Brüssel, 30.06.2016, 12:51  MusikWoche | Unternehmen
Value Gap Thema: Value Gap

Europas Musikstars beschweren sich bei Juncker über YouTube

Bekommt Beschwerdepost von Künstlern wie Helene Fischer über Kraftwerk bis zu Wolfgang Niedecken: Jean-Claude Juncker (Bild: Europäische Kommission / Jean-François Badias) Großansicht
Bekommt Beschwerdepost von Künstlern wie Helene Fischer über Kraftwerk bis zu Wolfgang Niedecken: Jean-Claude Juncker (Bild: Europäische Kommission / Jean-François Badias)
Das Value-Gap-Thema kommt nun auch in Europa in Schwung: Mehr als 1000 namhafte Künstler aus 28 Nationen fordern in einem Schreiben an Jean-Claude Juncker als Präsident der Europäischen Kommission faire Spielregeln für Kreativschaffende und Rechteinhaber anstelle der bisherigen Safe-Harbour-Klauseln. Neben Juncker richtet sich der Brief auch an EU-Kommissare wie Andrus Ansip, Günther Oettinger oder Margrethe Vestager.

Den Brief unterzeichneten auch zahlreiche deutsche Stars. Die Liste reicht von Helene Fischer über Klaus Doldinger und Kraftwerk bis hin zu Marius Müller-Westernhagen, Marteria, Modeselektor, Peter Maffay, Robin Schulz, Roland Kaiser, den Scorpions, Udo Lindenberg oder Wolfgang Niedecken. Aber auch Musiker in der ganzen kreativen Spannweite von Adel Tawil, Max Herre, Joy Denalane und Y'akoto über Andreas Bourani und Clueso oder Anne-Sophie Mutter und Matthias Goerne sowie Farid Bang und Fünf Sterne Deluxe, bis hin zu Jesper Munk, LaBrassBanda, Nicole, Nils Wülker, Santiano oder Truck Stop sind mit dabei.

Musik sei ein fundamentaler Baustein der europäischen Kultur, heißt es in einem kreativen Schulterschluss, an dem sich auch europäische Acts wie Abba, Coldplay oder Ed Sheeran beteiligen. Doch die künftige Entwicklung der Musik sei durch eine Wertschöpfungslücke gefährdet, wie sie durch Anbieter wie die Videoplattform YouTube aus dem Google-Konzern verursacht werde. Diese Plattformen - die Kreativschaffenden sprechen hier inzwischen von "User Upload Services" - würden unberechtigterweise Werte abschöpfen, die eigentlich den Künstlern, Autoren und Rechteinhabern zustehen würden: "Diese Situation schadet nicht nur den heutigen Künstlern und Songschreibern. Sie bedroht zugleich die nächste Generation der Kreativschaffenden in ihrer ganzen Vielfalt." Die Wertschöpfungslücke gefährde all die, die Musik machen, in deren Entstehen investieren oder die Rechte daran halten, und sorge für eine Störung des gesamten Musikmarkts.

Grund dafür sei, dass die sogenannten User Upload Services althergebrachte Haftungsausschlussregeln zu ihren Gunsten missbrauchten.

Angesichts der anstehenden Diskussionen um eine Reform des Urheberrechts auf europäischer Ebene sehen die Musiker nun eine einmalige Gelegenheit heraufziehen, diese Marktstörung zu beseitigen und den Einsatz von Safe-Harbour-Regeln auf ein angemessenes Maß zurechtzustutzen:

"Wir fordern Sie dringend dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, die faire Spielregeln für Künstler und Rechteinhaber sicherstellen. Denn wenn Ihnen das gelingt, stellen Sie zugleich die Zukunft der Musik für kommende Generationen sicher."

Der Brief der Musiker an Jean-Claude Juncker und seine EU-Kommissare reiht sich ein in eine seit dem Frühjahr laufende Kampagne der Kreativen und ihrer Lobbyorganisationen. Zuletzt wandte sich eine Koalition aus gut 180 Künstlern, den Branchenverbänden RIAA, A2IM und NMPA, den drei Musikmajors Universal Music, Sony Music und Warner Music, Musikverlegern wie Sony/ATV, Warner/Chappell oder Kobalt und Verwertungsgesellschaften wie ASCAP oder BMI in einem offenen Brief an den US-Kongress und kritisiert darin die Entwicklung im Digitalmarkt.

Koordiniert wurde die europäische Unterschriftenaktion nun durch den Londoner IFPI-Dachverband und seine nationalen Ableger wie den Bundesverband Musikindustrie (BVMI) sowie durch die Impala-Dachorganisation der europäischen Indieverbände wie dem deutschen Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT).


Quelle: MusikWoche

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