München, 22.03.2012, 12:12  MusikWoche | Unternehmen
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Sven Regener mischt Urheberrechtsdiskussion auf

Riskiert es, uncool zu sein: Sven Regener (Bild: Charlotte Goltermann) Großansicht
Riskiert es, uncool zu sein: Sven Regener (Bild: Charlotte Goltermann)
Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Rechte der Künstler hat sich Sven Regener in die aktuelle Urheberrechtsdebatte eingeschaltet. Auf eine Anfrage der Radiosendung "Zündfunk" des BR-Senders Bayern 2 nach einem Statement zum Thema setzte der Buchautor und Element-of-Crime-Musiker zu einer spontanen und fundierten Analyse zu YouTube, GEMA und der Notwendigkeit von Plattenfirmen an.

"Weder YouTube noch Google haben selbst irgendetwas zu bieten, außer dem, was andere geschaffen haben", kommentierte der Sänger und Songschreiber den aktuellen Streit zwischen YouTube und den Rechteinhabern. "Die GEMA - das sind wir Komponisten und Textdichter - sagt nun 'Nein, für dieses Geld kriegt ihr unseren Kram nicht.' Wir sehen nicht ein, dass mit Werbung Milliardengeschäfte gemacht werden, und wir davon nichts abkriegen. Wir sind die Penner in der letzten Reihe." Jeder junge Mensch solle sich gut überlegen, ob er sich zum "Lobbyisten eines milliardenschweren Konzerns wie Google machen möchte. Ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass diejenigen, die den Inhalt liefern, nichts bekommen, ist kein Geschäftsmodell."

Als Musiker wirke man "uncool", wenn man sich auf das Urheberrecht berufe, gerade als Indiekünstler: "Deshalb halten alle schön die Füße still und den Kopf unten - und sehen dabei zu, wie es immer weiter den Bach runter geht". Das "Herumtrampeln" auf Künstlern, die auf dieses Recht beharren, sei "im Grunde nichts anderes, als wenn man uns ins Gesicht pinkelt." Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgehe, sei nichts wert. "Das ist eine Frage des Respekts und des Anstandes." Wenn dies nicht mehr gegeben sei, müsse sich der Künstler "andere Wege suchen, seine Platten zu produzieren - oder eben auch nicht, denn zu glauben, man könne auf Plattenfirmen verzichten, ist ein großer Irrtum", so der Universal Music-Künstler. "Wir gehen keine Geschäftsbeziehungen mit Plattenfirmen ein, weil wir was zu verschenken haben, sondern weil wir sonst unsere Musik nicht machen können."

Das gesamte Statement hören Sie hier.


Quelle: MusikWoche

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KOMMENTARE

  • Jean-Pierre Garattoni
    Edition Incontro
    23.03.2012, 10:27

    RESPEKT! Besser kann man es nicht ausdrücken! Danke für Deinen Einsatz lieber Sven.

  • David Klein
    22.03.2012, 18:04

    Kürzlich habe ich am TV einen Bericht über das Tagebuch der Anne Frank gesehen. Das Tagebuch wurde in 55 Sprachen übersetzt und hat sich über 30 Millionen Mal verkauft. Bereits in den fünfziger Jahren war es das meistverkaufte Taschenbuch und meistaufgeführte Bühnenstück in Deutschland.

    Die Einnahmen aus den Urheberrechten wurden und werden vom Anne Frank Fonds kontinuierlich in Projekte investiert, die Jugendlichen auf für sie nachvollziehbare Weise den Holocaust und die Folgen von Rassismus, Fremdenhass und Intoleranz verständlich machen.

    Nachdem Nelson Mandela 1994 eine humanitäre Auszeichnung vom Anne-Frank Fonds erhalten hatte, sprach er zur Bevölkerung in Johannesburg und sagte, er habe das Tagebuch während seines Gefängnisaufenthalts auf Robben Island gelesen und "daraus viel Mut gewonnen“.

    Er zeigte sich überzeugt, dass Unrechtssysteme durch Menschen wie Anne Frank langfristig zum Scheitern verurteilt seien: "Weil diese Ansichten offenkundig falsch sind und weil sie von Leuten wie Anne Frank herausgefordert wurden und immer werden, müssen sie zwangsläufig scheitern."

    Anne Franks Tagebuch hat weltweit Generationen von Menschen jeden Alters positiv beeinflusst, geprägt und zutiefst bewegt.

    Glaubt denn irgend jemand ernsthaft, all das wäre ohne Urheberrechte möglich gewesen...?!

    Urheberrecht zu sagen und die Lizenzbedingungen der Verwerter zu meinen ist falsch.

    Das Recht verändern zu wollen, wenn die Art, wie es durchgesetzt wird stört, ist ebenso falsch.

    Das Urheberrecht ermöglicht es, aus immateriellen Gütern eine handelbare Ware zu machen.

    Ein Musiker baut eben keinen Tisch sondern schreibt eine Melodie. Wenn wir wollen, daß er davon leben kann, dann müssen wir ihm erlauben, die Melodie ebenso zu verkaufen wie der Schreiner den Tisch.

    Dazu dient das Urheberrecht!

    Deshalb begreife ich auch nicht, woher die absurde Idee kommt, das Urheberrecht müsse überarbeitet werden. Unser Urheberrecht ist im Kern sehr einfach:

    Wer ein Werk schafft, der bestimmt über seine Verwendung!

    Was gibt es daran zu ändern?

  • Michael Teuber
    22.03.2012, 17:53

    ... wirklich gut auf den Punkt gebracht! Auch der Absatz über die Piratenpartei ist erhellend und entlarvend.

    Tolles Statement! Danke, Sven Regner

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