München, 07.05.2012, 15:13  GamesMarkt | Produkt

Indie Fund: Risikokapital von Indies für Indies (Teil 2)

Wege zum Indie Fund

Das Team von Facepalm" Großansicht
Das Team von Facepalm"  
Anfangs konnten sich Entwickler mit einem Prototypen, einem Video und einem Geschäftsplan bewerben. Die schiere Masse an Einreichungen zeigte aber, dass dieser Weg nicht möglich ist, da der Indie Fund für jeden Gründer als nebenberufliches Projekt läuft. Inzwischen rät die Jury von Initiativbewerbungen ab und entscheidet sich selbst für Projekte. Sicherlich keine ideale Situation. Unabhängige Entwickler, die Unterstützung brauchen, müssen für diese Aufmerksamkeit noch viel mehr Mühe in Selbstvermarktung investieren.

Im Fall "The Swapper" waren es Teilnahmen (und Siege) an Indie-Game-Festivals, dem Indie- Showcase der Develop Conference und Trailer, die wichtiges Interesse von Webseiten wie "Rock, Paper, Shotgun" erregten. "Du musst uns aufrütteln", sagt Isaksen. "Bring Leute dazu, über dein Spiel zu sprechen. Gib uns etwas Originelles, von dem du überzeugt bist. Finde Fürsprecher, damit wir dich persönlich treffen wollen." Alles gut gemeinte Ratschläge, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass Indieentwickler viel im Alleingang machen müssen, bevor der Indie Fund sie überhaupt bemerkt. Olli Harjola, Facepalms junger Gründer, sieht diese Art Selbstvermarktung dagegen realistisch als etwas, um das sich Indieentwickler sowieso kümmern müssen: "Journalisten und Spieler tendieren dazu, sich für vertraute Dinge zu interessieren. Jedes bisschen Aufmerksamkeit hilft: Wettbewerbe wie das Independent Games Festival (IGF), bekannte Blogs und Freundschaften mit anderen Entwicklern."

Publisher am Ende?

"Dear Esther", der bisher größte Erfolg des Indie Funds Großansicht
"Dear Esther", der bisher größte Erfolg des Indie Funds  
In Zukunft wollen Aaron Isaksen und die anderen Indie-Fund-Gründer neben Kleinstprojekten auch in größere Spiele investieren. Läutet der Indie Fund, wie Isaksen es vorhersagt, das Ende des Publishermodells ein? Fraglich - noch sehen sich Publisher nicht bedroht von neuen Finanzierungsmodellen. "Wir werden auch weiterhin sowohl die Spiele aus EA-eigenen Studios als auch von selbstständigen Studios veröffentlichen - unabhängig davon, ob es für selbstständige Studios neue Wege der Finanzierung gibt", sagt etwa Martin Lorber, Electronic Arts' deutscher PR-Direktor. Der Effekt des Funds auf die Entwicklung könnte allerdings subtiler sein als der Untergang großer Publisher.

"Wir sahen eine Zusammenarbeit mit einer großen Firma als Verleger eher als letzten Ausweg", sagt Harjola. Gleiches gilt für Jonathan Savery: "Publisher erlauben keine kreative Freiheit für unsere Projekte, sie müssen sich den Zeiten anpassen, wenn sie überleben wollen." Es ist also weniger der Erfolg der Indie-Fund-Spiele als das Desinteresse junger, kreativer Spieleentwickler an der Zusammenarbeit mit traditionellen Publishern, das den Worten Aaron Isaksens Gewicht verleiht - und Publisher zumindest aufhorchen lassen sollte.

Dennis Kogel


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Quelle: GamesMarkt.de

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