Hersteller und Händler kritisierten Tiefstpreisaktionen
Bei der Diskussionsrunde zum Thema "Das ewige Lied vom falschen Preis" trafen Händler auf Anbieter. Beide Seiten lehnten das Verramschen von Top-Titeln als Frequenzbringer ab. Eine Lösung konnten die Teilnehmer jedoch nicht anbieten.
"Das Vergewaltigen von Margen macht für alle Seiten keinen Sinn: weder für die Anbieter von Musik- und Film-DVDs, noch für die Händler", erklärte JTV-Chef Frank Fülles. Dennoch erwartet er im Weihnachtsgeschäft weitere Preismarketingaktionen. Deren Auswirkung auf das Preisgefüge machte er mit einem Blick auf die in musikwoche.de vorgestellte Halbjahresbilanz der IFPI klar: Dort rangiert Deutschland nach Umsätzen auf Rang fünf. Nach erzielten Durchschnittspreisen, so analysierte Fülles, nimmt der deutsche Markt dagegen mit 7,70 Dollar pro verkauftem Tonträger unter den zehn weltgrößten Tonträgermärkten den letzten Platz ein. "Das Beispiel der DVD 'Herr der Ringe' war bisher der Höhepunkt", fasste Werner Heiß, Bereichsleiter Tonträger Müller, zusammen. Bei diesem Produkt hatte die Handelskette Weltbild den Preis auf 14,99 Euro gedrückt, viele andere zogen mit. Müller hielt dagegen am Preis von 19,99 Euro fest.
Ein Vorgehen, dass sich die Gruppe laut Heiß kaum noch einmal leisten könnte, ohne das Image einer teuren Apotheke davonzutragen. Heiß beklagte: "Preismarketing ist das einzige Marketing, das im Handel stattfindet." Dabei betonten beide Vertreter der Anbieterseite, keine Tiefstpreisaktionen zu fördern: "Wir wollen unseren Umsatz nicht um jeden Preis maximieren", meinte Karsten Vogt, der als Director Sales von Warner Home Video am Beispiel "Herr der Ringe" direkt beteiligt war. Als wünschenswert bezeichnete er Preise von 20 Euro für Musik- und Film-DVDs, Preise von 14,99 Euro sorgten dagegen für "psychologische Schäden". Andreas Briese, Kaufmännischer Leiter BMG Video/Universum Film, stimmte ihm zu und bezeichnete die Preisschraube im Handel als "Teufelskreis", gerade "bei Titeln mit der größten Breitenwirkung".
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