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Zusammen mit Tim Bevan leitet Eric Fellner die britische Produktionsfirma Working Title Films, die sich v.a. einen Namen gemacht hat mit erfolgreichen Komödien wie "Notting Hill", "Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück
" oder "About a Boy
", die aktuell im Kino zu sehen ist. Am 5. September startet die Komödie "Ali G in da House" um den gleichnamigen Kultkomiker.
Eric Fellner: Ich denke nicht, dass wir einen direkten Effekt spüren werden. Die Veränderungen bei FilmFour könnten ihnen mehr kreative Freiheit geben, denn der finanzielle Druck wird geringer sein. Ich denke auch nicht, dass durch die Veränderungen eine Marktlücke entstehen wird. Die Art, wie Working Title operiert, ist aktiv und nicht reaktiv, nicht nur auf britischer, sondern auf europäischer Ebene. Wir haben das große Glück, dass uns Mittel zur Verfügung stehen, wie sie sonst keine andere europäische Produktionsfirma vorzuweisen hat.
BF: Sehen Sie sich als europäische oder britische Firma?
EF: Wir sind streng europäisch, aber eigentlich international in unserer Denkweise. Wir sind kommerzielle Filmemacher, die ihren Hauptsitz in England haben. Welche Schlussfolgerungen Sie daraus ziehen wollen, hängt ganz von Ihnen ab. Aber ich bin stolz darauf, dass wir es geschafft haben, von England aus Filme zu produzieren, ohne nach Los Angeles umzuziehen - mit sieben Angestellten ist unser Büro dort recht klein. Aber ultimativ ist die Frage nach Nationalität für uns irrelevant.
BF: Bereiten Ihnen die Entwicklungen bei Vivendi Universal Sorgen?
EF: Nein, es macht uns keine Sorgen, und derzeit haben wir auch noch keine Veränderungen zu spüren bekommen. In der Tat ist Universal unsere Mutterfirma und wenn sie sich plötzlich entscheiden würde, uns zu verkaufen, könnte das problematisch sein. Aber ich würde annehmen, dass sie die Verbindung zu uns aufrecht erhalten wollen, solange wir weiterhin profitable Filme produzieren,. Momentan mache ich mir dazu keinerlei Sorgen, denn wir sind im Vergleich zum Rest des Konzerns extrem klein. Wir halten einfach unsere Köpfe runter und hoffen, dass wir niemanden auffallen.
BF: Inwiefern sind Sie in Ihren Entscheidungen autonom von Universal?
EF: Bis zu einem Budget von 25 Mio. Dollar haben wir vollkommne Freiheit, was das Green-Lighting von Filmen anbelangt. Natürlich besteht zwischen uns und Universal ein ständiger Dialog. Das ist ganz in unserem eigenen Interesse, denn wir wollen sicher gehen, dass Universal unsere Filme auch verleihen will und auch gut verleihen kann. Bisher gab es keine gravierenden Probleme oder Uneinstimmigkeiten.
BF: Wie konnten Sie Universal von einem so spezifisch britischen Projekt wie "Ali G in da House" überzeugen?
EF: Das war einfach! Es war ein sehr geringes Risiko, denn mit einem Budget von etwa sechs Mio. Dollar war der Film nicht besonders teuer. Für Hollywood-Verhältnisse existiert der Film nicht einmal. Universal wusste, dass unser Geschäftsmodell darin bestand, unsere Unkosten in Europa herauszuholen und im Rest der Welt unseren Profit zu machen. Ali G ist schon jetzt bestens in Großbritannien, Skandinavien und Australien etabliert. Auf Grund der geringen Höhe des Budgets war die Wahrscheinlichkeit, dass der Film allein in diesen Ländern seine Kosten einspielen würde, sehr groß. Der Profit hängt jetzt davon ab, ob wir auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Italien gute Ergebnisse erzielen, denn dort ist Ali G noch nicht so bekannt.
BF: Aber hier in England hat Universal sehr viel Geld für die Vermarktung des Films ausgegeben.
