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Düsseldorf, 31.03.2017, 10:51  MusikWoche | Unternehmen

Hauschka: Unterwegs mit präpariertem Klavier

Fragt auf "What If" nach dem Wirtschaftswachstum, Bäumen oder der Lebenserwartung: Volker "Hauschka" Bertelmann (Bild: Mareike Foecking) Großansicht
Fragt auf "What If" nach dem Wirtschaftswachstum, Bäumen oder der Lebenserwartung: Volker "Hauschka" Bertelmann (Bild: Mareike Foecking)
Volker Bertelmann sorgte jüngst für Schlagzeilen, als er mit Dustin O'Halloran und dem "Lion"-Soundtrack auf die Liste der Nominees für den Oscar, den Golden Globe und den BAFTA kam. Nun veröffentlicht er als Hauschka ein neues Album.

Mit "What If", das am 31. März bei City Slang und im Vertrieb von Universal Music erscheint, lotet Hauschka erneut die treibenden und perkussiven Elemente aus, die im präparierten Piano stecken; romantische Filmmusik oder Futter für entspannte Playlisten findet sich hier nicht. Sein Herangehen an ein Hauschka-Album unterscheide sich "zu 100 Prozent" von der Arbeit an einem Soundtrack, erzählt Volker Bertelmann.

"Das sind ganz andere Voraussetzungen. Bei Hauschka bin ich sehr intuitiv, bei Filmmusik schaut man sich hingegen den Film an, redet mit dem Regisseur und muss eine gemeinsame Sprache finden." Wenn er als Hauschka arbeite, gehe er oft am Morgen ins eigene Studio, berichtet der in Düsseldorf lebende Pianist, buche sich jedoch manchmal auch anderswo ein. Für das aktuelle Album zum Beispiel bei Vox-ton von Francesco Donadello in Berlin. Dort habe man sein Set-up aufgebaut und zwei Tage lang aufgenommen. Für "What If" ein durchaus aufwändiges Unterfangen, schließlich nutzte Bertelmann für das Album neben seinem präparierten Klavier auch zwei programmierte Player-Pianos.

"Die Stücke entstehen dann in dem Raum. Ich lasse mich überraschen von dem Klavier, wie es aufgebaut ist, und welche Mikrofone wir benutzen." Dadurch "entwickeln sich sofort andere Klangfarben, mit denen ich arbeite". Ein Element sei die Vorbereitung des Klaviers, für die Bertelmann den Flügel mit Tischtennisbällen und anderen Objekten bestückt: "Hier habe ich eine Grundpräparation, die ganz gut funktioniert." Davon ausgehend aber lasse er bei Konzerten ebenso wie im Studio Veränderungen zu und baue sie ein: "Ich lasse dann die Bandmaschine laufen, oft ist das Umrüsten ein Teil des Stücks."

Beats spielten für ihn bereits früh eine Rolle: Volker Bertelmann (Bild: Mareike Foecking) Großansicht
Beats spielten für ihn bereits früh eine Rolle: Volker Bertelmann (Bild: Mareike Foecking)


Die Stücke des "Was wäre wenn"-Albums, die Fragen nach anhaltendem Wirtschaftswachstum ebenso in den Fokus rücken wie mögliche Marsreisen oder die Lebenserwartung der Menschen, entstanden fast vollständig mit dem Klavier. Bloß bei "Trees Only Exist In Books" wirkte das Alma Quartet aus Amsterdam mit und bei "Familiar Things Disappear" setzte Bertelmann einen analogen Roland-Synthesizer der Baureihe Jupiter 4 ein. "Ansonsten erzeugt das Klavier alle Rhythmen, meistens in einem Take aufgenommen."

Beats spielten für ihn bereits früh eine Rolle: Die ersten Schritte machte Bertelmann in den 90er-Jahren mit God's Favourite Dog: "Das war meine HipHop-Band, wir haben einen Vertrag bei Sony erhalten und waren sofort auf Tournee als Vorpogramm der Fantastischen Vier vor 1500 Zuschauern." Das habe Spaß gemacht, "ich stellte aber fest, dass es nicht mein Ding ist, die ganze Zeit die Leute hochzukochen." Das physische Element in seiner Musik - "Tanzen und tiefe Bässe, das mag ich unglaublich gern" - stamme noch aus dieser Zeit.



Konzertbesucher kaufen viele Alben


Die Arbeit unter dem Namen Hauschka sei somit auch die Entscheidung für jemanden, "der gleichzeitig gern tanzt und ein Computernerd ist". Sein erstes Album als Hauschka veröffentlichte Bertelmann 2004 mit "Substantial" bei Karaoke Kalk: "Damals habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass Klaviermusik für mich ganz besonders dann Sinn ergibt, wenn man noch eine Schicht draufpackt", erinnert er sich: "Wie ein Hörspiel." Bald merkte er, dass er die Nebengeräusche mit dem Klavier selbst erzeugen könne. Heute sei es "eine bewusste Entscheidung, bei einem Indie zu bleiben". Er wolle nicht "vor 35.000 Leuten das präparierte Teufelsklavier" spielen.

Vor einigen Hundert Zuschauern probierte Bertelmann nun jüngst beim Frameworks Festival in München den Aufbau mit einem Flügel und zwei Player-Pianos live aus: "Das hat gut funktioniert." Ein Album wie "What If" auf die Bühne zu bringen, erfordere aber Investitionen: "Auch vor 200 Jahren war das Musiker-Dasein eine Mischkalkulation: Man macht Sachen, die das, was man kreativ ausdrücken möchte, finanzieren."

Hievt das präparierte Klavier auf die Bühne: Volker "Hauschka" Bertelmann, hier bei einem Auftritt am Schauspiel Leipzig im Jahr 2015 (Bild: Nina Ditscheid) Großansicht
Hievt das präparierte Klavier auf die Bühne: Volker "Hauschka" Bertelmann, hier bei einem Auftritt am Schauspiel Leipzig im Jahr 2015 (Bild: Nina Ditscheid)


Ein Zuschussgeschäft sei der Münchner Auftritt zwar nicht gewesen, "aber in London spiele ich am 30. Mai im Village Underground, dahin müssen wir die Klaviere selbst transportieren, da wird es das auf jeden Fall". Vielleicht helfen die Konzertverkäufe, die Kosten wieder einzuspielen: "Im Schnitt verkaufe ich bei einem Konzert an 20 bis 25 Prozent der Besucher Platten."



Keine passende Schublade


"Wer meine Alben sucht, muss immer zum Tresen gehen", schmunzelt Volker Bertelmann auf die Frage, wo er im Plattenladen seines Vertrauens die eigenen Werke vermuten würde. Manche Händler würden Hauschka im Jazz einsortieren, andere in der experimentellen Musik. "Die beste Möglichkeit ist, wenn man mich prominent mitten in den Laden stellt." Es begeistere ihn, wenn Händler wie A&O an seinem Heimatort Düsseldorf eine LP als Empfehlung des Hauses auf dem Tresen präsentieren. "Das ist etwas ganz anderes, als wenn man eine Playlist öffnet und spätestens beim dritten oder vierten Stück nicht mehr weiß, wer der Protagonist eigentlich ist, Hauptsache, es steht Entspannung drauf."




Quelle: MusikWoche

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Produkte

  • What If von Hauschka
    Label: City Slang
    Vertrieb: Universal Music
    Auslieferung: KW 2017/13
  • Substantial von Hauschka
    Label: Karaoke Kalk
    Vertrieb: Indigo
    Auslieferung: KW 2014/06

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