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Berlin, 24.11.2016, 07:00  GamesMarkt | Märkte

BIU-Fördermodell: Wie in UK, nur ohne Punkte und auf deutsch?

Das BIU-Schaubild erläutert das Grundprinzip des Fördermodells, das der Verband nun vorgelegt hat Großansicht
Das BIU-Schaubild erläutert das Grundprinzip des Fördermodells, das der Verband nun vorgelegt hat  
Wie angekündigt hat der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) im Rahmen des Parlamentarischen Abends seinen Vorschlag für ein steuerbasiertes Fördermodell für Computer- und Videospielentwickler auf den Tisch gelegt. Und dies hat es in sich. Branchenkenner werden in den Vorschlägen für mehrere Gesetzesänderungen zahlreiche Punkte finden, wie sie beispielsweise in Großbritannien im Rahmen der "Tax Breaks" für Videospieleentwickler umgesetzt wurden. Die größte Parallele ist sicher der "Kulturtest", der Grundvoraussetzung ist, um Anspruch auf den sogenannten "Kulturförderbonus" zu erlangen.

In dem mitgelieferten Entwurf für einen solchen Test verzichtet der BIU zumindest namentlich auf ein Punktesystem, wie es in Großbritannien existiert. Allerdings stimmen zahlreiche Kriterien mit denen aus dem UK-Test überein. So müssen zum Beispiel ein Drittel sowohl der leitenden, als auch der kreativen Mitarbeiter aus Deutschland stammen oder aus der EU, wenn sie in Deutschland steuerpflichtig sind. Auch das mindestens 50 Prozent der Entwicklungskosten hierzulande entstehen müssen oder das Musik, Grafik, Design und mehr in signifikantem Ausmaß in Deutschland kreiert werden findet man so bzw. in sehr ähnlicher Form im britischen Kulturtest für Games.

Abweichungen gibt es jedoch was den kulturellen Kontext betrifft. Anders als im britischen System sieht der BIU-Vorschlag zumindest punktuell einen ausschließlichen Bezug zu Deutschland vor. In UK reicht in der Regel ein europäischer Kontext vollkommen aus.

Daneben gibt es im BIU-Vorschlag aber auch einige Punkte, die sowohl aus Sicht kleinerer Firmen, als auch aus Sicht deutscher Politiker zumindest diskussionswürdig sein dürften. So sind Produktionen, die bis zum VÖ nicht mindestens förderfähige Kosten in Höhe von 200.000 Euro verursacht haben, von dem Kulturförderbonus ausgeschlossen. Ob mit Veröffentlichung bereits ein Early-Access-Release gemeint ist, lässt sich nicht aus dem BIU-Papier ableiten. Diese "Untergrenze" könnte also gerade für kleinere Unternehmen ein Knackpunkt werden.

Erfreulich ist zwar, dass der Bonus grundsätzlich mit anderen Beihilfen kombinierbar ist, aber auch hier gibt es Einschränkungen. So dürfen die Beihilfen in Summe maximal 50 Prozent der förderfähigen Kosten betragen. Danach wird der Steuerbonus so reduziert, dass die Gesamtsumme der Beihilfen maximal 50 Prozent der förderfähigen Kosten entspricht. Dass die meisten anderen Beihilfen wie die Konzept-, Prototypen- oder Produktionsförderungen der Länder jedoch in Form von Darlehen erfolgen, wird nicht berücksichtigt. Wird aus einem Projekt, das zu beispielsweise 40 Prozent durch die Gamesförderungen der Länder unterstützt wurde, ein kommerzieller Erfolg, könnte der Entwickler am Ende nur zehn Prozent der förderfähigen Kosten bei der Steuererklärung geltend machen. Hätte er das Projekt ohne die Länderhilfen gestemmt, dann hätte er einen Bonus von 25 Prozent geltend machen können und dem Entwickler bliebe am Ende mehr Geld bspw. für Neuinvestitionen.

Und es gibt weitere Punkte, die zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen sind. So gibt es eine Grenze nicht nur nach unten, sondern auch nach oben. Die liegt jedoch bei fünf Mio. Euro Kulturförderbonus. Um diese zu erhalten müssen bei einem maximalen Bonus von 25 Prozent also 20 Mio. Euro an förderfähigen Kosten entstehen. Das hört sich viel an, doch nicht alles davon muss zwangsläufig der deutschen Gamesbranche zu Gute kommen. Bis zu höchstens 50 Prozent minus X der Entwicklungskosten können vergleichsweise einfach ins europäische Ausland verlagert werden, zum Beispiel in Form von Auftragsarbeiten. Weitere Optionen der "Auslagerung" entstehen, da auch Kosten für System- und Anwendungsprogramme und damit für Middleware, sowie Kosten für Lizenzen und Rechte als förderfähig eingestuft werden.

Besonders heikel dürfte zudem der Passus sein, den der BIU Vorschlag als §35c Absatz 6 im Einkommensteuergesetz vorsieht: Dort heißt es wörtlich: "Übersteigt der Kulturförderungsbonus die tatsächlich zu zahlende Einkommensteuer, ist der übersteigende Betrag an den Förderungsberechtigten auszuzahlen." Floppt ein Titel mit einem entsprechend hohen Budget könnte Deutschland also gezwungen sein, bis zu 25 Prozent der förderfähigen Kosten auszubezahlen und zwar bis zu einem Betrag von maximal fünf Mio. Euro.

Auch wenn es den ein oder anderen strittigen bzw. diskussionswürdigen Punkt geben mag, der BIU hat mit diesem Vorschlag ein System ausgearbeitet, das - wenn es denn so umgesetzt werden würde - Deutschland in Sachen Förderung zu Großbritannien und Frankreich aufschließen lässt. Und das wäre definitiv ein großer Schritt in die richtige Richtung.


Quelle: GamesMarkt.de

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