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Düsseldorf, 04.05.2017, 14:18  GamesMarkt | Märkte

Eumann: Deutschland braucht moderne Anreizmodelle für Games und Film

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Dr. Marc Jan Eumann, Staatssekretär für Europa und Medien des Landes NRW  
Die Gamesbranche in Deutschland braucht moderne Anreizmodelle. Deshalb ist es Zeit, das staatliche Beihilfeverbot für die Entwicklung von Computer- und Videospielen aufzuheben. Gleichzeitig benötigt auch der deutsche Film neue Förderimpulse.


Ob Clash of Clans, Landwirtschaftssimulator oder FIFA - die Deutschen sind begeisterte Computer- und Videospieler. Die Spiele-App auf Handy und Tablet, die Konsole unter dem Fernseher oder das Gamepad am Computer werden von mehr als 40 Prozent der Deutschen genutzt. Doch die deutsche Gameswirtschaft kann von dieser Begeisterung kaum profitieren. Immer deutlicher wird, dass Entwickler hierzulande im weltweiten Konkurrenzkampf zurückfallen. Der Anteil deutscher Produktionen am Umsatz in Deutschland beträgt magere 6,5 Prozent. Auf dem national aber auch weltweit boomenden Absatzmarkt der Computer- und Videospiele nehmen deutsche Unternehmen eine untergeordnete Rolle ein. Die Gründe hierfür liegen in den schwierigen Rahmenbedingungen, die die Branche in Deutschland vorfindet.

Dabei ist in den vergangenen Jahren schon viel getan worden. Zum Beispiel gab es gezielte Maßnahmen, um den Fachkräftemangel zu beheben. Deutschland und insbesondere Nordrhein-Westfalen haben in gamesrelevante Studiengänge investiert, um zumindest beim Nachwuchs eine tragfähige Grundlage für nachhaltiges Wachstum in der Gamesbranche zu schaffen. Zahlreiche hervorragend ausgebildete Absolventinnen und Absolventen kommen jedes Jahr auf den Markt und sind nicht nur als Gamesexperten begehrt, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen. Selbst im außereuropäischen Ausland werden deutsche Gamesentwickler geschätzt und mit hohen Gehältern gelockt. Aber all dies scheint nicht ausreichend. Warum, lautet die schlichte Frage?

Gamesunternehmen in Kanada und den USA haben einen weitaus größeren Spielraum als die Branche in Deutschland, denn sie bieten den sich ansiedelnden Gamesunternehmen etwas an, das in Deutschland bislang nicht existiert: attraktive staatliche Anreizmodelle. Auch innerhalb der Europäischen Union haben z.B. England und Frankreich Anreizmodelle entwickelt, die das Wachstum der Branche unterstützen sollen. Hier dürfen auch Ausgaben, die in der gesamten EU getätigt werden, also auch in Staaten mit einem deutlich niedrigeren Lohnniveau als in Westeuropa, als steuermindernd anerkannt werden. Ob ein solches Modell auch für Deutschland das richtige ist, sollte diskutiert werden. Insofern halte ich den Vorstoß des BIU für sinnvoll.

Nordrhein-Westfalen setzt sich zunächst aber für eine Aufhebung des staatlichen Beihilfeverbots für interaktive elektronische Werke auf europäischer Ebene ein. Dies würde zum einen dazu beitragen, den in den vergangenen Jahren innerhalb der Europäischen Union entstandenen Flickenteppich aus zahlreichen Einzelregelungen zu harmonisieren und einen fairen Wettbewerb auf dem Gamesmarkt zu erreichen. Zum anderen würden damit die Rahmenbedingungen für eine gezielte Förderung der nationalen Gamesbranche geschaffen. Unser Ziel muss es sein, den Rückstand der heimischen Entwickler insbesondere auf die USA, Kanada und Japan aufzuholen und den Gamesstandort Deutschland nachhaltig zu stärken.

