Berlin, 05.07.2018, 09:45  GamesMarkt | Märkte

Falk: Brauchen stärkere, regionale Präsenz in ganz Deutschland

Felix Falk, Geschäftsführer des game, im Interview (Bild: Dirk Mathesius) Großansicht
Felix Falk, Geschäftsführer des game, im Interview (Bild: Dirk Mathesius)
Warum hat sich der game dazu entschlossen, sein Engagement auf regionaler Ebene auszubauen?


Mit der engeren Zusammenarbeit mit bestehenden Regionalverbänden, beziehungsweise der Gründung neuer Regionalvertretungen unterstützen wir die Games-Branche vor Ort. Der Wunsch danach ist in zahlreichen Gesprächen mit unseren Mitgliedern und mit der Politik deutlich geworden und folgt derselben Logik wie der Verbandszusammenschluss: Wir erreichen auch auf lokaler politischer Ebene mit eindeutigen Ansprechpartnern und klaren Positionen einfach mehr.

Wie entstand die Idee zum Aufbau regionaler Strukturen?

Durch den Zusammenschluss der Verbände zum game erleben wir, welche großen positiven Kräfte es freisetzen kann, wenn die Games-Branche gemeinsam mit einer starken Stimme spricht. Egal ob Entwickler, Publisher, Dienstleister, eSports-Akteure oder Bildungseinrichtung - wir sind derzeit so erfolgreich, gerade weil wir uns zusammen für unsere Ziele einsetzen. Das gilt auch auf Landesebene, wo das politische Interesse an uns als Branche zurzeit ebenso groß ist wie im Bund. Neben uns als game auf Bundesebene, braucht die Politik deshalb auch auf Landesebene klare Positionen und glaubwürdige Ansprechpartner der Branche.

In einigen Bundesländern gibt es bereits Organisationen. Welche Pläne hat der game in diesen Ländern?

In Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen gibt es bereits Regionalverbände, die wichtige Arbeit vor Ort leisten und mit denen wir bereits jetzt sehr eng zusammenarbeiten. Diese Kooperationen werden wir als game weiter intensivieren.

Sollen in allen Regionen neue Regionalvertretungen gegründet werden?

In manchen Regionen bestehen zum Teil erste übergreifende Initiativen, die versuchen, die Games-Branche voranzubringen. Mit diesen stehen wir im Austausch, um zu schauen wie wir unterstützen und enger zusammenarbeiten können. Dort, wo es noch nichts Übergreifendes gibt, wollen wir bei dieser wichtigen Entwicklung helfen, indem wir nach und nach solche Regionalvertretungen initiieren. Das Ziel für die Games-Branche ist klar: Wir brauchen eine stärkere Präsenz auf regionaler Ebene in ganz Deutschland.

Neben den tatsächlichen regionalen Vereinen wie GamesBavaria gibt es in vielen Ländern bereits Netzwerk-Initiativen auch ohne Vereinsstruktur. Wie stehen die Regionalvertretungen zu diesen Netzwerken wie beispielsweise Game Up! in Rheinland-Pfalz oder gamecity:Hamburg?

Diese Netzwerke sind besonders enge Partner und es geht mit der Initiative gerade auch darum, die so wichtige Arbeit der Netzwerke und der Förderinstitutionen zu unterstützen. Diese sind als Institutionen der öffentlichen Hand oder zumindest als direkte Fördernehmer des jeweiligen Landes entscheidende Unterstützer der Games-Branche, können aber eben nicht unmittelbar politische Forderungen erheben. Das muss die Games-Branche schon selbst tun. Genau das erklärt einerseits die Aufgabenteilung und andererseits die enge Partnerschaft. Im besten Fall haben wir in möglichst vielen Regionen irgendwann die drei essenziellen Komponenten: 1. Den Förderer, 2. Das Netzwerk, 3. Die Regionalvertretung.

Los geht es nun mit Rheinland-Pfalz. Warum entsteht dort die erste game-Regionalvertretung?

Die Überlegungen zur Unterstützung der Regionen gibt es schon länger und mehrere stehen in den Startlöchern. In Rheinland-Pfalz haben wir mit Karsten Lehmann, Sascha Vogel und anderen bereits sehr engagierte Vertreter der Games-Branche, die komplett hinter der Idee stehen, die regionale Vertretung der gesamten Games-Branche zu stärken und sich hier einbringen wollen. Hinzu kommt: In Rheinland-Pfalz sehen viele unserer Mitglieder schon lange den Bedarf für eine gemeinsame Initiative, mit der die Ideen der einzelnen Unternehmen vor Ort mit dem Netzwerk Game Up! oder mit der neuen Initiative für Studierende und Gründer an der Hochschule Trier noch besser aufeinander abgestimmt werden können. Die Ziele sind ja die gleichen und bei den großen Potenzialen und dem großen Interesse der Landesregierung gilt es, hier keine Zeit zu verlieren.

