Gute Reise

Ich+Ich



Gute Reise Großansicht
Interpret(en) Ich+Ich
Label Polydor / UDP
Vertrieb Universal Music
Format 1 CD (Longplay)
Genre Rock & Pop
Produktionsland Deutschland
Auslieferung KW 2009/46
Bestellnummer 272 416-7
EAN-Code
0602527241678
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Edelmetall 3-fach Platin3-fach Platin3-fach Platin1-fach Gold
Label Polydor / UDP
Vertrieb Universal Music
Produktionsland Deutschland Deutschland
Bestellnummer 272 416-7
EAN-Code
0602527241678
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Genre Rock & Pop
Format 1 CD (Longplay)
Auslieferung KW 2009/46
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Interpret(en) Ich+Ich
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"Du bist das Pflaster für meine Seele, wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle. Es tobt der Hass da vor meinem Fenster." Mit solchen Sätzen wartet "Pflaster" auf, der Einstiegs-Track zum dritten Album von Ich+Ich und die erste Single. Ein Lieblingslied ohne Zweifel, aber eins, das der tausendfach in der Popmusik durchdeklinierten Thematik schon im Text neue Facetten abgewinnt. Mit wohlfeilen Wortbausteinen und Klischees gehen Annette Humpe und Adel Tawil eben auch diesmal nicht hausieren. Eher schon mit eigenwilligen Sprachbildern, die zunächst seltsam schräg wirken, die man aber so schnell nicht mehr vergisst - "Pflaster - Hass da"? Jesses! Aber es wirkt.

Und so singt Annette Humpe in "Die Lebenden und die Toten" selbst, und zwar einen Refrain, der typisch ist für ihre ganz spezielle Handschrift: "Und ich denk an die vom Aussterben bedrohten. Ich denke an die Lebenden und an die Toten. An alle, die Propheten warn für mich. Und immer wieder denk ich an dich." Aussterben - Tote - Propheten, was für eine Assoziationskette. Das sind nicht unbedingt Sätze, die man auf einem Album erwartet, das als potenzieller Millionenseller an den Start geht.

Die Songtexte auf dem dritten Album von Ich+Ich sind fast alle von Nachdenklichkeit und Melancholie, wenn nicht gar von Bitternis und Verzweiflung geprägt. So singt Adel Tawil in "Hilf mir": "Hilf mir, ich fall immer tiefer runter. Hilf mir, siehst du nicht, ich geh schon unter." Eigentlich sollte man erwarten, dass solche Lieder den Hörer in tiefste Depressionen stürzen. Doch die musikalische Verpackung sorgt dafür, dass die seelische Balance nicht aus dem Ruder läuft. Diese Musik sorgt zum Beispiel dafür, dass "Hilf mir" mit seinem wirbelnden Beat zum kraftvollen, tanzbaren Appell wird (eine weitere potenzielle Hitsingle). Wohl wahr: Vieles auf diesem Album segelt hart am Kitsch vorbei, vieles ist zum Heulen sentimental, aber alles ist grandios in Szene gesetzt. Ganz großes Kino eben.

Da heißt es zum Beispiel im bedingungslosen Liebeslied "Was wär ich ohne dich", das mit schweren Keyboards und klassisch strengen Akkordfolgen an Bach erinnert: "Was wär ich ohne dich, ein Segelschiff aus Stein. Was wär ich ohne dich, ein Blatt im Wind allein. Was wär ich ohne dich, nur Regen überm Meer. Was wär ich ohne dich, ein Brunnen kalt und leer." Starke Humpe-Bilder auch hier - und ein Sänger Adel Tawil, der all das überzeugend rüberbringt und erwachsener denn je die Stimme von Ich+Ich ist. Noch eine Kostprobe? Bitte sehr: "Hallo, mein Name ist Verlierer, und ich sitze in der allerletzten Reihe ganz hinten. Ich weiß nicht genau, was los ist, was ich anfang, geht schief und alle Schiffe sinken." Dem Adel nimmt man das ab, der sich trotz des Ruhms allem Anschein nach seine natürliche Freundlichkeit und Offenheit bewahrt hat.

Ihr zweites Album, "Vom selben Stern", ist mit 1,25 Millionen verkauften Exemplaren nach Herbert Grönemeyers "Mensch" die erfolgreichste deutschsprachige Produktion seit der Jahrtausendwende. Ob Annette Humpe und Adel Tawil mit "Gute Reise" neue Rekorde setzen, bleibt abzuwarten. Aber sicher ist schon jetzt, dass das neue Werk wieder als Meilenstein gelten kann. Und das liegt natürlich nicht nur an den Texten, sondern vor allem auch an der Musik.

