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München (bas), 27.05.2004, 13:10  Blickpunkt:Film

Ulli Lommel und Peter Schamoni über "Daniel"

In dem halbdokumentarischen Spielfilm "Daniel, der Zauberer Clip" (Rekord Film, 12. August) befasst sich der ehemalige Fassbinder-Kompagnon Ulli Lommel mit "DSDS"-Entdeckung Daniel Küblböck. Das skurrile Projekt, unterstützt von Produzent Peter Schamoni, wurde auf dem Filmmarkt in Cannes mit großer Begeisterung aufgenommen.

Der Zaubermeister und sein Liebling: Ulli Lommel und Daniel Küblböck
Der Zaubermeister und sein Liebling: Ulli Lommel und Daniel Küblböck  
Blickpunkt:Film: Was hat Sie motiviert, einen Film über Daniel Küblböck zu drehen?

Ulli Lommel: Ich lernte Daniel letzten Oktober bei einem RTL-Event kennen. Da ich 30 Jahre lang nicht in Deutschland gewesen bin und die Casting-Shows auch nicht mit verfolgt habe, kannte ich ihn überhaupt nicht. Doch vom ersten Augenblick an faszinierte er mich. Mir war sofort klar, dass ich dieses Phänomen filmisch verarbeiten wollte.

BF: Was macht für Sie Küblböck zu einem Phänomen?

UL: Die Tatsache, dass er in Deutschland einerseits total angefeindet, andererseits total verehrt wird. Wie Daniel es schafft, die deutsche Gesellschaft zu polarisieren, das ist phänomenal.

Peter Schamoni: Als mir Ulli von seinem Vorhaben erzählte, war meine erste Reaktion: "Bist du wahnsinnig? Über diesen durchgeknallten Frosch einen Film zu machen?" Dann habe ich mich überzeugen lassen und bin als Produzent und Schauspieler eingestiegen. Daniel ist ein unheimlich begabter Mensch, der Emotionen zeigen kann. Die Verbindung von ehemaligen Fassbinder-Stars und Küblböck - das ist der Witz an dem Film.

BF: Wie sind Sie vorgegangen?

UL: Ich habe erst einmal viel im Internet recherchiert. Da gibt es die irrsinnigsten Sachen: Morddrohungen, Hasstiraden wie "das Schlimmste seit Adolf Hitler ist Daniel Küblböck" etc. Wirklich unglaublich. Und andererseits existiert eine unsag-bare Verehrung.

BF: Wie ist es Ihrer Meinung nach zu erklären, dass Daniel Küblböck "von Millionen geliebt, von vielen gehasst" wird (so der Untertitel des Films)?

UL: Meiner Empfindung nach hat der Großteil der Deutschen unheimliche Schwierigkeiten damit, Gefühle auszudrücken. Auf der anderen Seite, was das Rationale betrifft, können die Deutschen unheimlich schnell urteilen. Das intellektuelle Niedermachen funktioniert einmalig. Das trifft auch und gerade auf die Medien zu. Und nun kommt dieser Küblböck daher, der seine Gefühle einfach ausdrückt. Er hat überhaupt keine Hemmungen. Für die einen ist das eine Erlösung. Für die anderen das Allerletzte. Unsicherheit und Hass sind die Folgen. Und Daniel wird zur Zielscheibe. Das ist Thema meines Films.

BF: Hat es lange gedauert, Daniel für Ihr Projekt zu gewinnen?

UL: Gleich nach einem Konzert in München habe ich mich mit Daniel und seinem Vater getroffen und von meiner Idee erzählt. Beide fanden sofort Gefallen daran.

Think positive! Profi-Entertainer Daniel in "Daniel"
Think positive! Profi-Entertainer Daniel in "Daniel"  

BF: Wo und wie lange haben Sie gedreht?

UL: Wir haben im Januar 2004 begonnen und u.a. in Passau, München, Los Angeles, New York und Las Vegas gedreht. Ich hatte am Schluss über 30 Stunden Filmmaterial. Viel zu viel. Dann habe ich beschlossen, mich auf das deutsche Phänomen zu konzentrieren und den von zwei gefrusteten Teenagern geplanten Mordanschlag auf Daniel ins Zentrum zu stellen.

PS: Für mich hat die Art und Weise, wie "Daniel" entstanden ist, absolut hohe cineastische Qualitäten. Seine Machart erinnert mich an "Zur Sache, Schätzchen", den wir damals in 14 -Tagen im Kasten hatten. Auch "Daniel" ist sehr schnell und witzig gemacht.

BF: Welcher Gedanke lag hinter der Figur, die Sie verkörpern?

UL: Daniels Großmutter erzählte mir, dass Daniel das Talent von ihrem Mann hätte, der Musiker auf dem Oktoberfest und ein unheimlich guter Entertainer war. Und ich fand die Idee ganz schön, mit Johnny Merlin eine Rolle einzubauen, die eine Art Lehrmeister und Schutzengel darstellt.

BF: Laufen Sie nicht Gefahr, mit diesem Film ebenso zur Zielscheibe der Kritiker zu werden wie Daniel Küblböck?

PS: Interessant ist doch, dass alle Argumente, die man gegen Küblböck anführen kann, in dem Film vorweggenommen werden. Die beiden Hasser, die ihn als Kulturschande darstellen. Oder meine Figur, der grantige Opa Winter, der die Musik als Müll abtut. Der Film enthält alles, was man gegen Daniel sagen kann, und alles, was man für Daniel sagen kann.

BF: Was hätte Fassinder zu dem Film gesagt?

PS: Der wäre begeistert. Die Machart ist sehr in seinem Stil: diese Leichtigkeit, dieses Hingetupfte und Skizzenhafte, das der Fantasie viel freien Lauf lässt.


Quelle: Blickpunkt:Film

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