Frankfurt/M., 26.09.2014, 14:32  MusikWoche | Livebiz

Marek Lieberberg: "Ich fühle mich an den 'Fluch der bösen Tat' aus Schillers 'Wallenstein' erinnert"

DEAG-Chef Peter Schwenkow hatte Marek Lieberberg jüngst in einem Interview in der "Rhein-Zeitung" "Festivalinflation" und "steigende Gagen und Preise" vorgeworfen. In einem exklusiven MusikWoche-Interview wehrt sich Lieberberg nun mit deutlichen Worten. Es sei die Gegenseite, die mit zusätzlichen Festivals in den Markt dränge.

Wehrt sich gegen die Vorwürfe von Peter Schwenkow: Marek Lieberberg (Bild: Marek Lieberberg Konzertagentur) Großansicht
Wehrt sich gegen die Vorwürfe von Peter Schwenkow: Marek Lieberberg (Bild: Marek Lieberberg Konzertagentur)
MusikWoche: Konkurrenten haben in der jüngsten Zeit immer wieder Zweifel an Ihrem Festival Rock am Ring geschürt. Wie bewerten Sie diese Versuche?

Marek Lieberberg: Es ist schon erstaunlich, dass Mitbewerber offenbar so wenig über ihr eigenes Projekt zu sagen haben, dass sie sich zu Behauptungen ohne sachliche Grundlagen flüchten. Die ganze Haltung ist meines Erachtens in einer tiefen Verunsicherung über den eigenen Vorstoß begründet, traditionelle, seit Jahrzehnten bestehende Open-Air-Marken ohne erkennbare Erfahrung bei mehrtägigen Festivals frontal anzugreifen.Tatsache ist, dass es gegen Rock am Ring von Seiten der zuständigen Verbandsgemeinde Mendig, die das Festival nachdrücklich unterstützt, keinerlei Einwände gibt. Sämtliche weiteren relevanten Fragen regelt der Auflagenbescheid, analog zu allen vergleichbaren Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz, so auch beispielsweise am Nürburgring.

Ihnen wird vorgeworfen, eine Festivalinflation zu betreiben und dadurch eine Erhöhung der Eintrittspreise zu verursachen.

Wir veranstalten Rock am Ring seit 29 Jahren, Rock im Park seit 19. Das entlarvt diesen Vorwurf. Wer neue Festivals ankündigt und dabei mögliche Preissenkungen in Aussicht stellt, muss sich nicht wundern, wenn er sein Versprechen nicht einhalten kann. Über die Eintrittspreise von Rock am Ring haben wir demgegenüber noch keine konkrete Aussage getroffen.

Immer wird die angebliche Terminkollision der Festivals am ersten Juni-Wochenende zitiert. Wäre eine Entzerrung nicht vernünftiger?

Nochmals zur Verdeutlichung: Unsere beiden Festivals Rock am Ring und Rock im Park finden seit Jahr und Tag am ersten Juni-Wochenende statt. Warum sollten wir diesen Angriff auf unsere Open Airs mit einem Ausweichen beantworten? Außerdem liegen uns Aussagen und Informationen vor, dass die Konkurrenz in Wahrheit das letzte Mai-Wochenende anvisiert. Diese Entscheidung beruht jedoch nicht auf der rationalen Erkenntnis, dass eine Kollision schädlich ist. Wir vermuten, dies hat mit anderen Faktoren zu tun, die die Öffentlichkeit noch nicht kennt. Man wird sehen, wann die Katze aus dem Sack gelassen wird.

Was meinen Sie damit?

Wir wissen, dass das Münchner Olympiastadion am letzten Mai-Wochenende parallel zur Grünen Hölle für ein sogenanntes "Rockavaria"-Festival reserviert ist. Wir sehen das als Teil zwei einer Offensive, die Rock im Park in Nürnberg im Visier hat. Dazu muss man wissen, dass unser Festival ursprünglich im Münchner Olympiastadion stattfand. Es war jedoch wegen restriktiver Spielzeiten und Campingproblemen nach Nürnberg gezogen. Nicht zuletzt auch, weil ein mehrtägiges Open Air im Stadion atmosphärisch nicht den Fanbedürfnissen entsprach.

Sehen Sie hier eine Art von Rock`n´Roll-Komplott?

Das kann man schon so empfinden nach allen Störmanövern, mit denen wir in den letzten Wochen und Monaten konfrontiert wurden. Wie sollen wir dieses Verhalten anders deuten? Das ist doch so, als würden wir in Bremen oder im Kreis Steinburg Hurricane oder Wacken zeitgleich Konkurrenz ankündigen. Dazu passen auch Versuche, sich Einsicht in Verwaltungsvorgänge zu den Festivals in Mendig und Mönchengladbach zu verschaffen. Für ein gesundes Selbstbewusstsein spricht dies nicht, sondern wirkt angstgetrieben. Ich fühle mich an den "Fluch der bösen Tat" aus Schillers "Wallenstein" erinnert.

Bislang war Deutschland ein florierender Festivalmarkt. Sehen Sie dies angesichts der Entwicklung in Gefahr?

Ich gehe von erheblichen Kollateralschäden aus, bis sich die Situation wieder beruhigt. Verluste als Folge von Spekulationen sind leider oftmals das einzige Heilmittel.


Quelle: MusikWoche

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