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Agoura Hills, 01.02.2013, 14:58  GamesMarkt | Unternehmen

THQ: Chronik eines angekündigten Todes

Vor fünf Jahren war THQ die weltweite Nummer vier der Publisher, spielte im Konzert der Großen mit und war gerüchteweise sogar an einer Activision-Übernahme interessiert. Heute ist die Firma pleite. Rekapitulation einer beispiellose Katastrophe.

Der THQ-Aktienkurs: Ab 2007 kontinuierlich bergab. Großansicht
Der THQ-Aktienkurs: Ab 2007 kontinuierlich bergab.  
Am Ende bleibt nur Galgenhumor. Am 25.Januar postet THQ-Präsident Jason Rubin ein Foto von sich auf Twitter, wie er mit traurigem Gesicht und einem lächerlich großen lila Dildo - ein Promoartikel für "Saints Row: The Third" - ein letztes Mal die Firmenzentrale im kalifornischen Agoura Hills verlässt. Alle Rettungsversuche für den Publisher waren zuvor gescheitert; am 23.Januar wurden die Unternehmenswerte einzeln vor einem Gericht zwangsversteigert. Damit gingen bei THQ Ende Januar offiziell die Lichter aus, der Major existiert nicht mehr.

Nr. 4 der Branche

Der Publisher war, und das ist deutlich kürzer her, als man glauben mag, mal der weltweit viertgrößte seiner Art, trat auf Augenhöhe mit Electronic Arts und Activision auf. Vor weniger als fünf Jahren stand THQ noch auf dem Gipfel seines Erfolgs: Fürs Fiskaljahr 2007 konnte Aufsichtsratsvorsitzender Brian Farrell das zwölfte Jahr in Folge Umsatzwachstum vermelden: 1,027 Milliarden US-Dollar hatte man erwirtschaftet, satte 68 Millionen Dollar Gewinn aufs Konto geschaufelt.

CEO Brian Farrell schuf ab 1994 aus einem Spielwarenhändler einen erfolgreichen Publisher Großansicht
CEO Brian Farrell schuf ab 1994 aus einem Spielwarenhändler einen erfolgreichen Publisher  
Im Sommer 2006 konnte man mit "Saints Row" äußerst erfolgreich eine neue Marke für die noch ganz junge Xbox 360 einführen. Das Strategiespiel "Company Of Heroes" von Relic Entertainment, die man 2004 erworben hatte, schlägt ein wie eine Bombe und wird zur neuen Referenz für PC-Echtzeitstrategie. "WWE SmackDown vs. Raw 2007" geht dank schlagkräftiger Wrestlinglizenz mehr als vier Millionen Mal über die Ladentheke. Ein Jahr zuvor hatte THQ die Kaos Studios ins Leben gerufen, mit dem Personal der Trauma Studios, die sich mit "Battlefield"- Mods einen Namen gemacht hatten und fortan Egoshooter für THQ entwickeln sollten - ein boomendes Genre.

Ebenfalls 2006 erstand THQ Vigil Games, ein frisch gegründetes Team mit dem bekannten Comiczeichner Joe Madureira an Bord. Kurzum, die Lage war bei THQ 2007 blendend, das Geschäft brummte und die Zukäufe schienen den Publisher fit für die Zukunft und den Generationswechsel zu Xbox 360 und PlayStation 3 zu machen.

Interesse an Activision-Übernahme?

Mit einem Börsenkurs von rund 36 Dollar zu diesem Zeitpunkt war THQ zwar kein Überflieger, aber dennoch ein solides Mitglied im Nasdaq-Index. Zum Vergleich: Activision-Anteile dümpelten 2006 bei etwa acht Dollar pro Stück herum, daher machten sogar Gerüchte die Runde, THQ liebäugele mit einer Übernahme des Konkurrenten aus Santa Monica. Der THQ-Umbau schien geglückt, denn spätestens Mitte des Jahrzehnts war das Unternehmen, das mit dem Handel von analogem Spielzeug begann, im digitalen Zeitalter angekommen und saß fest im Sattel.


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