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München, 15.12.1999, 00:00  Blickpunkt:Film

Stühlerücken bei ProSieben, Erfolge für Kabel 1

Stühlerücken bei ProSieben: Nach Georg Kofler und Michael Wölfle nimmt auch Programmchef Borris Brandt seinen Hut (wir berichteten). Die Programmleitung von ProSieben übernimmt Vorstandsmitglied Ludwig Bauer. Damit erhalten Spekulationen über eine Kirch-Senderholding neue Nahrung.

ProSieben geht ohne Programmdirektor ins neue Jahrtausend. Nach gut einem Jahr Amtszeit verläßt Borris Brandt den Sender. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die programmliche Weiterentwicklung des Senders, hieß es in der Presseerklärung. "Ich habe im vergangenen Jahr Erfolgsformate wie,TV Total' oder,Talk, Talk, Talk' installiert, habe,Taff' und,Sam' erfolgreich überarbeitet. In diese Richtung sollte sich ProSieben meiner Meinung nach weiterentwikkeln", erklärte Brandt gegenüber BF. "Für die andere Seite kann ich nicht sprechen." Zu einem weiteren Statement war der scheidende Programmdirektor nicht bereit. Den Programmbereich leitet nun Fernseh-Vorstand Ludwig Bauer. Allerdings nicht etwa kommissarisch, bis ein Nachfolger für Brandt gefunden wird.

Laut Unternehmenssprecher Torsten Rossmann werde gar nicht nach einem neuen Mann gesucht. "Wir glauben, daß wir so ein strafferes Management erreichen, Entscheidungswege schneller werden", erklärt Rossmann die Entscheidung. An Bauer berichten auch Kabel-1-GF Nicolas Paalzow und N-24-Chef Ulrich Ende. Mit SAT.1 habe das gar nichts zu tun, dementiert Rossmann aber Spekulationen, Brandts Rücktritt könnte ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer großen Kirch -Senderfamilie unter Führung von SAT.1 sein. Fred Kogel, der als künftiger Programmchef des Senderverbunds gehandelt wird, gibt sich ebenfalls bedeckt: "Wenn ich gefragt werde, dann denke ich darüber nach", sagte er kürzlich in einem Interview. Vermutungen, daß nun noch mehr Filme und Serien des Medienunternehmers Kirch auf ProSieben gesendet und Eigenproduktionen eingeschränkt würden, wies Rossmann ebenfalls zurück: "Es wird weiterhin eigenproduzierte Magazine und TV-Movies auf ProSieben geben."

Erfolgreicher kleiner Bruder

Kabel 1, der kleine Bruder von ProSieben und seit seiner Gründung klassischer Abspielsender von Kirch-Serien, blickte währenddessen unbeeindruckt von den Turbulenzen auf das "erfolgreichste Jahr seit Senderbestehen" zurück. GF Nicolas Paalzow präsentierte auf einer Pressekonferenz seine neuen Pläne. Für 1999 rechnet Kabel 1 demnach mit zweistelligen Zuwachsraten im Umsatzbereich. Im November erreichte der zweite ProSieben-Sender zum ersten Mal seit seinem Bestehen einen MA von durchschnittlich sechs Prozent und ließ die Konkurrenten RTL 2 (4,2) und VOX (2,9) weit hinter sich. Durch seine Gameshows "Glücksrad" und "Geh aufs Ganze" sei Kabel 1 nach RTL außerdem der zweitstärkste private Sender am Vorabend, so Paalzow. Deshalb würden ab 17. Januar beide Shows auf je eine Stunde verlängert. Neu ab 8. Januar ist auch eine Abenteuer-Info-Reihe mit einem Auto- und einem Wissensmagazin. Alles beim alten bleibt dagegen zur Primetime, in der Spielfilme wie "Platoon" oder "Wall Street" unter dem Label "Die besten Filme aller Zeiten" laufen. Außerdem bietet Kabel 1 erfolgreiche US-Serien, die unter der Dachmarke "Die neue Serienklasse" promotet werden. Wirklich neu dagegen wird im nächsten Jahrtausend das Senderdesign sein, das Pittard Sullivan entwickelte. Schon ab 24. Dezember kann sich Kabel 1 außerdem mit neuem/altem "Einser"-Logo präsentieren. Nach fünfjährigem Rechtsstreit mit der ARD hatte das BVG zu Gunsten von Kabel 1 entschieden.


Quelle: Blickpunkt:Film

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