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München, 22.06.2017, 12:49  GamesMarkt | Märkte

Kommentar: Merkel gibt die Spiele-Debütantin

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Stephan Steininger, Chefredakteur GamesMarkt  
"Die globale Spielewelt blickt nach Köln, nur das politische Berlin guckt weiter weg. Anders kann ich mir nicht erklären, warum seit Philipp Rösler kein Bundesminister mehr die gamescom besucht hat." Mit diesen Worten begann mein Kommentar für die September-Ausgabe vom GamesMarkt im vergangenen Jahr. Ich gebe zu, ein klein wenig erliege ich schon der Versuchung zu hoffen, dass es dieser Text war, der Dr. Angela Merkel veranlasst hat, die gamescom 2017 zu eröffnen, wie heute bekannt wurde. Aber ernsthaft glaube ich nicht daran. Es sei denn natürlich Steffen Seibert würde auf ein Foto twittern, dass eine GamesMarkt-Ausgabe auf dem Büro-Tisch der Kanzlerin...

Aber im Ernst: Es gibt natürlich nicht den einen, sondern sehr viele Gründe, warum Angela Merkel erstmals die Spielemesse gamescom besucht. Die kontinuierliche Lobbyarbeit des Branchenverbands BIU dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben. Auch dürfte DCP-Juryvorsitzende Dorothee Bär, die selbst mehrfach die gamescom besuchte, Angela Merkel von der Messe in Köln berichtet haben. Viel entscheidender ist jedoch, dass - so wenig ich diese Phrase noch hören kann - Games längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Denn das bedeutet auch, dass ein erheblicher Teil der Wählerschaft spielt. Den Wahlkampfmanagern wird außerdem nicht entgangen sein, dass YouTube, Twitch und eSport ein Millionenpublikum in den Bann zieht und Themenfelder wie Internet-Streaming klassischen Medienmachern Sorgenfalten, wenn nicht sogar den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Und natürlich hat die gamescom selbst als Messe eine Erfolgsgeschichte hingelegt, wie man sie in Deutschland, ja sogar in Europa seit Jahren nicht erlebt hat.

Kurzum: Es ist die Mischung aus Zeitpunkt im Wahlkampf, Digitalisierung der Gesellschaft und die zunehmende Sichtbarkeit des Erfolgs einer inzwischen milliardenschweren Gamesbranche, die als Innovationstreiber der Kreativ- und Digitalwirtschaft gilt, welche die Aufmerksamkeit der höchsten politischen Vertreter auf sich zieht und zwar endlich auch in Deutschland. Ich schreibe bewusst "endlich auch in Deutschland", weil andere Industrienationen viel weiter sind. In England und Frankreich werden Games schon lange von den Landesregierungen gefördert. Und es würde mich nicht wundern, wenn Emmanuel Macron als Kind nicht selbst einen Game Boy besessen hat.

Obwohl ein paar Jahre älter als Macron ist Kanadas Premierminister Justin Trudeau wiederum ein ausgewiesener Experte in Sachen Games. Trudeau hat mehr als einmal Spieleentwickler in den vier großen Developer-Zentren Kanadas Montreal, Quebec, Toronto, Vancouver besucht... Ich bin mir sicher, dass er auch einem Abstecher nach Köln offen gegenüber stehen würde, zumal - welch Zufall - Kanada in diesem Jahr das Partnerland der gamescom ist.

Doch selbst wenn sich mein Wunsch vom gemeinsamen Messerundgang von Angela Merkel und Justin Trudeau nicht erfüllt, der Besuch der Kanzlerin auf der gamescom ist ein wichtiges Signal für die deutsche Gamesbranche. Und er macht Hoffnung, dass der Wunsch nach einer wie auch immer ausgestalteten Unterstützung des Bundes für die Kreativschaffender der Spielebranche nach der Wahl Wirklichkeit wird.

Stephan Steininger

Chefredakteur GamesMarkt




Quelle: GamesMarkt.de

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