Düsseldorf, 22.01.2001, 10:44  GamesMarkt

"Der Prophet zählt im eigenen Lande nichts" - Interview mit Dr. Achim Becker

Im Gespräch mit gamesbiz steht Dr. Achim Becker, Mitgründer und Geschäftsführer von Data Becker, Rede und Antwort. Themen sind unter anderem die eigenständige Spieledivision, das Geschäft in den USA, das Rabattgesetz und die Internetambitionen der Düsseldorfer.

Dr. Achim Becker
Dr. Achim Becker  

gamesbiz : Data Becker hat vor kurzem mit "America - No Peace Beyond The Line" das erste Spiel im Vollpreissegment auf den Markt gebracht. Ein neues Betätigungsfeld von dem man noch einiges erwarten kann?

Achim Becker : Derzeit bauen wir eine eigenständige Entertainment Division auf. Neben dem klassischen Softwarefeld, in dem sich Non-Games sicherlich am profitabelsten erweisen, sowie dem Printbereich und dem Segment Zubehör wird das die vierte tragende Säule für Data Becker werden. "America" ist dabei das erste Vollpreisspiel dieser Division. Unsere Ambition ist es aber nicht, jetzt eine ungeheure Menge an Spielen am Markt positionieren zu wollen. Das geht auch gar nicht, wenn man bedenkt, dass die Entwicklungskosten eines Vollpreisspieles mittlerweile im siebenstelligen Bereich liegen.
Die ersten Resonanzen auf "America" war durchgehend positiv. Auch wenn wir wieder einmal feststellen müssen, das der Prophet im eigenen Lande nichts zählt. In den USA, und allgemein im internationalen Markt, erreicht Data Becker eine hohe Akzeptanz, auch was die ersten eingehenden Abverkaufszahlen betrifft. In Deutschland, speziell seitens der Fachpresse, erfahren wir allerdings Widerstände. Data Becker als Spielepublisher ist für manche noch kein ernstzunehmendes Thema. Wir sehen aber auch, dass wir vom Endkunden teilweise sensationelle Resonanz erhalten. Wir planen weitere Produkte, und man wird von Data Beckers Entertainment Division noch einiges zu hören und zu sehen bekommen. Dabei setzen wir primär natürlich auf den PC, Umsetzungen für Konsolen sind derzeit noch kein Thema, wir wollen uns aber mittelfristig nicht davon distanzieren.

gamesbiz : Sie sprachen die USA an. Wie läuft das Geschäft in Übersee?

Achim Becker : Data Becker unterhält seit zwei Jahren eine Niederlassung in Boston. Von dort aus distribuieren wir weltweit in den englischsprachigen Markt. Data Becker gilt in den USA als eine der schnellwachsendsten Firmen. Wie in Deutschland, sind wir auch in den Staaten im Retailmarkt flächendeckend vertreten. Parallel zum deutschen Release kam "America" auch in den USA in den Handel. Insgesamt intensivieren und investieren wir sehr stark den und in den internationalen Markt. Dazu gehört eine Niederlassung in Madrid für Spanien und Südamerika genauso wie eine Beneluxniederlassung, die den nordeuropäischen Markt abdeckt.

gamesbiz : Wie entwickelte sich das Unternehmen Data Becker insgesamt im vergangenen Jahr?

Achim Becker : Genaue Zahlen kann ich noch nicht nennen, aber wir werden den Vorjahresumsatz des Verlages vom halten können. Eine Delle hat natürlich der rückläufige Bereich der Non-Games verursacht. Das hat aus meiner Sicht zwei Gründe. Zum einen das Internet, aus dem man sich viele Anwendungen kostenlos herunterladen kann, und zum zweiten die Problematik der Softwarepiraterie. Wir alle kennen beispielsweise die Aussagen des VUD hinsichtlich der Produktpiraterie.

gamesbiz : Wie reagiert Data Becker auf die steigende Produktkriminalität bei eigenen Produkten?

Achim Becker : Wie jeder andere natürlich auch mit verbesserten Kopierschutzsystemen. Das ist aber ein Hase-Igel-Wettlauf. Man kann kaum gewinnen. Die Einführung von vielen Novitäten ist ein weiterer Schritt.

gamesbiz : In der Fachpresse fanden sich in letzter Zeit zahlreiche Artikel mit Überschriften wie "Wie kopiere ich richtig?" Data Becker hat selbst zwei Fachmagazine, wie reagiert man hier auf diese Thematik?

Achim Becker : Auf die Redaktionen üben wir überhaupt keinen Einfluss aus. Natürlich beschäftigen sich unsere Magazine mit dieser Thematik. Die Thematik wird aber zur Zeit ein wenig hochgekocht. Andererseits ist das auch gut so. Vielleicht reagiert der Gesetzgeber endlich und eine nötige Novellierung der Rechtssprechung wird durchgesetzt.

gamesbiz : Was muss Ihrer Meinung nach der Gesetzgeber tun? Soll es in Deutschland, ähnlich wie es in Frankreich geplant war, Gebühren für CD- und DVD-Rohlinge geben?

