Superbanner
 
München, 15.06.2012, 15:34  GamesMarkt | Märkte

Das Kopierschutzdilemma

Es ist ein Kuriosum: Nicht obwohl, sondern weil "The Witcher 2" und "Deponia" auf einen PC-Kopierschutz verzichteten, stiegen die Verkaufszahlen. Ist der Kampf gegen Raubkopien mit technischen Sperren vergebene Liebesmüh?

Branchenstreitthema DRM Großansicht
Branchenstreitthema DRM  
Herr Käufer spielt nicht so oft PC-Spiele. Nur alle paar Jahre kauft er das neue Strategiespiel der Firma RedBit. Vor Kurzem hat sich Herr Käufer "Die Aufbauer 7" gekauft. Etwas verwirrt hat ihn, dass er während der Installation ein ihm unbekanntes Zusatzprogramm installieren musste, das E-Mail-Adresse und ein Passwort verlangte. Weil sich Herr Käufer mit Computern nicht so gut auskennt, hat er sicherheitshalber zugestimmt. Spielen konnte er trotzdem nicht, das Spiel meldete, die Verbindung zu den RedBit-Servern könne nicht hergestellt werden. Nach einigen weiteren Versuchen gibt Herr Ehrlich auf. Stattdessen fragte er seinen Kollegen, Herrn Torrent, denn der kennt sich besser mit PCs aus. "Kein Problem", sagt der, "hier hast du eine DVD, mit der kannst du 'Die Aufbauer 7' einfach installieren." Herr Torrent hat recht, mit seiner DVD lässt sich das Strategiespiel ohne Probleme spielen. Diese (frei erfundene) Geschichte verdeutlicht das Kopierschutzdilemma moderner PC-Spiele.

"DRM funktioniert einfach nicht"

Die werden von Publishern immer öfter mit Kopierschutzsystemen ausgeliefert, die weit über den früher üblichen CD-Key hinausgehen. Mal brauchen Kunden eine Internetverbindung zum Aktivieren, mal sollen sie gar permanent mit dem Netz verbunden sein. Fast immer müssen passwortgeschützte Accounts angelegt werden, manche Programme (wie EAs Origin) sind datenschutzrechtlich bedenklich.

Marcin Inwinski, CD Projekt RED Großansicht
Marcin Inwinski, CD Projekt RED  
Sinn der Maßnahmen ist die verständliche Hoffnung, illegale Kopien zu unterbinden. Aber, und das ist das Paradoxe, Softwarepiraten bekommen von den Systemen für DRM (Digital Rights Management) nichts mit. "DRM funktioniert einfach nicht", sagt Marcin Iwinski, Chef des "The Witcher 2"-Entwicklers CD Projekt RED. "Statt ein Spiel vor Raubkopien zu schützen, macht er dem zahlenden Kunden nur das Leben unnötig schwer." Als Beweis führt der polnische Entwickler den PC-Release seines Rollenspiels an. Das war noch am Veröffentlichungstag in allen gängigen Tauschbörsen im Netz zu finden, in einer gecrackten Version, ohne jeglichen Kopierschutz. "Spieler dieser Version hatten jenes problemlose Spielerlebnis, das wir eigentlich unseren Kunden bieten wollen. Käufer berichteten uns hin gegen von Schwierigkeiten mit den Keys und Performanceeinbrüchen wegen der DRM-Software", sagt Iwinski.

Die Leiden des ehrlichen Kunden

"Eine einfache Frage: Sollten ehrliche Kunden eine schlechtere Spielerfahrung haben als Raubkopierer? Die Antwort ist: Nein!", so der Pole. Hinzu kommt, dass es Spieler gibt, die prinzipiell zahlungswillig sind, aber aus praktischen Gründen zu einer gecrackten Version greifen. Weil sie auf Reisen spielen wollen, eine schlechte Internetverbindung oder das Spiel von einem Freund ausgeliehen haben. Nicht jeder Pirat ist automatisch ein Zahlungsverweigerer. CD Projekts Reaktion war es, jeglichen Kopierschutz zu entfernen und anzukündigen, auch für alle zukünftigen Titel darauf zu verzichten. Über diese Entscheidung kam es sogar zum Rechtsstreit mit dem Publisher Namco Bandai, der - wie die meisten Verleger von PC Spielen - nach wie vor von der DRM-Effektivität überzeugt scheint. Die polnischen Entwickler konnten sich durchsetzen: Die "Enhanced Edition" von "The Witcher 2" erschien ohne Kopierschutz.




<< < 1|2 > >>

Mit einem Abo können Sie diesen Artikel kommentieren.


Mehr News zu den Märkten

Gamesmarkt.Daily

GamesMarkt.daily

Unser kostenloser Newsletter informiert Sie täglich über die Geschehnisse der Gamesbranche.

KOMMENTARE

  • Noch kein Kommentar vorhanden.

Mehr zum Thema

Produkte

Unser kostenloses Angebot

Programmplaner

 
Sky_right