London, 11.04.2003, 14:40  Blickpunkt:Film

"The Dreamers" sorgte auf der Showest für Gesprächstoff

Der auf der Showest 2003 vorgeführte Trailer von "The Dreamers Clip", dem neuen Film von Bernardo Bertolucci, lässt vermuten, dass der Maestro des europäischen Kinos wieder zur provokativ-erotischen Eleganz von "Der große Irrtum" und "Der letzte Tango in Paris" zurückgekehrt ist. Um den fertigen Film zu sehen, wird man sich jedoch noch gedulden müssen.

Maestro Bernardo Bertolucci bei den Dreharbeiten zu "The Dreamers"
Maestro Bernardo Bertolucci bei den Dreharbeiten zu "The Dreamers"  
Für Cannes, so Jeremy Thomas, Produzent und langjähriger Partner von Bernardo Bertolucci, werde der Film nicht rechtzeitig fertig sein. Thomas, der zu den letzten wirklich unabhängigen Produzenten Europas zählt und schon "Der letzte Kaiser Clip", "Himmel über der Wüste Clip", "Little Buddha Clip" und "Gefühl und Verführung" mit Bertolucci gedreht hat, beschreibt "The Dreamers" als einen sehr emotionalen Film. "Er handelt von der wundervollen Reise dreier junger Leute ins Erwachsensein. Er wird sowohl einem jungen Publikum gefallen, das diese Erfahrungen gerade selbst durchlebt, sowie älteren Zuschauern, die durch den Film an ihre eigene Jugend erinnert werden."

"Wir schauen unter die Oberfläche"

Auch wenn Bertolucci "The Dreamers" erstmals nach "Der letzte Tango in Paris" wieder in Paris spielt, und auch thema-tisch Sexualität und Erotik wieder eine große Rolle spielen werden, denkt Thomas nicht, dass man den Film mit früheren Werken des Regisseurs vergleichen kann. "Bernardo erfindet sich bei jedem seiner Filme neu. Er wiederholt sich nie. Das macht ihn so außergewöhnlich als Regisseur, und deswegen ist es auch nach 20 Jahren immer noch aufregend, mit ihm zusammenzuarbeiten."

"The Dreamers" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Gilbert Adair und spielt im Frühjahr 1968 in Paris. "Das war eine Zeit gärenden Aufruhrs und voll von Idealismus. Ein wundervoller Hintergrund für einen Film, den Bernardo unbedingt verarbeiten wollte", so Jeremy Thomas.

Bertolucci hatte in der Tat schon vor sechs Jahren auf der Pressekonferenz zu "Gefühl und Verführung" in Cannes ein ähnliches Projekt angekündigt. Dies sei jedoch, so Thomas, nicht zustande gekommen. "Stattdessen fand er dann vor drei Jahren 'The Dreamers'", fügt Thomas hinzu.

Das Budget in Höhe von etwas über 15 Mio. Dollar stellte Jeremy Thomas vor allem aus Vorverkäufen (u.a. an Fox/Searchlight in allen englischsprachigen Gebieten und Concorde in Deutschland) über seine Verkaufsfirma Hanway Films zusammen. Thomas gibt zu, dass der Vorverkaufsmarkt derzeit schwierig sei. "Aber so finanziere ich nun mal meine Filme, denn das gibt mir Freiheit. Und mittlerweile habe ich eine Reihe von Verleihern auf der ganzenWelt, die wissen, das ich eine bestimmte Art von Filmen produziere, die ein ganz spezielles Publikum ansprechen."

In der Tat hat Thomas nach "Crash" und "Naked Lunch" den Ruf des Agent Provokateurs, dessen Filme eine besondere Weltanschauung verkörpern: "Meine Partner und ich sehen das Leben auf eine etwas andere Weise als der Durchschnitt. Wir schauen unter die Oberfläche. Aber zum Glück gibt es genügend Leute, die sich das anse-hen wollen."

Suche nach Extremen

Neben Bertoluccis Namen als Filmemacher ist es auch seine Vorliebe für Außergewöhnliches und die Suche nach Extremen, über die der Film sein Publikum erreichen sollte. Auf eine prominente Besetzung kann sich "The Dreamers" nämlich bei der Vermarktung nicht verlassen. Mit Michael Pitt, Eva Green und Louis Garrel suchte sich Bertolucci gänzlich neue Gesichter für die Hauptrollen aus. "Es ging uns nur darum, die richtige Besetzung zu finden. Das Faszinierende ist, dass in diesem Film die Kinder der 68er-Bewegung die Geschichte ihrer Eltern spielen. Da schließt sich der Kreis auf wunderbare Weise", so Thomas.

Eine weitere Besonderheit von "The Dreamers" ist die Freizügigkeit im Umgang mit Sex. Vor der Trailervorführung auf der Showest riet Steve Gilua, Präsident von Fox/Searchlight, allen zart besaiteten Gemütern, den Raum zu verlassen. "Ich selbst sehe in dem Film absolut nichts Anstößiges. Aber wir werden abwarten müssen, wie die Amerikaner darauf reagieren", so Thomas.

Quelle: Blickpunkt:Film

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