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Groningen, 02.05.2016, 09:51  MusikWoche | Livebiz

Wie man als David im Livegeschäft die Goliaths umgehen kann

Diskutierten (von links): Philipp Jacob-Pahl (Landstreicher Booking), Christian Gerlach (Neuland Concerts), Jens Michow (bdv), Ingo Beckmann (Konzertbüro Schoneberg) und Oliver Hoppe (Wizard Promotions) (Bild: MusikWoche) Großansicht
Diskutierten (von links): Philipp Jacob-Pahl (Landstreicher Booking), Christian Gerlach (Neuland Concerts), Jens Michow (bdv), Ingo Beckmann (Konzertbüro Schoneberg) und Oliver Hoppe (Wizard Promotions) (Bild: MusikWoche)
Der Eintritt von Live Nation verändert den deutschen Livemarkt. Darin liegen jedoch auch Chancen, wie ein Panel mit Repräsentanten von Neuland Concerts, Landstreicher Booking, Wizard Promotions, Konzertbüro Schoneberg und des bdv betont.

"Der Vorteil von kleineren Firmen wie uns ist doch, dass wir mit den Künstlern individueller und direkter arbeiten können", sagte Ingo Beckmann, Leiter der Münchner Dependance des Konzertbüros Schoneberg, auf einer Paneldiskussion beim niederländischen Showcasefestival Eurosonic Noorderslag in Groningen. "Wir müssen letztlich den Künstlern klarmachen, was wir viel besser machen können als die großen Corporate-Player. Es geht nicht darum, das Spiel mitzuspielen, sondern es zu verändern."

Dieser Anspruch war auch ein Grund, warum er jüngst von Target Concerts zu Schoneberg gewechselt sei. So unterhält Schoneberg Büros in mehreren Regionen, wodurch die Künstler direkt mit diesen arbeiten können und keine örtlichen Veranstalter mehr brauchen. "Es gibt keine dritte Partei zwischen uns und dem Künstler", erläutert Beckmann die Schoneberg- Philosophie.

Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (bdv), sieht ebenfalls in einem sich wandelnden Markt auch Chancen. "Wir haben nun in der Tat die Situation, dass es mehr global agierende Corporate- Unternehmen gibt, die Büros in Deutschland eröffnen - wie zuletzt etwa Live Nation. Das wird den Markt verändern, einfach weil sie groß sind und über riesige Geldreserven verfügen. Aber ich denke nicht, dass die kleinen und mittleren Unternehmen darunter leiden werden. Ich könnte mir sogar eher vorstellen, dass einige Künstler ganz bewusst nicht bei den Großen unter Vertrag stehen wollen." Denn viele dieser Acts wollten eine direkte Verbindung zu den Leuten in einer Veranstaltungsagentur, die auch die Verantwortung haben und mit denen sie im direkten Umgang die kreativen wie wirtschaftlichen Prozesse besprechen und entscheiden können."

Das funktioniere auch bei einem Haus wie Neuland Concerts, das einst als Division von Warner Music gegründet worden war. "Für uns war es von Anfang an wichtig, einen eigenen Künstlerstamm aufzubauen und direkten Kontakt zu den Künstlern zu haben", formuliert Christian Gerlach, Managing Director Neuland Concerts. "Aber das Geschäft verändert sich eh die ganze Zeit. Man muss beständig flexibel sein und auf Dinge reagieren. Das war schon immer so - auch vor dem Markteintritt von Live Nation."

Für ihn sei es spannend gewesen, den Künstlern mit Neuland ein neues Geschäftsmodell anzubieten. "Sicherlich will nicht jeder mit uns arbeiten, aber für uns spricht, dass wir Dinge anders machen als die anderen. Und in den vergangenen sechs, sieben Jahren haben wir unter Beweis gestellt, dass dieses Modell funktioniert. Wir sind in der Lage, Karrieren aufzubauen und lange mit Künstlern zusammenzuarbeiten."

Oliver Hoppe, Geschäftsführer Wizard Promotions, verteidigt die Entscheidung, Teil der DEAG-Gruppe zu werden, als "eine gute". Denn Wizard sei noch immmer unabhängig bei den Geschäftsentscheidungen, profitiere aber vom Wissen, das bei DEAG gebündelt sei. Als Beispiel nennt er etwa den Bereich, nachdem DEAG mit myticket.de eine eigene Ticketingdivision ins Lebengerufen hat. "Aber im Herzen sind wir eine Indie-Company, die sich ganz dem Do-It-Yourself- Modus verschrieben hat."

Philipp Jacob-Pahl, Geschäftsführer Landstreicher Booking Köln, weist auf einen anderen Ansatz hin: "Die Frage ist doch, ob man mit den Goliaths im Livegeschäft überhaupt in den Wettbewerb gehen will. Sicherlich kann man als David Glück haben und einen Stich machen in der Auseinandersetzung mit den Riesen, aber letztlich haben wir - und auch andere Firmen - einen Weg gefunden, die Riesen zu umgehen, Dinge einfach anders zu machen."

Wo Landstreicher die Vorteile der eigenen Struktur nutzt, warum bei Neuland Concerts ein großes Team arbeitet und wie Wizard Promotions das 360-Grad-Modell des Mutternunternehmens DEAG interpretiert, erfahren Abonnenten in MuskiWoche Heft 16/2016, im Livepaper oder hier.


Quelle: MusikWoche

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