Experte Jean-Luc Renaud meint, derzeit sprächen viele Anzeichen dafür, dass die HD-DVD das Rennen macht. "Aber ist es noch zu früh, um sehen zu können, welches Format der Gewinner sein wird."

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Quelle: Entertainment Media Verlag

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