Superbanner
 
München, 29.01.2015, 14:47  MusikWoche | Medien
Kreativität schützen Thema: Kreativität schützen

Apropos: Beihilfe zur künstlerischen Vergewaltigung

Ziemlich fassungslos: Manfred Gillig-Degrave Großansicht
Ziemlich fassungslos: Manfred Gillig-Degrave  
Björk sah sich gezwungen, die digitale Veröffentlichung ­ihres neuen Albums "Vulnicura" vorzuziehen, nachdem man sich die Songdateien schon über illegale Seiten im Netz runterladen konnte. Der nicht gänzlich unprominente TV-Moderator Jan Böhmermann lud mal eben ein Foto in seinen Twitter-Account, ohne den Urheber zu fragen, und reagiert beleidigt und diffamierend, weil er daraufhin zahlen musste. Und eine Piratenpolitikerin will das Urheberrecht in der EU reformieren. Diese Urheber stören doch wirklich an allen Ecken und Ecken.

Nun sah sich also Björk gezwungen, die digitale Veröffentlichung ­ihres neuen Albums "Vulnicura" vorzuziehen, nachdem man sich die Songdateien schon über illegale Seiten im Netz runterladen konnte. Man könnte fragen, ob ein solches Leak nicht auch ­Promotion für die Künstlerin ist. So in etwa läuft ja immer der Selbstrechtfertigungsreflex der Selbstbediener ab, von denen manche vermutlich sogar ­annehmen, dass das Management eines Künstlers selbst die Leaks fabriziert, um die Medienresonanz zu erhöhen.

Auch von ­Madonnas Album "Rebel Heart" tauchten schon frühzeitig Songs im Internet auf, worauf Madonna von "künstlerischer Vergewaltigung" sprach. Und genau darauf läuft es hin­aus: Künstler, Urheber, Komponisten und Textdichter, aber auch Fotografen, Maler, Arrangeure und andere Kreative müssen selbst - oder zumindest in Absprache mit ihrem Management, ihrem Label, ihrem Musikverlag, ihrem Agenten - entscheiden können, über welche Kanäle, mit ­welchen Mitteln und zu welchen Bedingungen sie ihre Produk­tionen unters Volk bringen. Und auch die Entscheidungsbefugnis, ob sie die Ware verschenken oder verkaufen, muss allein bei ihnen liegen und nicht bei ­irgendwelchen Internetplattformen oder selbsternannten Verbraucherschützern.

In diesem Kontext mutet es geradezu ­grotesk an, dass ausgerechnet eine von SPD und Grünen als EU-­Berichterstatterin vorgeschlagene Piratenpolitikerin wie Julia Reda einen Entwurf zum europäischen Urheberrecht vorlegt, der alte Piratenthesen ausgräbt und, sollte es denn zur Umsetzung dieser argumentativen Zombies kommen, letztlich Beihilfe zur künstlerischen Vergewaltigung leisten wird.

Und weil es immer noch grotesker geht, lädt der nicht gänzlich unprominente TV-Mensch Jan Böhmermann mal eben ein Foto in seinen Twitter-Account, ohne vorher den Urheber zu fragen, und reagiert dann auch noch beleidigt und diffamierend, weil er daraufhin zur Kasse gebeten wird - mehr dazu: hier. Mannomann, Herr Böhmermann ...

Manfred Gillig-Degrave

Chefredakteur MusikWoche

manfred.gillig@musikwoche.de


Quelle: MusikWoche

Mit einem Abo können Sie diesen Artikel kommentieren.


Mehr News zu Medien

Musikwoche.Daily

MusikWoche.daily

Unser kostenloser Newsletter informiert Sie täglich über die Geschehnisse der Musikbranche.

KOMMENTARE

  • Noch kein Kommentar vorhanden.

Mehr zum Thema

Produkte

Musikcharts

Unser kostenloses Angebot

 
Sky_right