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Frankfurt, 29.10.2018, 16:08  GamesMarkt | Märkte
Thema: #eSports

DOSB lehnt Games als Sport ab und distanziert sich vom Begriff eSports

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Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat ein Positionspapier zum Thema eSport veröffentlicht. Darin folgt der DOSB in der Schlussfolgerung dem Internationalen Olympischen Committee (IOC), das im Juli erklärte, von einer Anerkennung des eSports derzeit abzusehen. In seiner Argumentation folgt der DOSB jedoch einer eigenen Logik. Und die lässt keine Kompromissbereitschaft erkennen und stellt lediglich eine Anerkennung von einzelnen Spielen in Aussicht; wohl auch weil einige Mitgliedsverbände des DOSB dem eSport aufgeschlossener gegenüberstehen.

Im Detail fußt die Positionierung des DOSB auf die Ergebnisse, die von einer Arbeitsgruppe zusammengetragen wurden. Diese hatte Schwerpunkte und Argumente für vier Szenarien zusammengeführt. Die vier Szenarien waren:

A) Aufnahme von eSport in die Strukturen des Sports

B) Zukunftsorientierte Verbandsentwicklung mit Blick auf neue, virtuelle Sportangebote

C) Zeitgemäße Jugendarbeit und eine Erweiterung des Handlungsspielraums des Vereinssports

D) Begründete Ablehnung von eSport

Ein zentraler Punkt der DOSB-Position ist, dass die Verwendung des Worts Sport im eSport nicht zielführend sei, weil der Begriff eSport eine "breite Palette höchst unterschiedlicher virtueller Angebots- und Spielformen mit Wettkampfcharakter" repräsentiert. Der DOSB führt deshalb für sich eine künstliche Unterscheidung in "elektronische Sportartensimulationen" bzw. "virtuelle Sportarten" auf der einen und "eGaming" auf der anderen Seite ein. Man könnte auch sagen: Der DOSB unterscheidet in aus seiner Sicht gute Spiele und schlechte Spiele. Gut ist nur, was eine existierende Sportart simuliert. Ausdrücklich weißt der DOSB die vom eSport-Bund Deutschland vorgeschlagene Definition zurück, wonach "eSport das sportwett-kampfmäßige Spielen von Video- bzw. Computerspielen, insbesondere auf Computern und Konsolen, nach festgelegten Regeln" sei.

Dass der DOSB gleichzeitig beschließt, den Begriff eSport nur noch in Anführungszeichen zu verwenden, ist zwar konsequent, verrät jedoch viel über die Grundhaltung gegenüber dem eSport, den es unter diesem Namen bereits seit mehr als zwei Jahrzehnte gibt. Verstärkt wir der Eindruck durch die Arumentationslinie, die der DOSB gegen den eSport fährt. Unter dem Punkt "Chancen und Risiken von eGaming" führt der DOSB einige teils waghalsige Argumente gegen den eSport ins Feld.

So sei beispielsweise eine eigenmotorische, sportartbestimmende Bewegung kein konstitutives Merkmal von eSport. Der DOSB kann außerdem keine organisationspolitische Brücke zwischen der Gemeinwohlorientierung des Sportsystems und der Marktorientierung von eGaming erkennen. Außerdem folge die überwiegende Anzahl von eSport-Angeboten einer wirtschaftlichen Unternehmenslogik was mit dem Grundsatz der Autonomie und Partizipation unvereinbar sei.

Last not least spricht aus DOSB-Sicht etwas gegen eine Anerkennung des eSports, das überhaupt nichts mit Sport zu tun hat: Nämlich dass es schon jetzt zu wenig Geld in der Sportförderung gibt. Im Papier heißt das wie folgt: "Bei einem wachsenden eGaming/"eSport"-Markt steigt der Konkurrenzdruck um Ressourcen, die im Sport ohnehin knapp sind. So konkurriert z.B. die ohnehin begrenzte Zeit für aktiven Sport und Bewegung mit den Zeiterfordernissen in den virtuellen Welten. Auch die finanzielle Unterstützung des Vereinssports ist auf allen Ebenen begrenzt und i.d.R. schon heute nicht auskömmlich."

Als weiteren Punkt gegen den eSport greift der DOSB auch den neuen Katalog der Weltgesundheitsorganisation WHO auf. Die hatte "Videogame Disorder", Videospielsucht, erstmals als Krankheit in ihren Katalog aufgenommen. Der DOSB kommt deshalb zu dem Pauschalurteil, dass Videospielen nicht "ohne weiteres mit den Zielen eines gesunden und bewegten Lebensstils vereinbar" ist.

Wohl auch auf Grund des Drucks einiger Mitgliedsverbände, die eSports als Chance und nicht als Bedrohung wahrnehmen, spielen diese Argumente für den DOSB jedoch keine Rolle, wenn es um "virtuelle Sportarten" geht. Hier überlässt es der Spitzenverand seinen Mitgliedern die Auseinandersetzung. Sie sollen in ihrer "verbandlichen Autonomie die dafür notwendigen Konzepte und Regeln" erarbeiten. Praktisch für den DOSB ist, dass diese Verbände ja schon Mitglied sind. Die Frage nach der Aufnahme eines oder mehrere eigenständiger eSport-Verbände stelle sich deshalb nicht.

Am Ende bekräftigte der DOSB auch erneut seine Ablehnung der eSport-Pläne der Regierung: er spreche sich "entschieden gegen die im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD auf Bundes-ebene aus 2018 angekündigte Erweiterung der Abgabenordnung aus."


Quelle: GamesMarkt.de

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