Sind Blogger eine Presse zweiter Klasse, oder laufen sie den klassischen Testmagazinen als Multiplikatoren den Rang ab? GamesMarkt klärt, welchen Stand die Netzschreiber in der Spielebranche wirklich haben.
"Es werden keine Akkreditierungen an Inhaber privat initiierter Spiele- Homepages, privat initiierter Blogs sowie Podcast-Seiten ausgestellt." Es war nur ein kleiner Satz, der dieses Jahr im Vorfeld neu und fast schon klammheimlich in die Akkreditierungsrichtlinien für die gamescom geschrieben wurde. Von der Koelnmesse, die Veranstalter der Videospielmesse ist, und damit natürlich als Inhaber des Hausrechts darüber entscheiden kann, wem sie eine Pressekarte zugesteht und wem nicht.
"Shitstorm" gegen die gamescom
Die Reaktionen auf diese Entscheidung hatten aber wohl auch die Messebetreiber selber unterschätzt. Kurz nach Beginn der Akkreditierungsphase entlud sich ein Proteststurm im Internet, im Webjargon "Shitstorm" genannt. Besonders in sozialen Netzwerken beschwerten sich auf Spiele spezialisierte Blogger und Podcaster, die im Vorjahr noch eine der begehrten Pressekarten bekommen hatten, über die vermeintliche Rückständigkeit und Netzfeindlichkeit ausgerechnet einer Videospielemesse.
Business-Bereich der gamescom 2012. Zu voll wegen Bloggern?
Business-Bereich der gamescom 2012. Zu voll wegen Bloggern?
Natürlich durften auch Betreiber von privaten Spiele- Homepages nach Köln reisen, allerdings erfolgte der Zugang zu den Messehallen nur über ein reguläres, kostenpflichtiges Ticket. Der Besuch des Businessbereichs sollte neben den Fachbesuchern nur der "klassischen" Presse vorbehalten sein. Die, so ein oft geäußerter Vorwurf, würde sich insgeheim ins Fäustchen lachen und mit der Industrie unter einer Decke stecken, um sich die unliebsame Blogger-Konkurrenz vom Hals zu schaffen.
Die Diskussionen um die Zugangsberechtigungen für die gamescom wirkten rückblickend wie ein Stellvertreterkrieg, der durch althergebrachte Animositäten zwischen Presse- und Blogger-Lager befeuert wurde. Beim Anblick der Businessbereich- Besucher konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eigentlich nicht die Blogger das Problem waren, sondern (meist minderjährige) Besucher, die über Kontakte an einen Fachbesucherausweis gekommen waren.Hört man daher in beide Gruppen hinein, sind die Meinungen zum Thema grundsätzlich gar nicht so verschieden.
Manuel Fritsch ist Betreiber des täglichen Gamespodcast "Breakfast@Manuspielt's", der jeden Monat über 25.000 Downloads erreicht. Zusätzlich schreibt er für die bekannten Blogs Polyneux.de und Superlevel.de. Er ist also genau der Blogger-Szene zuzurechnen, die die Koelnmesse offenbar nicht mehr im Geschäftsbereich sehen wollte. Für strengere Einlassregeln zeigt er aber Verständnis. "Es war trotzdem viel los im Businessbereich und sehr deutlich, dass dort nicht alle Fachbesucher sind, sondern manche sich über Umwege eingefunden haben", sagt Fritsch.
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