Mindestens fünf potenzielle Hitsingles finden sich unter den zwölf Tracks der Basisversion. "Pflaster" ist als erste Auskoppelung die optimistischste Nummer des Programms; mit opulenter Orchestrierung, mit Bläsern und satten Basslinien hat sie den Drive und die Spannung eines James-Bond-Titelsongs. Ebenfalls unwiderstehliche Ohrwürmer und als Singles vorgesehen sind "Einer von zweien" und "Universum" mit seinem gewaltigen Refrain. In "Universum" geht es um einen Abschied, jemand zieht hinaus in die Welt - und passend dazu schaltet die Musik mit flirrenden Streichern, mit keltischen und mediterranen Elementen in den Ethnomodus, zum hymnischen Ende hin fehlen nur noch die schottischen Dudelsäcke.

"Einer von zweien" liefert den abgrundtief traurigen und zum Heulen schönen Gegenpol zu "Universum". Dieser Song ist Annette Humpes Favorit, und je öfter man ihn hört, desto besser versteht man das - und zieht den Hut vor so viel depressiver Schönheit: "Der Andere hängt an niemand so wie ich an dir." Aber wie heißt es in "Universum"? "Ein Jahr vergeht wie ein Moment." Bei Ich+Ich findet sich immer auch ein tröstliches Moment.

Und dann wäre da noch "Stein". Diese vom Orgelsound und sattem Bassfundament geprägte Mitternachtsballade ist schlichtweg ergreifend. Tawil singt: "Da ist ein Stein auf meinem Herzen. Der liegt da schon so lange wie in Grönland der Schnee. Der liegt da schon so lange und tut überhaupt nicht weh."

Fazit: Produzentin Humpe zauberte einen hochinfektiösen Cocktail aus Keyboards und Elektronik, schwelgerischen Streichern und urbanen Rhythmen. Wie sich zum Beispiel "Die Lebenden und die Toten" vom Elektropop-Anfang zum Breitwandsound mit großem Orchester entwickelt und dabei ein Streichermotiv hypnotische Macht entfaltet, das ist einfach exzellent. Und so entdeckt man mit jedem Hören neue Details und Facetten, die den Genuss steigern. Auch das ist vermutlich typisch für Ich+Ich: Anfangs hört es sich "nur" an wie gute Popmusik, doch peu à peu entfalten sich in der Produktion immer neue Attraktionen. Und genau dadurch sollte sich gute Popmusik auszeichnen. Auch "Gute Reise" wird sich deshalb zum Megaseller entwickeln.

Lediglich das swingende Lied "Danke", mit dem Annette Humpe den vielen Menschen da draußen, die vermutlich auch dieses neue Ich+Ich-Album lieben werden, Tribut zollt, wirkt in diesem Kontext ein wenig deplatziert. Und - so viel Kritik muss sein - der in "Universum" zitierte "Mariannengraben" heißt Marianengraben, es sei denn, es handelt sich hier um eine besonders subtile Stichelei gegen eine Frau namens Marianne ...

Nach dem optimistischen Auftakt mit "Pflaster" gerät der Schluss wieder vergleichsweise versöhnlich. So heißt es im Stück "Alleine tanzen", das zeitlose Slow-Blues-Qualitäten hat: "Änder deinen Kurs, flieg in meine Richtung. Sei mein Komet. Solange die Musik noch spielt, ist es nicht zu spät." Und der orientalische Schlusstitel "Yasmine", in dem der ägyptische Sänger Mohamed Mounir als Gast auftritt, ist Adel Tawils uneingeschränkt poetische Liebeserklärung an seine Freundin. Ende gut, alles gut. Solange diese Musik noch spielt, ist es nicht zu spät.

Die Deluxe-Version mit DVD enthält sechs Livesongs, ein Interview sowie den Film "Unterwegs und im Studio". Manfred Gillig-Degrave

Quelle: musikwoche.de

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Die große Fahrt geht weiter. Rund viereinhalb Jahre nach ihrem Debütalbum setzt das Berliner Duo Ich+Ich eine nächste Zäsur in ihrem kontinuierlichen Produktionsprozess. Trotz stetiger Live-Präsenz lief die Sound- und Songarbeit seit der letzten Platte "Vom Selben Stern" im Sommer 2007 ohne Kunstpausen weiter. Die einzigartige Band-Konstellation von Ich+Ich macht es möglich.

