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München, 13.05.2015, 12:44  MusikWoche | Medien

Apropos: Seniorensänger und YouTube-Sperrtafeln

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Singen bleibt erlaubt: Manfred Gillig-Degrave  
Tagelang erhitzte ein Bericht der "Schleswiger Nachrichten" (SN) die Gemüter, die GEMA ­habe von einem Seniorenkaffeekränzchen Gebühren fürs Singen von Volksliedern gefordert; es ging um 24,13 Euro. Laut SN befürchteten ein paar ältere Damen und ein älterer Herr "horrende Nachzahlungen"; die Regionalzeitung behauptete: "Die GEMA-Tarifstruktur führt landesweit immer wieder zu Problemen."

Und schon brach in sozialen Medien wieder eine Mini-Epidemie des berüchtigten GEMA-Bashings aus, obwohl die GEMA den Sachverhalt schnell richtig stellte. Kindergärten, Weihnachtslieder und jetzt auch noch Seniorensänger - man staunt immer wieder über den demagogischen Schwachsinn, den man in manchen Presseorganen liest und den Leute in Filter-Bubbles wie die EU-Piratenpredigerin Julia Reda dann ganz gern als Zutat für ihr eigenes Süppchen aufgreifen.

Interessantes Detail am Rand der Marginalie: Die Gastgeberin des Senioren-Singkreises ist Immobilienmaklerin und vermittelt auf ihrer Webseite nicht gerade den Eindruck einer in ­Finanzdingen hilflosen Person - doch mit der GEMA über eine Rechnung von 24,13 Euro zu reden, um die Sache schnell vom Tisch zu haben, kam ihr nicht in den Sinn.

Zum Glück gibt es auch andere, und zwar relevantere Nachrichten: Das Oberlandesgericht München hat in zweiter Instanz die infamen Sperrtafeln von YouTube als ­unlauter und wettbewerbswidrig eingestuft; Revision ist nicht zugelassen. Nun wird es höch­ste Zeit, dass YouTube - eine Abteilung des Google-Konzerns, der 2014 rund 66 Milliarden US-Dollar (rund 59 Milliarden Euro) Umsatz machte - auf die Sperrtafeln verzichtet, die böse Stimmung gegen die legitime Interessenvertretung der Urheber schüren, und stattdessen mit der GEMA ernsthaft über eine angemessene Vergütung für die Rechteinhaber verhandelt.

Schließlich ist You­Tube weder Seniorentreff noch Kätzchenclub, sondern das größte Musikstreamingportal.

Manfred Gillig-Degrave

Chefredakteur MusikWoche

manfred.gillig@musikwoche.de


Quelle: MusikWoche

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