Hamburg, 27.11.2015, 10:26  GamesMarkt | Unternehmen

Goodgame: Entlassungen wegen versuchter Betriebsratsgründung?

Die Goodgame-Zentrale in Hamburg Großansicht
Die Goodgame-Zentrale in Hamburg  
Nach außen gibt sich Goodgame Studios gerne als der freundliche Konzern. Ein junges, multinationales Team, das sich trotz des Turbowachstums der letzten Jahre eine familiäre Atmosphäre, flache Hierarchien und eine gute Work-Life-Balance bewahren konnte. Mehrfach wurde der Hamburger Entwickler gar als "Top Nationaler Arbeitgeber" ausgezeichnet, zum Beispiel vom Magazin "Focus". Doch hinter den Kulissen rumort es bei den über 1000 Angestellen. Die Unzufriedenheit innerhalb der Belegschaft steige, berichteten interne Quellen im Gespräch mit GamesMarkt.

Jüngster Stein des Anstoßes: Goodgame setzt zum Jahresende überraschend rund 40 Mitarbeiter vor die Tür. Alle wurden mit sofortiger Wirkung freigestellt. Brisantes Detail: Nach GamesMarkt-Recherchen befinden sich darunter auch rund 16 Kollegen, die sich aktiv mit der Gründung eines Betriebsrats befassten.

Nicht alle der freigestellten Mitarbeiter wurden nach GamesMarkt-Informationen entlassen. In einigen Fällen wurden befristete Verträge, die zum Jahresende ausliefen, nicht erneuert; laut Goodgame-Mitarbeitern ist die anschließende Übernahme ansonsten nur eine Formalität.

Auf Anfrage von GamesMarkt bestätigte Goodgame gestern Abend die Entlassungen in einem schriftlichen Statement, begründete diese aber anders: "Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen entschieden, sich aus betrieblichen Gründen, wie zum Beispiel Leistungsdefiziten, von 28 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen mit umgehender Wirkung zu trennen."

Goodgame gilt eigentlich als Vorzeigefirma der Hansestadt. Die Goodgame-Gründer Dr. Christian Wawrzinek (l.) und Dr. Kai Wawrzinek (r.) mit Olaf Scholz, dem Hamburger Bürgermeister (Bild: Kevin Winiker) Großansicht
Goodgame gilt eigentlich als Vorzeigefirma der Hansestadt. Die Goodgame-Gründer Dr. Christian Wawrzinek (l.) und Dr. Kai Wawrzinek (r.) mit Olaf Scholz, dem Hamburger Bürgermeister (Bild: Kevin Winiker)


Quellen innerhalb des Unternehmens berichten gegenüber GamesMarkt gestern allerdings, dass es sich bei den betroffenen Mitarbeitern vorrangig um Kollegen handele, die beispielsweise auf den regelmäßig stattfindenden Q&A-Sessions mit der Unternehmensleitung mit kritischen und unbequemen Fragen auffielen. Hier soll auch die Wahl eines Betriebsrates von Arbeitgeberseite mehrfach als unnötig und das Wachstum der Firma bremsend dargestellt worden sein. Rund 16 Mitarbeiter von Goodgame hatten daraufhin in Zusammenarbeit mit der Dachgewerkschaft Ver.di Planungen für die Wahl einer Arbeitnehmervertretung aufgenommen. Diese 16 Angestellten gehören ausnahmslos zum Kreis derer, deren Arbeitsverhältnis zum Endes des Jahres aufgekündigt wurde.

Wollte sich die Unternehmensleitung damit unliebsamen und unbequemen Mitarbeitern entledigen und womöglich die Gründung eines Betriebsrates verhindern? Das Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) ist in diesem Fall unmissverständlich: Die Einrichtung einer Arbeitnehmervertretung ist nicht verpflichtend, auch nicht bei einem Unternehmen von der Größe eines Goodgame. Sollte die Belegschaft allerdings einen Betriebsrat wünschen, darf die Arbeitgeberseite keinerlei Maßnahmen ergreifen, um dies zu unterbinden. Die Behinderung einer Betriebsratsgründung ist strafbar.

Mit Veranstaltungen wie der "Ladies Night" engagiert sich Goodgame für mehr Frauen im Unternehmen. Großansicht
Mit Veranstaltungen wie der "Ladies Night" engagiert sich Goodgame für mehr Frauen im Unternehmen.  


Streitbar sind auch die Umstände: Übereinstimmenden Schilderungen gegenüber GamesMarkt zufolge durften die Betroffenen nach Aussprache der Kündigung nur unter Aufsicht ihre Wertsachen von ihren Arbeitsplätzen holen und hatten die Räume des Entwicklers daraufhin umgehend zu verlassen. Die Rechner wurden gesperrt, der Kontakt zu den Kollegen wurde untersagt.

Eine juristisches Nachspiel ist für Goodgame sehr wahrscheinlich. Ob der Versuch, eine Betriebsratswahl durch die Massentlassung zu unterbinden, nachgewiesen werden kann, müssten dann die Richter entscheiden. Ob eine Kündigung aus betrieblichen Gründen Bestand hat bei einem Unternehmen, das weiter öffentlich händeringend neues Personal sucht und gerade über 100 Stellen ausgeschrieben hat, werden wohl Arbeitsgerichte zu klären haben. So oder so hat die Hochglanzfassade von Goodgame merkliche Kratzer bekommen.




Quelle: GamesMarkt.de

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