Berlin, 24.07.2017, 09:46  GamesMarkt | Unternehmen
Thema: #Kommentar

Games in den Wahlprogrammen - ein großer Erfolg für die Branche

Ein Gastkommentar von Felix Falk, Geschäftsführer des BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (Bild: Dirk Mathesius) Großansicht
Ein Gastkommentar von Felix Falk, Geschäftsführer des BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (Bild: Dirk Mathesius)
Die erste Etappe der Bundestagswahl 2017 ist vorbei: Zwar findet die Wahl erst am 24. September statt, aber inzwischen haben sich alle Parteien aufgestellt und ihre Wahlprogramme veröffentlicht. Für uns als deutsche Games-Branche war diese erste Etappe sehr erfolgreich: Noch nie zuvor wurden Computer- und Videospiele in so vielen Wahlprogrammen aufgegriffen. Anders als beispielsweise noch 2009 geht es in diesem Jahr dabei nicht ein einziges Mal um mögliche Gefahren, die angeblich von unserem Medium ausgehen, sondern insbesondere um die Fördernotwendigkeit von Games als Kulturmedium und wichtigem Wirtschaftsgut. Vor ein paar Jahren wäre diese parteiübergreifende Anerkennung von Games kaum denkbar gewesen.

Dafür waren viele Schritte notwendig. Wir haben in unzähligen Gesprächen auf die Games-Branche, ihre besonderen Herausforderungen und notwendige Maßnahmen aufmerksam gemacht. Besonders überzeugt hat dabei die große Bedeutung unsere Branche für den Wirtschaftsstandort Deutschland und, dass Games-Technologien in einer digitalisierten und vernetzen Welt eine entscheidende Ressource sind. Wir haben immer wieder aufgezeigt, wie sehr uns mittlerweile der Rückstand Deutschlands als Entwicklungsstandort für Games schadet. Viele andere Länder machen vor, wie man es machen muss und beim Film sieht man auch in Deutschland, wie positiv Förderung wirken kann. So konnten wir immer mehr Gesprächspartner davon überzeugen, dass die Situation von Games-Entwicklern in Deutschland endlich verbessert werden muss. Mit unserem Gesamtförderkonzept und dem spezifischen Vorschlag einer Steuerförderung konnten wir zudem die Filmwirtschaft überzeugen und damit erstmals diese wichtige Allianz der beiden Medien-Branchen schließen, die unsere Forderungen stützt. Begleitend schaffen wir immer wieder die Notwendigkeit, dass sich die Parteien politisch zu Games positionieren, sei es bei parlamentarischen Abenden, unserem Sommerfest, Podiumsdiskussionen oder bei den vielen politischen Anlässen zur gamescom.

Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt, wie weit wir auf unserem Weg schon gekommen sind: Ob SPD und CDU/CSU, FDP, Grüne oder Die Linke - alle diese Parteien thematisieren Games oder eSports. Zum ersten Mal überhaupt werden Games im SPD-Programm zu einer Bundestagswahl aufgegriffen und zwar mit dem eindeutigen Bekenntnis zur Förderung: "Auch die Entwicklung innovativer und kulturell wertvoller Computer- und Videospiele wollen wir fördern, denn Computerspiele haben sich zu einem Kulturgut entwickelt." Auch CDU und CSU greifen Games auf: "Das Filmschaffen soll in Deutschland noch weiter gestärkt werden, denn Filme sind wertvoll als Wirtschaftsprodukt und als Kulturgut. Das gilt auch für Computerspiele." Manche sehen Games vermutlich nicht gern als Nachsatz zum Film, aber der Vergleich zur sehr stark aufgestellten Film-Förderung kann helfen.

Auch Die Linke greift in ihrem Programm die schwierigen Rahmenbedingungen bei der Finanzierung der Games-Entwicklung in Deutschland auf. Erst kurz vor Schluss fand das eindeutige Bekenntnis zur Förderung doch noch Eingang in die finale Fassung: "Die Förderung des Films muss - wie die des Kulturguts Computer- und Videospiel - finanziell gestärkt werden." Bei der FDP, die 2017 gute Chancen hat, wieder in den Bundestag einzuziehen, haben es Games zwar nicht in das offizielle Wahlprogramm geschafft. Dafür hat der FDP-Bundesvorstand einen ergänzenden Beschluss veröffentlicht, der umso umfangreicher ausfällt. Der zentrale Satz lautet: "Wir Freie Demokraten wollen Deutschland zu einem Top-Standort für die Produktion von Computer- und Videospielen machen." Die Grünen ziehen hingegen mit einem sehr kurzen und auf ihre Kernthemen beschränkten Programm in den Bundestagswahlkampf 2017. Konkrete Aussagen zu einer Games-Förderung fehlen zwar, dafür heißt es: "Wir wollen die Computerspielekultur in ihrer Vielfalt und als E-Sport weiter stärken und prüfen, inwiefern sie als Sportart anerkannt werden kann." Damit stehen die Grünen für eine weitere erfreuliche Entwicklung in diesem Bundestagswahlkampf: Bis auf die Linkspartei greifen alle anderen Parteien eSports in ihren Programmen auf und wollen dessen Entwicklung künftig stärker unterstützen. Es zeigt sich, dass wir es geschafft haben, mit dem besonderen Thema eSports nicht nur auf diese spannende Entwicklung, sondern damit auf die gesamte Games-Branche aufmerksam zu machen.

Bei dem Fokus auf die großen politischen Leitlinien und der Vielzahl unterschiedlichster Themen bei der Erstellung der Wahlprogramme ist dieses Ergebnis ein großartiger Erfolg für uns als Branche. Doch so erfolgreich diese erste Etappe auf dem Weg zur Bundestagswahl 2017 auch ist, wir sind längst noch nicht am Ziel. Damit wir unsere Ziele erreichen, allem voran die Entwicklungsförderung auf Bundesebene, müssen wir als Branche in den kommenden Monaten so gut und eng zusammenarbeiten wie noch nie - und zwar nicht nur bis zur Bundestagswahl, sondern auch in der Zeit der Koalitionsverhandlungen und darüber hinaus. Die restlichen Etappen erfolgreich abzuschließen, wird kein Selbstläufer. Die Zeichen, dass wir dies erreichen können, stehen gut - so gut wie noch nie zuvor.

Felix Falk,

Geschäftsführer BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware


Quelle: GamesMarkt.de

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