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Berlin, 26.06.2007, 14:00  MusikWoche

Phonowirtschaft reformiert Charts-Regelung

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Neue Regeln: Peter Zombik  
Ab Mitte Juli sollen auch Musiktitel, die nur als Download erhältlich sind, in die Berechnung der offiziellen deutschen Singlecharts einfließen. Mit Bezug auf kartellrechtliche Fragen stellt die Phonowirtschaft das Charts-System für Singles und Alben zudem auf eine wertbasierte Berechnung um.

Mit der Berücksichtigung von Digital-Only-Releases trage die Musikwirtschaft der wachsenden Bedeutung des Downloadmarktes für das Musikgeschäft Rechnung, heißt es aus Berlin. "Verbraucher, Medien und Marktpartner erwarten, dass die Charts ein reales Abbild des Musikmarktes liefern", erklärt dazu Peter Zombik, Geschäftsführer der Deutschen Phonoverbände. "Um die Gleichbehandlung von Tonträgern und Downloads zu gewährleisten, werden künftig auch Titel, die nur als Download verfügbar sind, für die Charts gezählt."

Als Stichtag für die neue Zählweise nennt der Verband den 13. Juli. Zu diesem Zeitpunkt werden alle Titel gezählt, die bis zum 6. Juli von den Labels bei den Chartsermittlern von media control gemeldet wurden. Erstmals könnten dann reine Online-Veröffentlichungen in den am 23. Juli erscheinenden Charts zu finden sein. Die Anmeldung der Musiktitel soll auch über PhonoNet funktionieren. Bisher wurden Musikdownloads nur dann für die Charts berücksichtigt, wenn der Titel auch auf Tonträgern erhältlich war.

Parallel zur Aufnahme von Digital-Only-Releases sollen die deutschen Charts künftig auch die Umsätze abbilden, die mit dem Verkauf der Musikprodukte erzielt wurden. Das neue System sei in "Absprache mit dem Kartellamt" entwickelt worden, heißt es aus Berlin. Hintergrund sind offenbar von der Firma motionFX/Radar Music bei den Kartellwächtern angemeldete Bedenken, ob die bisherigen Kriterien zur Charts-Ermittlung mit geltendem Wettbewerbsrecht vereinbar seien. Konkret geht es dabei um den Passus 4.4 des bisherigen offiziellen Charts-Regelwerks, wonach Produkte, deren Händlerabgabepreise vorgegebene Mindestgrenzen unterschreiten, nicht für die Charts-Ermittlung gezählt werden.

Als Basis der künftigen Ermittlung des Chartsranges eines Titels soll der aus dem Produkt von Verkaufsmenge und Verkaufspreis gebildete Verkaufswert dienen. Eine Höchstpreisgrenze von 100 Euro, mit der ein Produkt in die Berechnung einfließt, soll verhindern, dass einzelne hochpreisige Angebote die Repräsentativität der Charts verzerren. Allerdings fließt künftig nicht jeder umgesetzte Euro in die Charts-Statistik ein. So werden beispielsweise die Verkaufswerte von physischen CD-Singles durch den Wert 2,3 - der durchschnittlichen Anzahl der darauf enthaltenen Tracks - geteilt. Für die Gruppe der Maxi-Singles beträgt der Wert 4,2, für digitale Single-Bundels ebenfalls 2,3.

Eine detaillierte Systembeschreibung hat der Bundesverband auf seiner Internetseite im Bereich Charts/Chartsreglement veröffentlicht.


Quelle: MusikWoche

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