Die Filmwirtschaft hat mit der Freistellung vom staatlichen Beihilfeverbot bereits gute Erfahrungen gemacht. Ein fairer Standortwettbewerb zwischen den einzelnen EU¬ Staaten wurde durch gleiche Rahmenbedingungen nicht ausgehebelt, sondern überhaupt erst ermöglicht. Die Einführung von staatlichen Anreizmodellen hat dafür gesorgt, dass die Filmbranche in ganz Europa einen Aufschwung erlebte. Der Deutsche Filmförderfonds steht exemplarisch für den Erfolg entsprechender Anreizsysteme. Zehn Jahre nach seiner Einführung bedarf das Modell DFFF jedoch einer grundlegenden Überarbeitung.

Die angekündigte Erhöhung des DFFF auf 125 Mio. Euro ab 2018 ist ein Schritt in die richtige Richtung. Sie steht aber unter dem Vorbehalt der Haushaltsbeschlüsse des neuen Bundestags und ist deswegen erst einmal nicht mehr als eine Absichtserklärung im Wahljahr 2017. Darauf kann sich jeder selbst einen Reim machen. Ein zukunftsweisendes Anreizmodell, das die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Filmbranche langfristig sicherstellt, ist jedoch dringend auf Stabilität angewiesen. Das regelmäßige Feilschen um die Höhe der Fördergelder und der Verdacht, die föderale Vielfalt zu vernachlässigen, um ausgewählte Produktionsstandorte zu fördern, schaden dem Medienstandort Deutschland. Ein ausreichend ausgestatteter DFFF, der auch den VFX-Bereich berücksichtigt, stärkt dagegen die kulturelle Vielfalt und trägt wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Filmwirtschaft bei.

Mehr Geld für den Filmstandort Deutschland darf jedoch nicht heißen, dass wir die anderen Branchen der audiovisuellen Kreativindustrie aus dem Blick verlieren.

Wir brauchen neben dem DFFF ein weiteres Anreizmodell, das den finanziellen Spielraum in der audiovisuellen Kreativindustrie erweitert. Deshalb halte ich die Entwicklung eines zusätzlichen Anreizmodells für sinnvoll, das im Bundeswirtschaftsministerium verwaltet wird und internationalen Maßstäben entspricht. Staatliche Anreizmodelle haben gezeigt, dass sie die Wirtschaftskraft ganzer Branchen nachhaltig beleben können. Voraussetzung dafür sind erfüllbare Kriterien, die eine verlässliche und berechenbare Förderung nach sich ziehen. Wenn für den DFFF 125 Mio. Euro bereit stehen, sollte der gleiche Betrag auch für die anderen Bereiche der audiovisuellen Kreativwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Nur so können wir die heimische Gamesindustrie stärken und wirtschaftlich starke Unternehmen der Gamesbranche nach Deutschland locken. Dies könnte auch der Grundsatz dafür sein, mittelfristig ein an das jüngst modifizierte belgische Tax-Shelter-System orientiertes Anreizmodell zu etablieren.

Über hochklassig produzierte Filme und Games exportieren wir nicht nur deutsches Kulturgut ins Ausland. Wir stärken damit auch die eigene Wirtschaft. Eine starke audiovisuelle Kreativindustrie ist daher von nationalem Interesse. Deutschland kann und darf es sich nicht länger leisten, das vorhandene Potenzial brachliegen zu lassen und lediglich seine kreativen und gut ausgebildeten Entwicklerinnen und Entwickler zu exportieren. Dr. Marc Jan Eumann

Über den Autor: Dr. Marc Jan Eumann ist Staatssekretär für Europa und Medien des Landes NRW. Eumann war von 1995 bis 2010 Mitglied des Landtags NRW. Seit 2010 ist er Staatssekretär für Bundesangelegenheiten (bis 2015), Europa und Medien.

 




Quelle: GamesMarkt.de

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