"Da ich mich von Beginn an vom Tourbetrieb freigesprochen habe, konnte ich einfach weiter an den Songs arbeiten", sagt Annette Humpe. "Mal abgesehen von meinen Aufgaben und Pflichten als Mutter." Sänger und Frontmann Adel Tawil ergänzt: "Unser drittes Album ist für mich eine Symbiose aus Live und Studio. Meine Stimme hat sich durch die vielen Auftritte weiterentwickelt. Sie ist rauer und ein Stück weit auch erwachsener geworden. Das haben wir in das Album mit eingebracht. Wenn auch unbewusst und ohne jede festgelegte Konzeption."

Als Ich+Ich seinerzeit noch namens- und masterplanlos ihr musikalisches Projekt starteten, hätte wohl niemand - am wenigsten sie selbst - damit gerechnet, welche außerordentlichen Erfolge ihre "odd-couple-Formation" einmal erzielen würde. Mit über 1.25 Millionen verkauften Tonträgern und drei Gold- bzw. Platin-Singles in direkter Folge, haben Ich+Ich das erfolgreichste deutsche Popalbum der Jetztzeit produziert. Und dass ohne großen Rummel oder gar medienträchtiger Skandale und Skandälchen. Sie sind einfach nur Musik. "Dazu kommt sicherlich, dass Annettes emotionale Texte ein wirklich breites Publikum erreichen", ergänzt Adel Tawil. "Und wie ich aus vielen Live-Begegnungen weiß, sind die Leute wirklich berührt. Das geht durch alle Gesellschaftsschichten. Von Teenies bis zu alten Ideal-Fans. Wir sind ja nie als Jugendkultur-Ding angetreten, das schwer progressiv und Avantgarde sein wollte. Wir waren und sind Pop. Und irgendwie hat diese Formel ein nachhaltiges Publikum gefunden."

12 Songs haben sich schließlich aus diesem Arbeitsprozess für die finale Version von "Gute Reise" herauskristallisiert. "Im Studio entsteht mit Adel Tawil, Florian Fischer und Sebastian Kirchner daraus ein lebendiges Gebilde. Mal sitzt die ursprüngliche Variante nach wenigen Takes. Mal ringen wir um jede Strophe." Die von Adel Tawil angesprochenen Live-Erfahrungen äußern sich in sorgfältig reduzierten Episoden. Lebens- und Liebes-Erfahrungen sind auf diese Weise in dichten (Sound)Bildern verwoben. Vom eher opulenten "Es tut mir leid" bis zur verhaltenen Slow-Waltz-Variante "Alleine Tanzen" haben Ich+Ich sehr sorgfältig auf Feinheiten geachtet, ohne in einen angeberischen Manierismus zu verfallen. "Natürlich sind wir akribische Arbeiter, das ist ja bekannt", betont Annette. "Aber dabei haben wir stets die Pop-Komponente im Sinn." Augenfällig (weil aus dem "flow" fallend) sind die beiden Songs "Danke" und "Die Lebenden und die Toten", in denen Annette Humpe das Mikrophon übernimmt. Mal abgesehen von der jugendlichen Frische und Unbekümmertheit, die ihre Stimme ausstrahlt, ist es die Themenwahl, die aus dem Ich+Ich-Sujet herausragt: "Danke" ist eine fast schon euphorische Hymne an die sprichwörtlichen kleinen Leute, die täglich ihren beschwerlichen Job schieben. Krankenschwestern, Müllmänner, TaxifahrerInnen... "Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen", sagt Annette Humpe zu ihrer Version der "Fanfare to the common man."

Es ist wohl eine Konzeption der größtmöglichen Freiheit innerhalb einer festen Formation, die Ich+Ich so herausragend machen. Adel Tawil sagt, er sei "100% Ich+Ich" und hat gleichzeitig mit Cassandra Steen ("Stadt") einen Nummer-Zwei-Dauerhit in den deutschen Charts. 2007 konnte er gemeinsam mit Rapper Azad im "Prison Break"-Titelsong gar Platz Eins erringen. "Das sind mehr oder weniger Glückstreffer", wiegelt er ab, "entstanden aus der Zusammenarbeit mit Musikern, die ich schätze. Als diese schließlich so abgegangen sind, war ich längst wieder mit Ich+Ich auf Tour." Wenn Annette eher nebenbei erzählt, dass sie wiederum an einem Jazzalbum arbeitet, das auf einem spezialisierten Indielabel erscheinen wird, merkt man einmal mehr, dass hier wahre MusikerInnen sprechen, die sich zwar POP auf die Fahnen geschrieben haben. Die aber auf die Untiefen und den überkommenen Lebens- und Verhaltensstil althergebrachter Popstars getrost verzichten können."

Auch 2009 haben Ich+Ich das Spektrum der Popmusik mal wieder ein Stück weit vorangebracht. Mehr kann man in Zeiten dauernder Retro-Bewegungen eigentlich nicht verlangen.

Quelle: Universal

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