Achim Becker : Nein, auf keinen Fall. Das ist genau so, als würde ich eine Steuer auf neue Wohnungen erheben, um die Zahl der Wohnungseinbrüche zu senken. Es muss einen klaren, verstärkten Schutz geistigen Eigentums geben, der auch so im Gesetz verankert ist.

gamesbiz : Data Becker sieht sich als einer der ersten Publisher, die sich dem noch relativ neuen Medium DVD verschrieben haben. Wie wird sich im Softwarebereich die DVD entwickeln?

Achim Becker : Die DVD war am Anfang der Megaflop. Mittlerweile gewinnt das Medium aber an Fahrt. Das liegt natürlich an der stärkeren Penetration von DVD-Laufwerken, nicht zuletzt durch Angebote wie beispielsweise die Aldi-PCs. Die Vorteile der DVD sind klar zu nennen: Ein 15-bändiges Lexikon macht sich gut im Regal, ist aber äußerst umständlich zu bedienen. Genau so verhält es sich mit einem aus 15 CDs umfassenden Nachschlagewerk. Mit dem Speichermedium DVD ist dieses Problem gelöst. Das Medium ist überzeugend und die DVD wird, wenn die Penetration der DVD-Laufwerke stimmt, den gleichen Weg nehmen wie vor einigen Jahren die CD-ROM gegenüber der Diskette.

gamesbiz : Die "Goldene Serie" ist einer der Umsatzpfeiler von Data Becker. Wie hat sich die Serie entwickelt? Sind Sie zufrieden?

Achim Becker : Wir haben im vergangenen Jahr um die 40 Novitäten in dieser Reihe herausgebracht. Es läuft sehr gut, aber zufrieden bin ich nie, denn wenn ich zufrieden bin, muss ich es lassen. Die "Goldene Serie" ist der Klassiker in diesem Segment schlechthin. Viele andere Publisher haben Ansätze erkennen lassen, ähnliche Produktreihen zu etablieren, preislich einmal darüber, einmal darunter, aber erreicht hat sie keiner.

gamesbiz : Thema Rabattgesetz. Ein bedeutender Umschwung auch für Data Becker?

Achim Becker : Data Becker ist ein internationaler Publisher, daher ist uns diese Thematik auch nichts Neues. Wir sind sehr stark in den USA vertreten und wie jeder weiß, gibt es dort keine ähnlich gelagerte Gesetzsprechung. Das heißt, wirklich wilde Sachen gibt es trotz fehlender Rabattgesetze in anderen Märkten auch nicht. In Deutschland werden einige anfangs wild experimentieren, nach einer gewissen Anlaufphase aber wird sich das einpendeln und der Markt genauso weiterlaufen wie bisher. Zudem muss man bedenken, das Rabattgesetz mag zwar fallen, aber nicht das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Was es sicherlich verstärkt geben wird, sind Kundenkarten und Zusatzrabatte. Aber dadurch wird der Kuchen auch nicht größer, sondern nur anders aufgebröselt.

gamesbiz : Einige deutsche Publisher wagten in den vergangenen Monaten den Börsengang? Auch bei Data Becker ein Thema?

Achim Becker : Aktuell nicht, aber sicherlich in den nächsten Jahren. Derzeit ist auch das Börsenumfeld nicht stimmig. Wenn man sich die Börsenneulinge der letzten Monate ansieht, ist doch manche Lachnummern darunter. Besonders die Neueinführungen wurden zu sehr hochgekocht. Ohne betriebswirtschaftlich sinnvolles Konzept folgt zumeist die große Ernüchterung. Es kann nicht sein, dass ein sechs bis 18 Monate altes Unternehmen mit der Versprechung "Wir werden in Zukunft gut sein" den Börsengang realisiert.

gamesbiz :Wie sieht es mit dem Internetauftritt von Data Becker aus?

Achim Becker : Viele Unternehmen im Onlinebereich funktionieren nur mit frischgedrucktem Börsengeld. Diese Unternehmen - das sieht man ja zur Zeit, man muss dafür nur eine Tageszeitung in die Hand nehmen - sind nur Zeiterscheinungen. Das Onlinegeschäft kann nur mit bestehenden und gut funktionierenden Offlinestrukturen abgewickelt werden. Wir wollen dafür den Bereich Internet intensivieren, ohne aber unseren Retailpartnern den Handelsumsatz wegzunehmen. Die früheren Coupons und Mailings setzen sich im Internet fort. In erster Linie steht der Webauftritt von Data Becker daher für Werbe- und Supportmaßnahmen unserer Produkte.


Quelle: Entertainment Markt

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