Potsdam, 13.09.2002, 13:27  Blickpunkt:Film

Studio Babelsberg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Am Anfang war: das Licht. Als sich Guido Seeber, Chef-Kameramann der Berliner Deutschen Bioscop-Gesellschaft, im Spätherbst 1911 für seine Firma auf die Suche nach einem neuen Gelände begab, interessierte ihn er vor allem eines: "Reichlich Sonnenlicht". Aus "fotografischen Gründen".

Das "Tonkreuz" von Studio Babelsberg
Das "Tonkreuz" von Studio Babelsberg  
Das Objekt der Begierde sollte außerdem, nach Seebers Vorstellungen, möglichst idyllisch gelegen und fern von Fabrikschloten sein, mit Großstadtnähe gesegnet und komfortabler Infrastruktur nicht allzu entrückt. Seeber wurde fündig im Südwesten Berlins. Erst 1938 sollte dieser Ort an der Bahnstation einer einstigen Webersiedlung Babelsberg heißen. Am 12. Februar 1912 startete die Bioscop die Dreharbeiten zu "Der Totentanz", dem ersten Film der Asta Nielsen-Serie 1912/13. Nach dem immensen Erfolg der Nielsen-Filme begann für Bioscop die Ära des Autorenfilms. "Der Student von Prag" (sowohl im In- als auch im Ausland ein voller Publikumserfolg) wurde schon 1913 als Meilenstein der Filmkunst bewertet. Während des Ersten Weltkriegs diente sich die Bioscop dem Reich mit wüsten Hetzfilmen an ("Die Marokkodeutschen in der Hand der Franzosen", 1917), die ökonomische Situation der Firma gestaltete sich mehr und mehr desolat. Im April 1918 wurde sie von einem ehemaligen Kölner Zigarettenfabrikanten gekauft, zwei Jahre (und einen weiteren Verkauf) später mit der Decla-Film-Gesellschaft zur Decla-Bioscop AG fusioniert. Die ehemalige Decla installierte daraufhin in Babelsberg nicht nur 20 unterirdische Filmkammern, in denen bis zu 500.000 Meter Film gelagert werden können. Sie schaffte es auch, eine florierende Produktion anzukurbeln. 1922 ging das Unternehmen, und mit ihm das Babelsberger Gelände, in den Besitz der UFA über. Zu jener Zeit tobte ein harter Konkurrenzkampf auf dem Produktionsmarkt: Da während des Krieges ausländische Filme mit Einfuhrverboten belegt wurden, stieg die Zahl der Produktionsfirmen bis 1922 von 28 (1914) auf 270. Decla-Gründer Erich Pommer zeichnete bis 1925 für die Produktion in Babelsberg verantwortlich. Unter seiner Ägide entstanden Fritz Lang-Klassiker wie "Die Nibelungen" oder "Der müde Tod". Die exorbitanten Produktionskosten zu Langs Stummfilmepos "Metropolis Clip" (1925/26), falsches Management und ein Übermaß an unrentablen Prestigefilmen führten die UFA 1926 dann aber in eine Krise, die nur durch strikte Reorganisation und Sanierung aufgefangen werden konnte. Retter in der Not war ausgerechnet der nationalkonservative Hugenberg-Konzern. Dessen Sanierungsprogramm verpasste Babelsberg ein radikal neues Gesicht. Aus dem Studiogelände wurde im Nu eine Filmfabrik mit den Dimensionen kalifornischer Filmstädte. Noch im Frühling 1928 gab sich die UFA-Führung allenthalben skeptisch gegenüber der Audio-Revolution. Als "The Jazz Singer", und mit ihm der Tonfilm, jedoch ungeahnte Erfolge feierte, reagiert die UFA unverzüglich. Im April 1929 kam es zu einer Einigung mit der Klangfilm GmbH - wobei man sich bewusst für ein deutsches Tonsystem entschied. Noch im selben Jahr entstand das UFA-Tonfilmatelier, das auf Grund seiner Bauform fortan nur noch "Tonkreuz" hieß. Mit Hanns Schwarz' erfolgreichem Film "Melodie des Herzens" lösten sich alle Vorurteile in Luft auf.

Skepsis gegenüber Audio-Revolution

Für den Film, der im Juni 1929 noch als stumme Produktion begonnen hatte, wurden Ende des Jahres Szenen im Tonkreuz nachgedreht. Auf den Markt kamen schließlich vier Sprachversionen: in Deutsch, Französisch, Englisch und Ungarisch. "Melodie des Herzens" avancierte schlagartig zum weltweiten Publikumsrenner und sicherte der UFA den Anschluss an den internationalen Markt. Am 31. Januar 1933 hat der UFA-Film "Morgenrot" in Anwesenheit von Adolf Hitler in Essen Premiere. Es war der "nationale Film" des Produktionsjahres 1932/33. Bei der UFA war man bemüht, Filme zu produzieren, die sich den veränderten Gegebenheiten geschmeidig anpassten. So entstanden bereits 1933 der (von Goebbels hoch gelobte) "Hitlerjunge Quex" oder "Flüchtlinge". Als reichsmittelbarer Betrieb unterstand die UFA ab 1937 dem Büro Max Winkler, seines Zeichens Reichsbeauftragter für die deutsche Filmwirtschaft. Am 15. Februar 1939 trat Ernst Hugo Correll als Produktionschef zurück. Seit 1933 bestimmte bloße Unterhaltungskost die Produktion der UFA im heutigen Babelsberg. Neben unzähligen Melodramen und Krimis waren etwa 50 Prozent der bis 1945 produzierten Streifen Komödien und Revuefilme. Dabei kam der Ausstattung noch in den Kriegsjahren abenteuerliche Bedeutung zu. Grundsätzlich wurden Kostüme für jeden Film neu gefertigt. Trotz zunehmender antiamerikanischer Kampagnen blieb Hollywood der Maßstab. Und Propagandaminister Goebbels wusste das. Konsequent setzte er darauf, dem Publikum mit bezaubernden Bildern den Blick auf Staatsterror und Kriegsgräuel zu verschleiern. "Münchhausen" mit Hans Albers in der Titelrolle, als Farbfilm eine Prestigeproduktion der UFA, wurde zum letzten großen Inlandserfolg des Unternehmens. Bis Ende 1944 sahen ihn 18,7 Mio. Besucher. Der letzte Film, der in den Babelsberger Studios begonnen wurde, konnte nicht mehr vollendet werden. Geplanter Titel der Produktion: "Das Leben geht weiter".


Quelle: Blickpunkt:Film

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