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VdF e.V. - Verband der Filmverleiher e.V.

Verband/Organisation

Berlin, 13.11.2008, 14:26  Blickpunkt:Film

Sechs Jahrzehnte Filmpolitik

In seiner 60-jährigen Geschichte hat der VdF die Geschicke der deutschen Filmbranche durch einige wichtige Weichenstellungen entscheidend mitgestaltet. Viele davon mit der SPIO und den Kino- und Produzentenverbänden.

Knapp 50 Jahre VdF-Historie: ein Bild zum zehnjährigen Jubiläum 1958 mit Gründungsgeschäftsführer Horst von Hartlieb, und der Vorstand 2005 Großansicht
Knapp 50 Jahre VdF-Historie: ein Bild zum zehnjährigen Jubiläum 1958 mit Gründungsgeschäftsführer Horst von Hartlieb, und der Vorstand 2005  
Gegründet wurde der Verband der Filmverleiher 1948, am 26. Mai erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister. Bis zum Umzug nach Berlin 2007 hatte er seinen Sitz in Wiesbaden. Der VdF folgte dem Anfang 1946 gegründeten Verband norddeutscher Filmverleiher mit Sitz in Hamburg nach und war für das vereinigte Wirtschaftsgebiet der West-Alliierten zuständig. Erster Geschäftsführer wurde Horst von Hartlieb, der in verschiedensten Funktionen noch erheblichen Einfluss auf die deutsche Kinolandschaft nehmen sollte. Anfänglich zählten nur deutsche Verleiher zu den Mitgliedern, die US-Majors traten am 3. August 1950 bei. Damals war es noch üblich, Filmstaffeln in Blöcken zu vermieten. Die Kinos mussten eine bestimmte Anzahl Filme abnehmen, ohne alle Filme des Blocks zu kennen. Zugleich gab es eine strenge Hierarchie unter den Kinos, die von Uraufführungstheatern über Bezirksuraufführungstheatern bis zu Nachspieltheatern ging. Einerseits sorgte das Prinzip des zeitlich gebundenen Block- und Blindbuchens regelmäßig für Ärger mit dem Kinoverband, andererseits achteten einige Kinofürsten eifersüchtig auf die Einhaltung ihrer Privilegien. Gleichzeitig stieg die Zahl der Erstaufführungskinos. Waren es 1946 erst 141, waren es 1957 schon 553. Um diese Situation zu entspannen, beschloss Mitte 1958 die AG Verleih/ Theater "eine Vermietung der lockeren Hand", die aber nur für deutsche Spielfilme galt. So wurde das "Alles oder nichts" für die Theater in kleinen und mittleren Städten gelockert. Das Blockbuchen wurde dadurch aber nicht infrage gestellt. Die Abrechnungskontrolle wurde in den frühen Fünfzigern erarbeitet: VdF-Mitarbeiter sammelten Informationen über den Theaterbestand und Eigentümerverhältnisse, machten Testkäufe in den Kinos, führten Besucherzählungen durch, die mit den Spielfilmabrechnungen verglichen wurden, und überprüften generell, ob die Verträge eingehalten wurden. Auf Betreiben des Zentralverbands der deutschen Filmtheater wurden mit der Saison 1955/56 von den Mitgliedsfirmen des VdF einheitliche Firmenbezugsbedingungen eingeführt, die heute noch vereinzelt im Einsatz sind. Neben der Einrichtung der grundsätzlichen Geschäftsstrukturen und Arbeitsbedingungen für den Filmverleih engagierte sich der VdF auch in der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Gesamtbranche. Von Anfang an sprach er sich gegen die Vergnügungssteuer aus, arbeitete mit der SPIO an einer generischen Kampagne, setzte sich für die Verwendung des Ufi-Sondervermögens in ein Förderprämiensystem für Filmproduktionen ein, erarbeitete mit den Produzenten eine Vereinbarung, dass Spitzengagen von Schauspielern 100.000 Mark nicht überschreiten dürfen, um die Budgets im Griff zu behalten, und nahm Einfluss auf die Novellierung des JSchG 1957. Hier musste der VdF allerdings eine Niederlage hinnehmen, denn trotz seiner Warnungen wurde die FSK-Kategorie "freigegeben ohne Altersbeschränkung" abgeschafft, was in Folge zu einem Einbruch in der Produktion von Kinderfilmen führte. Die Kategorie wurde bei der Novelle von 1985 auf Druck des VdF und anderer SPIO-Verbände unter Führung von Horst von Hartlieb wieder eingeführt. 1958 erreichte der Kinobesuch in der Bundesrepublik mit 818 Mio. Besuchen sein absolutes Maximum. Danach ging es durch das vom Fernsehen veränderte Freizeitverhalten der Menschen rapide bergab. Der VdF versuchte schon früh, auf die Herausforderungen des neuen Mediums Fernsehen zu reagieren. Durch die Gründung einer Verwertungsgesellschaft für TV-Rechte versuchte die Kinowirtschaft die Kontrolle über die Verwertung von Kinofilmen im Fernsehen zu erhalten, scheiterte aber mit diesem Versuch. Auf anderen Ebenen konnten jedoch Erfolge verbucht werden: Der VdF unterstützte ein marktorientiertes Filmförderungsgesetz, das die Verleiher vom hohen Risiko der Minimumgarantie entlastete. Gleichzeitig koppelte der Verband seine Zusage zum FFG an die Forderung des halben Mehrwertsteuersatzes, was Ende der Sechzigerjahre auch Wirklichkeit wurde.