EF: Ja, das stimmt. Wenn man heutzutage einen Kassenschlager haben will, muss man viel für Marketing ausgeben. Es sind derzeit so viele Film auf dem Markt, es gibt so viel Werbung und aufwändiges Marketing - wenn man sich da nicht anstrengt, geht man unter. Das ist eben ein unvermeidbares Risiko. Wir beschäftigen uns sehr damit, wie ein Film vermarktet wird. Auf internationaler Ebene ist dafür unser Präsident für Internationales Marketing, David Livingstone, zuständig, dessen Wissen und Instinkt wir sehr vertrauen. Er arbeitet eng mit UIP zusammen. Aber wir sind sehr involviert in die Entscheidung, wie der Trailer und die Werbekampagne eines Films aussieht und wie der Film synchronisiert wird.
BF: Werden Sie "Ali G" in den USA herausbringen?
EF: Das steht noch nicht fest - wir werden sehen, ob in den USA Interesse an der Figur besteht. Derzeit wird eine "Ali G"-Serie für HBO produziert. Wenn die funktioniert, wird Universal den Film in den USA verleihen.
BF: Wie sieht ihre derzeitige Staffel aus?
EF: In Australien haben wir gerade den Abendteuer-Film "Ned Kelly" mit Heath Ledger, Orlando Bloom und Geoffrey Rush abgedreht. Das ist die wahre Geschichte über einen australischen Banditen namens Ned Kelly, gewissermaßen der australische Robin Hood. Dann haben wir Rowan Atkinsons neuen Film, "Johnny English
", vor kurzem fertiggestellt. Darin spielt er einen arroganten Geheimagenten, der ständig alles falsch macht. Wir werden demnächst mit zwei neuen Filmen in Produktion gehen: Die romantische Komödie namens "Love Actually" wurde von Richard Curtis ("Notting Hill") geschrieben und Richard wird diesmal auch Regie führen. Emma Thompson, Hugh Grant und Liam Neeson sind in den Hauptrollen, das Budget dazu wird sich um die 30 Mio. Dollar bewegen. Der zweite ist "The Calcium Kid" mit Orlando Bloom. Das ist eine Art Mocumentary wie "Spinal Tap", der in der Box-Welt spielt. Danach kommt "Wimbledon" mit Kirsten Dunst und Paul Bettany in den Hauptrollen, dann die Fortsetzung zu "Bridget Jones".
BF: Sie produzieren fünf bis sechs Filme im Jahr. Sind Sie zufrieden damit?
EF: Ich denke nicht, dass wir mehr produzieren werden. Um unsere Lebensqualität zu steigern, sollten wir eigentlich weniger produzieren. Aber wir machen nun mal gerne gute Filme, von daher liegen wir mit dieser Zahl wohl genau richtig.
BF: Sie haben mittlerweile eine Filiale in Australien und ein Büro in Los Angeles - gibt es weitere Expansionspläne?
EF: Nein. Ich denke, mit unserer derzeitigen Größe liegen wir genau richtig. Hier in London arbeiten 35 Leute für uns und unsere Finanz-, Rechts- und Produktionsabteilungen befinden sich hier.
BF: Früher waren Ihre Filme stark auf internationalen Filmfestivals vertreten. Dieses Jahr gab es trotz starker britischer Präsenz keinen Working-Title-Film in Cannes.
EF: Cannes war immer eine fantastische Plattform für uns und ich denke, dieses Jahr war einfach ein bisschen seltsam. Unsere Filme haben einfach nicht so richtig ins Programm gepasst und die zeitliche Abstimmung hat nicht ganz gepasst.
BF: Machen Sie weniger Festival-Filme?
EF: Nicht bewusst. Vielleicht machen wir einfach schlechtere Filme. (lacht)
BF: Die Kinoergebnisse sprechen dagegen.
EF: Wir beide wissen, dass Kinoergebnisse nicht immer für die Qualität eines Films sprechen.
Quelle: Blickpunkt:Film
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