Haben die neu gegründeten Regionalvertretungen eine formale Vereinsstruktur?

Nein, dafür ist die Games-Branche in vielen Regionen auch noch zu klein. Wir wollen mit unserer Initiative ja gerade dazu beitragen, dass die Akteure vor Ort gestärkt werden. Dafür braucht es im ersten Schritt eine einfache und unbürokratische Struktur, mit der man vor Ort schnell zum Ziel kommt und keine formalen und langwierigen Vereins- und Mitgliederkonstruktionen. Als game können wir mit unserer Struktur und unserer gut aufgestellten Geschäftsstelle genau dabei helfen. Und wenn die Akteure vor Ort dadurch über die Zeit immer regelmäßiger und kontinuierlicher zusammenarbeiten, dann kann vielleicht auch eine formale Vereinsgründung irgendwann sinnvoll sein oder eine gemeinsame Wahl der Ansprechpartner. Das muss dann jeweils vor Ort entschieden werden.

Welche Pläne hat der game für Berlin/Brandenburg? Hier ist der Verband trotz seiner bundesweiten Ausrichtung schon auf Grund der räumlichen Nähe auch intensiv in der Landespolitik engagiert, um nicht zu sagen intensiver als in jedem anderen Bundesland....

Der game als Bundesverband seine Geschäftsstelle zwar in Berlin, engagiert sich aber nicht mehr für diese Region als auch für andere Regionen. Natürlich gibt es Überschneidungen, aber die Rolle als regionaler Vertreter können wir nicht übernehmen. Zudem ist hier mit games:net ein sehr wichtiges und erfolgreiches Netzwerk aktiv, mit dem wir uns für den weiteren Prozess momentan eng abstimmen.

Muss man game-Mitglied sein, um sich in der Regionalvertretung engagieren zu können?

Nein. Es sollen ja zum Beispiel auch selbstständige Entwickler oder besonders engagierte Studierende mitarbeiten und sich in diesem Kreis austauschen können. Die offiziellen Ansprechpartner sind allerdings immer Mitglied im game, damit die enge Verzahnung auch gewährleistet ist. Im Übrigen freuen wir uns gerade bei Indie-Entwicklern und Start-ups seit einigen Monaten über einen besonders regen Zulauf, denn wir fördern diese Mitglieder mit vielen Services als Verband ganz bewusst. So viel Eigenwerbung muss an dieser Stelle erlaubt sein.

Wie unterstützt der game die Regionalvertretungen ganz konkret?

Das wird von Region zu Region unterschiedlich sein. In manchen müssen wir schon bestehende Initiativen nur unterstützen, indem wir mit Informationen oder Kontakten helfen. In anderen ist Aufbauarbeit notwendig. Hierbei hilft, dass die meisten Akteure vor Ort bereits im game Mitglied sind und über uns für diesen Prozess angesprochen werden können. Dann werden wir helfen, politische Forderungen zu entwickeln und Kontakte zu den politischen Entscheidern vor Ort aufzubauen. Ein konkretes Beispiel ist die Entwicklungsförderung. In mehreren Ländern soll eine Regionalförderung etabliert werden. Hier können die Förderexperten in der Geschäftsstelle des game die Regionalvertretungen bei der Erarbeitung unterstützen. Dabei bringen wir die Erfahrungen aus anderen Regionen ein und stellen sicher, dass auch die Anschlussfähigkeit zur Entwicklungsförderung auf Bundesebene gesichert ist. Im föderalen Deutschland werden uns als Games-Branche nur die Systeme wirklich voranbringen, die gut ineinandergreifen. Um die Regionalvertretungen bestmöglich unterstützen zu können, insbesondere bei komplexen Themen wie der Förderung, werden wir unser Team in der Geschäftsstelle zudem zeitnah weiter verstärken.

Sind regelmäßige Veranstaltungen und Netzwerktreffen geplant?

Auch das werden die Regionalvertretungen eigenständig entscheiden. Zum Teil gibt es vor Ort schon bestehende Netzwerkveranstaltungen oder Stammtische, die gut funktionieren. Da braucht es dann vielleicht nur den von der Regionalvertretung angestoßenen Prozess zur Formulierung konkreter politischer Forderungen und die Ansprechpartner, die diese dann politisch auch offiziell und im Namen der ganzen Branche vertreten können. Das werden die Regionalvertretungen ermöglichen.


Quelle: GamesMarkt.de

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