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München, 23.04.2012, 10:45  GamesMarkt | Unternehmen
Kreativität schützen Thema: Kreativität schützen

Warum Spielehersteller auf illegalen Webseiten werben

Spielehersteller unterstützen mit ihren Anzeigen im Internet häufig auch illegale Webseiten. GamesMarkt begibt sich auf Ursachenforschung in die verruchten Ecken des Netzes und erklärt, wie Betroffene das verhindern können.

Werbung von Electronic Arts auf einer Torrent-Seite mit rechtsverletzemden Content Großansicht
Werbung von Electronic Arts auf einer Torrent-Seite mit rechtsverletzemden Content  
Führende Publisher und Entwicklerfinanzieren mit ihrer Werbung im Netz Seiten, die pornographische Inhalte anbieten, illegale Kopien von Filme und Spielen verbreiten oder unlizenzierte Übertragungen von Sportveranstaltungen bereitstellen! Vom zweifelhaften Ruf dieser Seiten abgesehen, unterstützen die Hersteller so Angebote, die ihnen selbst enormen Schaden zufügen, weil ihre Spiele dort zum illegalen Download feilgeboten werden. Ein Vorwurf, der so ungeheuerlich und absurd klingt, dass es schwerfällt, ihn zu glauben. Firmen, die sonst öffentlich penibel genau auf ihr Image achten, sollen auf einmal in den dunkeln Ecken des Internets auf Kundenfang gehen?

Komplizierte Kaskade

Ganz so einfach und klar ist die Lage dann aber doch nicht. Die betroffenen Unternehmen wissen oft gar nicht, dass dort mit ihrem Namen geworben wird. Doch wie kommt ihre Werbung dann auf die Seiten? "Spiegel Online" zeichnete unlängst nach, wie namhafte Markenartikler auf fragwürdigen Internetangeboten annoncieren: "Die Kaskade ist kompliziert: Die Werbung wurde vom Unternehmen an einen Dienstleister gegeben, der verteilte sie unter anderem an zwei weitere Dienstleister, die sie wiederum weiter verteilten - an Webseiten und weitere Affiliate-Dienstleister. Irgendwo in dieser Kette war ein Glied, das auf die Seriosität der Werbeplattform weniger Wert legte als der für die Werbung zahlende Kunde." Über diesen Umweg landete ein Bierwerbespot auf einer Piraterieseite. So sehr sich die Brauerei über dieses Umfeld auch ärgern mag, einen direkten finanziellen Verlust hat sie zunächst nicht zu befürchten.

Anders bei Spieleherstellern: Mit Reklame, die den Seitenbetreibern bares Geld einbringt, schneiden sie sich sprichwörtlich ins eigene Fleisch. Nichtsdestotrotz wird man nach kurzer Suche schnell fündig: Ein Link zum illegalen Download von "FIFA Street Clip" für die Xbox 360 wird von einer Werbung für das Browserspiel "Battlefield Heroes" flankiert, beides Titel aus dem Hause Electronic Arts. Als GamesMarkt EA mit einem Screenshot auf diesen Missstand aufmerksam macht, zeigt sich PR-Direktor Martin Lorber zerknirscht: "EA-Anzeigen auf derartigen Seiten sind absolut gegen unser Interesse und stellen eine Verletzung der Verträge dar, die wir mit den entsprechenden Marketingpartnern haben. Wir tolerieren das in keiner Weise und werden sofort dafür sorgen, dass die Anzeige umgehend heruntergenommen wird."

Schattenseiten der Internetvermarktung

Lorbers Firma ist bei Weitem kein Einzelfall. Ubisoft, Bigpoint und InnoGames - innerhalb kürzester Zeit stolpern wir auf einschlägigen Seiten über Anzeigen von vielen renommierten Entwicklern. Besonders oft taucht Bigpoint auf. Der Hamburger Browserspielentwickler wollte sich zu den Vorwürfen aber bisher nicht äußern. Sein Konkurrent schon: Dennis Heinert, Head of Public Relations bei InnoGames, sagt, nachdem er ebenfalls mit einem Bannerscreenshot für das Browserspiel "Grepolis" konfrontiert wurde: "Das Thema Werbung auf illegalen Seiten ist leider eine der Schattenseitender modernen Internetvermarktung. Durch die Art und Weise, wie BlindNetworks funktionieren, ist es leider technisch kaum zu 100 Prozent auszuschließen, dass ab und an eine solche Anzeige durchrutscht."

Werbung im Netz ist oft ein kompliziertes Geflecht Großansicht
Werbung im Netz ist oft ein kompliziertes Geflecht  
Damit spricht er den Kern des Problems an, denn es ist davon auszugehen, dass auch InnoGames die Bannerschaltung auf illegalen Seiten in Verträgen mit seinen Werbevermarktern eigentlich ausdrücklich ausgeschlossen hat. Diese "blinden Netzwerke" stehen im Normalfall nie direkt mit der werbetreibenden Firma in Kontakt, sondern bekommen ihre Anzeigen über zwei oder mehr Zwischenvermarkter. Sie kaufen Restkontingente an Werbeplätzen auf, die sie dann deutlich billiger als etablierte Premiumvermarkter bespielen. Hier zählt Quantität statt Qualität. So rutschen auch Seiten mit illegalen Inhalten ins Portfolio, weil es den Blind-Network-Betreibern schlicht egal ist oder sie bei der schieren Masse an Webseiten nicht jede einzeln kontrollieren können oder wollen. Die Werbeträger müssen ihre Angebote zwar selber einstufen, die Richtigkeit scheint aber keiner zu verifizieren. Die Pornoseite, die sich als harmloser Gamesblog ausgibt, kann so Werbung von Firmen schalten, die ein solches Umfeld eigentlich bei ihrer Agentur ausgeschlossen haben. So sieht das auch Norman Habakuck, Head of PR bei Ubisoft: "Bedauerlicherweise erkennen einige Affiliate-Netzwerke Webseiten mit illegalen Downloads und gestohlenen Inhalte nicht immer, um die Schaltung dort zu verhindern." Habakuck schließt sich damit dem Tenor der werbetreibenden Firmen an, die in den Zweit- und Drittvermarktern den Schuldigen ausgemacht haben.


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    Auslieferung: 15.03.2012

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