London/Feldkirchen, 18.06.2004, 16:19  MusikWoche

Apple: iTunes Music Store startet durch

Am 15. Juni öffnete der iTunes Music Store von Apple seine ersten europäischen Filialen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Unternehmenslenker Steve Jobs stellte die neuen Läden persönlich vor.

Für die Künstler, gegen Piraterie: Steve Jobs in London
Für die Künstler, gegen Piraterie: Steve Jobs in London  
Alles eine Frage des Timings: Lange sah es so aus, als würden sich die Verhandlungen mit den europäischen Lizenzgebern endlos hinziehen und damit die Fortsetzung der iTunes-Erfolgsstory in der Alten Welt bis in den Herbst hinein verschleppen. Doch nachdem die neuen Downloadshops fast im Wochentakt ans Netz gehen und sich mit SonicSelector von OD2 und Connect von Sony zwei weitere potente Betreiber ins Business mit Soundfiles stürzen, fiel der Startschuss für den Apple-Shop nun doch schneller als erwartet - auch wenn dadurch noch viele Lizenz- und Repertoirefragen ungeklärt bleiben.

Bei seiner Präsentation in London steckte Steve Jobs jedenfalls den Claim ab, bevor sich etwaige Mitbewerber auf den drei wichtigsten europäischen Märkten Großbritannien, Deutschland und Frankreich, die zusammen 62 Prozent der europäischen Musikverkäufe erreichen, allzu sehr ausbreiten. Ein paneuropäischer Music Store in englischer Sprache soll im Oktober folgen. Dabei sieht Jobs Sony oder OD2 zwar als Mitbewerber, aber nicht als Konkurrenten: Denn mit bislang 85 Mio. verkauften Songs habe iTunes im Internetgeschäft mit Musik in den USA einen Marktanteil von 70 Prozent, am Gesamtmarkt einen Anteil von sieben Prozent; bei den Abspielgeräten habe der iPod von Apple im März 2004 einen Marktanteil von 52 Prozent erreicht - trotz der vielen preisgünstigeren Geräte von der Konkurrenz.

"Die eigentlichen Mitbewerber sind nicht OD2 oder Sony, sondern die Musikpiraten", sagte Jobs. Und weil das beste Mittel gegen Piraten ein einfach zu bedienender legaler Downloadladen wie der von Apple sei, bei dem auch die Preise stimmen, so Jobs, kosten einzelne Songs im Music Store 99 Euro-Cent inklusive Mehrwertsteuer, die meisten Alben gibt es für 9,99 Euro. In UK liegen die Preise bei 79 Pence und 7,99 Pfund. "Die Leute wollen ihre Musik besitzen, nicht ausleihen", sagte Jobs, der zudem betonte: "Wir machen das alles nur deshalb, weil wir Musik lieben. Am Ende geht es nur um die Künstler."

Davon zeigte sich wohl auch Alicia Keys überzeugt, die sich auf der Veranstaltung als iPod-Besitzerin outete und einen Song exklusiv dem iTunes Music Store widmete. Über die Lizenzverträge, die der Preisstruktur zugrunde liegen, hüllte man sich bei Apple auf Nachfrage von musikwoche allerdings in Schweigen. So bleibt zunächst offen, ob die mechanischen Rechte zentral über eine europäische Urhebergesellschaft - und über welche - abgerechnet werden und ob man sich tatsächlich auf acht Prozent geeinigt hat. Immerhin hieß es, der Music Store habe den Break-even erreicht.

Apple startet nach eigenen Angaben mit einem Repertoire-Umfang von rund 700.000 Titeln, darunter 12.000 Klassik-Tracks. Auch Musikvideos seien zunehmend Teil des Angebots, sagte Jobs. Alle drei Filialen bieten nationale Schwerpunktthemen an: Für Deutschland sind exklusive Tracks von Herbert Grönemeyer, Rosenstolz oder Seeed erhältlich. Die deutsche Apple-Dependance in Feldkirchen bei München begleitete den Start des Music Stores mit einer Werbekampagne.

Quelle: MusikWoche

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