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München, 29.01.2018, 15:12  GamesMarkt | Märkte

Kommentar: Verbandsfusion - ein letzter Blick zurück

Stephan Steininger, Chefredakteur GamesMarkt, zum Zusammenschluss von BIU und GAME Großansicht
Stephan Steininger, Chefredakteur GamesMarkt, zum Zusammenschluss von BIU und GAME  
Ich weiß es noch wie gestern: Am 13. Oktober 2004 rief mich mein damaliger Chefredakteur Harald Hesse an und reichte sein Handy unmittelbar an Ronald Schäfer weiter, Geschäftsführer des Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland, kurz VUD: Schäfer erklärte mir in seiner Funktion als offizieller Verbandssprecher, was die Verbandsmitglieder eben auf der ordentlichen Hauptversammlung in Frankfurt beschlossen hatten: Die Auflösung des VUD.

Es war eine Breaking News, die auch in der sogenannten General-Interest-Presse für Furore sorgte. Wir selbst mussten uns mit einer Vier-Satz-Meldung zufrieden geben. Denn als Mitglied des VUD stand es uns nicht frei, die interne Diskussion nach außen zu tragen. Wer mehr wissen will: Der vielleicht treffendste Hintergrundartikel stammt von Frank Patalong und ist nach wie vor auf Spiegel Online verfügbar. Dazu eine kurze Anmerkung: Die im Artikel veröffentlichten Informationen hat der Kollege nicht von GamesMarkt - auch wenn sich dies lange als Gerücht in der Branche hielt. Tatsächlich war die Verärgerung in der Branche damals so groß, dass viele Branchenteilnehmer bereitwillig mit der Presse sprachen.

Das unrühmliche Ende des VUD erklärt auch, warum es so lange - über 13 Jahre - dauerte, ehe man wieder zusammenfand. Die Trennung erfolgte damals schließlich nicht mit dem Skalpell. Die bestehenden Gemeinsamkeiten wurden vielmehr mit der Axt auseinander gehackt und anschließend durch den Fleischwolf gedreht. Denn der Auflösungsbeschluss war keineswegs das Ende.

Er war der Anfang: Am 6. April 2005 gründeten elf Majors den BIU. Sie holten als Geschäftsführer ausgerechnet Olaf Wolters, der als Ansprechpartner des Developernetzwerks Northstar Developers das VUD-Aus zuvor noch bedauerte. Und sie zogen ihre Pläne durch, die ihnen im VUD verwehrt blieben. Dort herrschte schließlich ein von der Höhe des Mitgliedsbeitrag unabhängiges One-Member-one-Vote-Prinzip. Kurzum: Der BIU wurde neuer Vertragspartner der Leipziger Games Convention und als deren Vertrag auslief. zog der BIU die Messe im Alleingang nach Köln um. Der Rest der Branche konnte mitziehen oder draußen bleiben. Ihre Meinung dazu war irrelevant. Dass die Entscheidung richtig war, bestreitet heute niemand. Die Art und Weise, wie sie durchgezogen wurde, bleibt trotzdem befremdlich.

Den schwersten Schlag versetzte der BIU seinem Konkurrenten GAME, der sich nicht grundlos und übrigens schon vor dem VUD-Aus formierte, aber beim Thema Förderung. Die deutschen Entwickler spielten damals mit dem Gedanken eines Fördermodells analog der Filmförderabgabe (FFA). Die damalige Bundesbeauftragte für Kultur und Medien prüfte sogar eine Gamesabgabe - eine Horrorvorstellung für den BIU, da dessen Mitglieder größtenteils nicht in Deutschland entwickelten, wären sie in einem solchen System die Nettozahler. Eine Horrorvorstellung übrigens auch für andere: Die "PC Games" rief ihre Leser zum Widerstand auf und brachte eine Petition gegen eine Sonderabgabe auf den Weg. Der GAME sprach von Polemik, ruderte aber zurück und musste sich schließlich mit dem Deutschen Computerspielpreis zufrieden geben. Der wurde damals sehr wohl als "Förderpreis" gesehen, auch wenn Politik und Industrie heute von dem Wort abrücken. Und er strich das Thema Gamesförderung für Jahre von der Agenda.

Rückblickend kann ich schon verstehen, dass der Trennung ein Rosenkrieg folgte, bei dem sich die Protagonisten auf beiden Seiten wenig schenkten. Allerdings hat sich in den 13 Jahren viel getan, auf Entwickler- und auf Publisherseite. Studios wie Mimimi, Fizbin oder The Good Evil gab es damals noch nicht. Publisher wie Gameforge, InnoGames, Bigpoint oder Wooga waren allenfalls Start-ups, die von den Großen der Gamesbranche übersehen wurden. Sie alle können mit dem Zwist von damals herzlich wenig anfangen und das ist gut so. Denn mit Verbraucher- und Jugendschutz, dem Regulierungsbedarf im Digitalgeschäft und nicht zuletzt der Förderung gibt es in er Lobbyarbeit eine Menge Themen, die noch angegangen werden müssen.

Und so unrühmlich das Ende des VUD war, der Verband zeigt, dass die Branche durchaus Großes auf die Beine stellen kann, wenn sie an einem Strang zieht: Der VUD gründete einst die USK, in der sich alle Mitglieder verpflichteten, ihre Spiele dort prüfen zu lassen. Als nach dem Amoklauf von Erfurt die "Killerspiel"-Debatte zu einer Verschärfung des Jugendschutzgesetzes bei Games führte, gelang es dem VUD, die USK als Prüfinstanz durchzusetzen. Nicht zuletzt hob der VUD die GC - Games Convention aus der Taufe, Vorgängerin der gamescom, nachdem gemeinsame Auftritte auf CeBIT HOME, IFA und Spielwarenmesse eher ernüchternd liefen.

Ich bin froh, dass es zumindest im Moment so aussieht, als sei die Story um die deutschen Gamesverbände eine Telenovela mit einem echten Happy End und keine klassische Seifenoper, die sich auf ewig hin zieht. Und ich bin gespannt auf die Projekte, die der neue game umsetzen wird, jetzt da die Branche wieder geschlossen hinter einem, hinter dem Verband steht. Damit genug der Retrospektive. Es ist Zeit, nach vorne zu blicken.


Quelle: GamesMarkt.de

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