Universal Music Domestic Rock/Urban (UDR)

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Schall und Wahn

Tocotronic

Schall und Wahn Großansicht
Interpret(en) Tocotronic
Label Vertigo / UDR
Vertrieb Universal
Format 1 CD (Longplay)
Genre Rock & Pop
Produktionsland Deutschland
Auslieferung KW 2010/03
Bestellnummer 272 965-4
EAN-Code
0602527296548
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Top-100 Longplay Deutschland


Woche KW 2010/12KW 2010/11KW 2010/10KW 2010/09KW 2010/08
Rang 7666483118
Höchste Position: Rang 1 in KW 2010/06
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Label Vertigo / UDR
Vertrieb Universal
Produktionsland Deutschland Deutschland
Bestellnummer 272 965-4
EAN-Code
0602527296548
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Genre Rock & Pop
Format 1 CD (Longplay)
Auslieferung KW 2010/03
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Interpret(en) Tocotronic
nach oben MusikWoche-Kritik

Mit dem neunten Studioalbum präsentiert das Quartett den krönenden Abschluss seiner Berlin-Trilogie. "Schall und Wahn" übertrifft die beiden Vorgänger, "Pure Vernunft darf niemals siegen" (2005) und "Kapitulation" (2007), lässig. Denn hier begeistern Tocotronic mit zwölf Songs, die inhaltlich ambivalent daherkommen und vielleicht gerade deshalb auf den Punkt treffen.

Tocotronic bleiben sich auf "Schall und Wahn" im besten Sinn des Wortes treu und machen doch wieder alles ganz anders. War ihr letztes Album, "Kapitulation", inhaltlich vor allem eine Auseinandersetzung mit den großen Themen der Gegenwart, so beschäftigt sich die Band aus Hamburg diesmal auf deutlich ambivalentere Weise mit den Abgründen der menschlichen Seele und pendelt zwischen Neid, Feigheit, Gier und Liebe.

Eingespielt wurden die zwölf Songs erneut in Berlin unter der bewährten Regie von Moses Schneider, der Tocotronic alle nötigen Freiheiten gewährte, die Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Rick McPhail und Arne Zank perfekt nutzten. In Stücken wie "Ein leiser Hauch von Terror", "Die Folter endet nie" oder dem mit einer einschmeichelnden Melodie aufwartenden Titelsong überzeugt die Formation mit aufwühlenden Gitarrensounds, packenden Rhythmen und zum Teil ausufernden Improvisationen.

Doch das ist nur eine Seite von Tocotronic. Denn die Band beherrscht auch die leisen Töne perfekt, wie zum Beispiel in den Titeln "Das Blut an meinen Händen" und "Im Zweifel für den Zweifel", die sie mit sanften Streicherklängen veredelt. Und mit "Mach es nicht selbst" ist Tocotronic sogar noch ein richtiger Hit gelungen. Da ist jede Gegenwehr zwecklos.

Norbert Schiegl

Quelle: musikwoche.de

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Im tocotronischen Universum ist ein Fieber ausgebrochen.

Es ist glühend, ansteckend und bringt das Bewusstsein unaufhaltsam durcheinander. Außerdem und im besten Fall kann es zu wahnhaften Zuständen führen. Denn das Gebot des neuesten Tocotronic-Albums lautet: Nicht zur Besinnung kommen! Sondern im Gegenteil: Sich reinsteigern! Bis man die Bodenhaftung verliert.

"Schall und Wahn" ist nach "Pure Vernunft darf niemals siegen" und "Kapitulation" das letzte Album der "Berlin-Trilogie" und ein entfesselter Aufbruch in ein neues Jahrzehnt.

In zwölf hell und finster leuchtenden Liedern entwerfen Tocotronic eine wahrhaft infernalische Welt, die von Liebe und Verbrechen beherrscht wird, vom Guten wie dem Bösen. Sie erzählen von der Ambivalenz des Schmerzes und von wohlbekannten Lastern wie Neid, Feigheit und Gier.

Selbst die Konventionen des Lovesongs haben Tocotronic mit ihrem schönen Gift infiziert. Denn Liebe ist hier weder rettendes Glücksversprechen, noch schmerzhaftes Scheitern. Die neue Tocotronic-Liebe ist vielmehr eine ungestüme und zerstörerische, aber gleichzeitig kreative Kraft.

Ja, wirklich, die Blumen des Bösen wachsen hier in den prächtigsten Farben.

Doch wer glaubt, Tocotronic habe sich in eine Welt shakespear'scher Tragödien oder gar in die moralischen Abgründe exzentrischer Dandys geflüchtet, irrt. Wenn auch das neue Album entschieden weniger gegenwartsdiagnostisch klingt als die Manifest-Platte "Kapitulation", so beschreibt es doch keineswegs eine Flucht ins Private. Schließlich liegen in den tocotronischen Überschreitungen nur allzu wahre Erkenntnisse über die Verstrickung von Liebe und Macht und den neurotischen Überschuss von Gefühlen. Oder auch über die ganz alltäglichen gesellschaftlichen Anrufungen und inneren Dämonen, denn

die Folter endet nie.

Aufgenommen wurde "Schall und Wahn", wie schon die beiden Vorgängerwerke, zusammen mit dem Produzenten Moses Schneider in Berlin. Dieser experimentierte wie ein "mad professor" mit den Möglichkeiten eines erweiterten Raumklangs, was der Platte eine geradezu cinemascope-hafte Größe verleiht. Live eingespielt, wurden die Songs von den fließenden Streicherarrangements des Komponisten Thomas Meadowcroft noch zusätzlich ausgedehnt. Und Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Rick McPhail und Arne Zank präsentieren sich als Band geschlossener und eingeschworener denn je.

Mitunter hat man wirklich das Gefühl, dieser Rock spiele sich wie von selbst. So gibt es viel Raum für Improvisationen, delirierende Instrumentalstrecken, elegant donnernde Rhythmen und aufwühlende Gitarrengewitter.

Auch wenn in alter Tocotronic-Tradition wieder einige Verneinungsformeln proklamiert werden, ist die Zeit der Gewissheiten vorüber. Zumindest wird "Im Zweifel für den Zweifel" als emotionale Wahrheit der Stunde besungen.

"Schall und Wahn" ist Tocotronics bisher heftigste Propagierung von Zwischenstufen, Ich-Auflösung und Vielheit. Es ist ein loderndes Zwitterwerk - hin-und hergerissen zwischen gesellschaftlichem Statement und individuellem Spleen, zwischen klassischer tocotronischer Negation und Überwindung derselben, zwischen kreativem Akt und Zerstörung, Wach-Sein und der Sprache des Unbewussten.

Doch vor allem haben Tocotronic ein Album über Musik gemacht.

Über die Kraft des Schalls...zu erklingen, sich auszubreiten und uns fort zu tragen, dem "Flug der Töne" zu folgen, wohin auch immer.

Quelle: Universal

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    Titel der Audiodatei
    Schall und Wahn
    Tocotronic
    Rock & Pop


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