Endspurt zum Rekord: Neben den todsicheren Hits "Herr der Ringe 2" und "Harry Potter 2" schicken die Studios in der Wintersaison den 20. Bond, den zehnten "Star Trek", den doppelten DiCaprio und eine Reihe von Oscar-Kandidaten ins Rennen.
Selten las sich eine Wintersaison auf Papier kommerziell so viel versprechend wie das Angebot, das in diesem Jahr von Mitte November bis Ende Dezember Rekorde nur so purzeln lassen sollte. Galt lange Zeit die Aufteilung, dass in der ersten Hälfte im Umfeld des Thanksgiving-Wochenendes die künstlerisch leichtgewichtige, aber hoch kommerzielle Familienware an den Start geht, während in den Tagen vor und nach Weihnachten die prächtigen Prestigeprojekte der Studios um Oscar-Aufmerksamkeit buhlen, erinnert der US-Kinowinter mehr und mehr an ei-
ne inhaltlich nur marginal anspruchsvollere Sommersaison, in der Blockbuster-Kandidaten en gros ins Rennen um die Gunst des Publikums geschickt werden: Binnen dieser zehn Tage kön-
nen ganze Erfolgsgeschichten geschrieben werden, die sich mit Hilfe von Kritikerunterstützung und Oscar- bzw. Golden-Globe-Nominierungen über das gesamte erste Quartal des jeweils folgenden Jahres erstrecken können. Als Paradebeispiel für die kommerzielle Zündkraft des Kinowinters gilt das vergangene Jahr, als erstmals zwei Filme der Saison mehr als 300 Mio. Dollar einspielen konnten: "Harry Potter" und "Herr der Ringe".
Dass sich ein vergleichbares Ergebnis in diesem Jahr wiederholen wird, liegt auf der Hand. Die jeweils zweiten Teile der Erfolgs-Franchises gelten als todsichere Überflieger. "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" (Warner, 14. November) und "Der Herr der Ringe 2 - Die zwei Türme" (Warner, 19. Dezember) profitieren davon, dass sie als Filmmarken mittlerweile etabliert sind und die Popularität der ersten Teile durch die sensationelle DVD- und Videoauswertung noch angekurbelt wurde: Die neuen Episoden sind absolute Must-See-Events, die wenigstens genauso stark wie die Vorgänger sein sollten. Eine längst eingeführte Marke ist natürlich auch James Bond, der sich mit "Stirb an einem anderen Tag" (Fox, 28. November) nach dreijähriger Pause wieder zum Dienst meldet. Die drei bisherigen Brosnan-Bonds bewegten sich an den US-Kinokassen konstant im 120- bis 140-Mio.-Dollar-Bereich. "Stirb an einem anderen Tag" sollte da keine Ausnahme bilden.
Ein Trademark an sich ist seit "Titanic" auch Leonardo DiCaprio. Nach knapp dreijähriger Schaffenspause meldet sich der jüngste Superstar Hollywoods nun gleich mit zwei Filmen zurück, die nur in fünftägigem Abstand an den Start gebracht werden: Vor allem richten sich die Augen auf Martin Scorsese Großprojekt "Gangs of New York" (Fox, 20. Februar). Nach mehrfach verschobenen Startterminen kommt das Epos endlich am 20. Dezember in die US-Kinos und tritt gegen Steven Spielbergs Katz-und-Maus-Spiel "Catch Me If You Can" (UIP, 16. Januar) an, in dem DiCaprio von Tom Hanks durch die Vereinigten Staaten gehetzt wird. Ein spannender Standoff: Immerhin markiert es das Aufeinandertreffen des erfolgreichsten Regisseurs aller Zeiten und des größten lebenden amerikanischen Filmemachers. Passend dazu gibt es auch noch einen Dreikampf: den der hochkarätigen Science-Fiction-Filme. Ein Jahr nach "Ocean's Eleven" stellen George Clooney und Steven Soderbergh ihre Fassung des
Tarkowski-Klassikers "Solaris" (Fox, 6. Februar) vor. Die Crew des Raumschiffs Enterprise geht in "Star Trek 10: Nemesis" (UIP, 2. Januar 2003) auf ihre nunmehr zehnte Filmexpedition. Und Disney versucht, den Jugendmarkt mit dem Zeichentrick-CGI-Epos "Der Schatzplanet" (Buena Vista, 5. Dezember) zu erobern.
Den inoffiziellen Startschuss für die Wintersaison gibt indes ein anderer Blockbuster-Kandidat: In "8 Mile" (UIP, 30. Januar 2003) ist Rap-Superstar Eminem erstmals in einem Film zu sehen. Gleichzeitig geht Todd Haynes' Sirk-Hommage "Dem Himmel so fern" (Concorde, 13. März) ins Rennen, um die Oscar-Saison zu eröffnen. Bis zum Jahresende dürfen sich auch noch das prächtige Musical "Chicago" (Buena Vista, nkT), Alexander Paynes Tragikomödie "About Schmidt" (Warner, nkT) mit Jack Nicholson, Spike Lees Nachttrip "The 25th Hour" (Buena Vista, 3. April) mit Edward Norton, Stephen Daldrys Literaturverfilmung "The Hours" (Highlight, nkT) mit Nicole Kidman, Denzel Washingtons Regiedebüt "Antwone Fisher Story" (Fox, 27. März), "Roberto Benignis Pinocchio" (Falcom, 30. Januar) und Roman Polanskis "Der Pianist" (Tobis StudioCanal, 21. Oktober) Chancen auf Auszeichnungen ausrechnen. Dazu gesellen sich zwei verrückte Verfilmungen von Charlie Kaufman-Drehbüchern, die seinen Erfolg "Being John Malkovich" noch toppen sollten: Spike Jonzes "Adaptation" (Columbia TriStar, nkT) mit Nicolas Cage und George Clooneys Regiedebüt "Confessions of a Dangerous Mind" (Buena Vista, nkT). Konventionellere Komödien gibt es auch, die als Gegenprogramm zu den anspruchsvollen Werken punkten wollen: "Friday After Next" (Warner, nkT) ist die dritte Fol-
ge der erfolgreichen "Friday"-Serie. "Reine Nervensache 2" (Warner, 30. Januar) bringt erneut Robert De Niro und Billy Crystal zusammen, während Rob Schneider sich durch "The Hot Chick" (Buena Vista, 27. Februar) blödelt. Dessen Spezi Adam Sandler erlebt man in dem Zeichentrickfilm "8 verrückte Nächte" (Columbia TriStar, nkT). Und wem ein Mangel an Romantik aufgefallen ist: Jennifer Lopez und Ralph Fiennes schließen diese Lücke mit "Maid in Manhattan" (Columbia TriStar, 27. Februar).
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