Schnittstelle der Filmwirtschaft



Die wirtschaftliche Entwicklung zwang alle Branchenteilnehmer, nach Einsparpotenzialen zu suchen. Dadurch verschlechterten sich auch die Beziehungen untereinander. Verleiher versuchten bei deutschen Filmen Vorabgarantien von den Kinos zu erhalten, um ihre eigenen Verpflichtungen gegenüber den Produzenten abzufedern. Die Theaterbesitzer versuchten, Abschlussgemeinschaften zu bilden, um die Verleiher unter Druck setzen zu können. Beide Ansinnen scheiterten. Dennoch konnten marktstarke Theater, die sich im Erstaufführungskreis zusammengeschlossen hatten, Druck auf kleine und mittlere Verleiher ausüben. Gleichzeitig schränkte das Kartellamt die Staffelvermietung von deutschen Filmen erst auf acht, dann sechs Filme ein. Bei der Novellierung des Urheberrechtgesetzes 1965 konnte der VdF gemeinsam mit den Produzenten und der SPIO grundlegende Änderungen durchsetzen, etwa das Leistungsschutzrecht der Produzenten. Bei der VdF-Mitgliederversammlung 1970 verwies Horst von Hartlieb darauf, dass in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern die eingesessenen Produzenten und die neue Generation der Filmemacher nicht zusammenfänden. Auf diese Art, so seine Befürchtung, könne es dem deutschen Kino nicht gelingen, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Die schon frühe Forderung des VdF, eine Projektfilmförderung der FFA nur an Projekte mit einem verbindlichen Verleihvertrag zu vergeben, wurde aber erst in den Achtzigerjahren konsensfähig, nachdem eine erhebliche Menge deutscher Filme ohne Publikum blieb. In den Siebzigern begann sich auch die Kinolandschaft zu verändern. Heinz Riech führte das Konzept des "Schachtelkinos" ein, Programmkinos entstanden, und man entdeckte, dass sich Sexfilme und Eastern einer großen Nachfrage erfreuten. Die Verleiher mussten durch die verlängerten Auswertungszeiten und die wachsende Marktmacht einzelner Betreibergruppen eine Verringerung der durchschnittlichen Filmmiete hinnehmen. Ende der Siebziger wurde ein neues Problem so drängend, dass der damalige Geschäftsführer Manfred Göller 1979 im Verband eine Abteilung für die Verfolgung der Videopiraterie aufbaute. Im Zuge dessen konnte der VdF den Gesetzgeber auch überzeugen, dass es sich bei der Videopiraterie um organisierte Wirtschaftskriminalität handelt, wodurch sie zum Offizialdelikt wurde. Auch die Urheberrechtsnovelle von 1985 trug dem mit einer Erhöhung des Strafmaßes Rechnung. Mit dem Siegeszug des VHS-Formats wanderte das B- und C-Programm zunehmend aus den Schachtelkinos ab, der Besucherrückgang wurde durch den "Pillenknick" noch verstärkt. Auch als Reaktion darauf formulierten VdF und HDF eine Empfehlung, wonach die Videovermarktung erst sechs Monate nach Kinostart erfolgen sollte - quasi die Geburtsstunde des Kinofensters. Im November 1987 veröffentlichte das Bundeskartellamt einen Kriterienkatalog für die Vermietungspraxis. Dieser führte zum Ende des Blockbuchens und einer steigenden Zahl der Startkopien, Letzteres auch bedingt durch den Mauerfall.

1993 gab von Hartlieb nach 45 Jahren seinen Posten als hauptamtlich geschäftsführendes Vorstandsmitglied ab. Auch Manfred Göller als Geschäftsführer schied aus, ihm folgte Johannes Klingsporn. Fragen aus Bereichen wie dem Jugendschutz, dem Urheberrecht oder der Filmförderung beschäftigen den Verband der Filmverleiher naturgemäß auch im Jubiläumsjahr und darüber hinaus. Daneben aber hat man es mit einer Herausforderung zu tun, die einzigartig in der Verbandsgeschichte ist: Dem Streben nach der flächendeckenden Einführung eines neuen technischen Standards unter Mithilfe der Politik. Man darf hoffen, dass der Punkt "Digitalisierung des Kinos" in einem Rückblick zum 70-jährigen Jubiläum als Erfolg verbucht werden kann. stei

Gemeinsames Engagement
Hart Aber Gerecht
Ende 2003 rief die deutsche Filmwirtschaft die Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher - eine Initiative zum Schutz des Originals" ins Leben. Mit regelmäßig stattfindenden Aktionen, drastisch-humorvollen Spots im Fernsehen, auf der Kinoleinwand und im Internet sowie Printmotiven soll das Unrechtsbewusstsein geschärft werden.
Respect Copyrights
Eine Initiative zum Schutz des Originals: Die Aufklärungskampagne der deutschen Filmbranche wurde 2005 ins Leben gerufen und ergänzt die Kampagne "Hart Aber Gerecht", indem sie über das Urheberrecht und den Wert des geistigen Eigentums informiert. Dafür wird u.a. Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt.
Filmbefreier
Die im April 2008 gestartete Kampagne möchte im Bewusstsein des Konsumenten den Begriff Kino und dem damit verbundenen Erlebnis seine ursprüngliche Bedeutung zurückgeben: den Genuss eines Films auf der großen Leinwand.



Quelle: Blickpunkt:Film

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